Fahrverbot 2011 beendet

CAS bestätigt Sperre für Schumacher

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die zweijährige Dopingsperre gegen Radprofi Stefan Schumacher bestätigt. Der CAS wies den Einspruch des WM-Dritten von 2007 gegen die Sperre zurück.

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Radprofi Stefan Schumacher will das Urteil der CAS weiter anfechten.
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Die Tour de France feiert ein Jubiläum: Vor 20 Jahren gab es die knappste Tour-Entscheidung der Geschichte. 1989 siegte Greg LeMond (r.) mit achr Sekunden Vorsprung vor Laurent Fignon (l.). Zeit, ein paar Rekorde in Bildern aufzulisten:
Erst zwei Jahre ist es her, dass Alberto Contador den Tour-Sieg feiern konnte - mit einem Abstand von 23 Sekunden zum Zweitplatzierten Australier Cadel Evans. Beide sind in diesem Jahr wieder am Start.
Dagegen gab es bis heute keinen klareren Gesamtsieg, als den von Maurice Garin 1903 - bei der ersten Tour de France. Er lag im Ziel 2:59:21 Stunden vor Lucien Pothier. 1952 brachte es Fausto Coppi (im Bild) immerhin auf 28:17 Minuten - vor Stan Ockers.
1946 hat Coppis großer italienischer Konkurrent und Landsmann Gino Bartali (l.) 26:16 Minuten Vorsprung auf dem Siegerpodest vor dem Belgier Alberic Schotte.
Eddy Merckx sammelte dagegen bis heute die meisten Etappensiege. Inklusive Zeitfahrerfolgen kam er auf 34 Etappensiege. Er wollte immer gewinnen - auch ein Grund ...
... für seinen Spitznamen im Peloton: "der Kannibale".
Der Franzose Bernard Hinault stand 28 Mal auf dem Siegerpodest, gefolgt von ...
... Andre Leducq, ebenfalls Franzose, mit 25 Etappenerfolgen. Er könnte in diesem Jahr aber von ...
... Dauersieger Lance Armstrong abgelöst werden. Der "Tourminator" sammelte bisher 22 Etappenerfolge.
Armstrong hält aber einen anderen einmaligen Rekord: Von 1999 bis 2005 gewann er als erster und einziger Fahrer in der Tour-de-France-Geschichte die Rundfahrt siebenmal in Folge. Zudem trug er bisher 83 Tage das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Nur ...
... Eddy Merckx (r.) schaffte mehr: 111 Tage durfte der Belgier das Gelbe Leibchen tragen. Bernard Hinault (l.) kommt immerhin auf 79 Tage in Gelb.
Der Amerikaner Armstrong fuhr auch die schnellsten drei Touren: 2005 betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 41,654 km/h, 2003 40,940 km/h und 2004 40,553 km/h.
Mario Cipollini (im Bild) fuhr 1999 die schnellste Tour-Etappe. Auf den 194,5 km von Laval nach Blois schaffte er ein Stundenmittel von 50,355. Schnellster in einem Zeitfahren war Greg LeMond 1989. Von Versailles nach Paris (24,5 km): 54,545 km/h.
Die Rekord-Distanz beträgt 5.745 Kilomter - auf sieben Etappen und wurde 1926 gefahren. Die kürzeste Tour gab es 1989 mit insgesamt 3.582 Kilometern auf 21 Etappen.
Der Niederländer Joop Zoetemelk nahm an 16 Frankreich-Rundfahrten teil und beendete alle - ebenfalls ein Rekord.
Das längste Solo der Tour-Geschichte geht auf das Konto des Franzosen Albert Bourlon. 1947 bestritt er in den Pyrenäen, von Carcassonne nach Luchon, 253 km in Alleinfahrt.
Der höchste Tour-Berg? Der 2.802 Meter hohe Col de la Bonette in den Alpen!
Jan Ullrich ist der erfolgreichste Deutsche bei der Tour. Er gewann sie als einziger Deutscher (1997) und fuhr 18 Tage im Gelben Trikot. Zudem ...
... gewann er drei Mal den Titel und das Weiße Trikot des Besten Jungprofis (1996-1998).
Immerhin zwei Mal der beste Nachwuchsfahrer im Tour-Peloton war Marco Pantani (1994, 1995). Der "Pirat" aus Italien hält dagegen einen "mythischen" Rekord: Er fuhr 1997 den magischen 13,8-km-Anstieg hinauf nach L'Alpe d'Huez in 37:35 Minuten.
Das rot-gepunktete Bergtrikot konnte Pantani, 1994 verstorben, aber nie gewinnen. Hier ist ein Franzose der Rekordhalter. Richard Virenque schaffte das Kunststück ...
... gleich sieben Mal. Kein Wunder, dass er mit Jessica Sow ein Topmodel an seiner Seite hat. Hinter ...
... Virenque folgt mit Federico Bahamontes ein Spanier. In den 50ern und 60ern gewann er sechs Mal die Bergwertung, der Belgier ...
... Lucien van Impe tat es ihm in den 70ern und 80er gleich.
Das Grüne Trikot des Punktbesten streifte sich in Paris der deutsche Ausnahmesprinter Erik Zabel am häufigsten über. Sechs Mal in Folge gelang ihm dieses Kunststück. Bis heute unerreicht. Auf Rang zwei dieser Wertung ...
... landet der Ire Sean Kelly. Vier Mal gewann er das Grüne Trikot. Erfolgreich war er in den 80er Jahren. Derzeit ist der ...
... Australie Robbie McEwen der Einzige, der Kelly bereits in diesem Jahr einholen kann. Er kommt auf bisher drei Siege in der Punktewertung.
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Galibier, Tourmalet, L'Alpe d'Huez, Mont Ventoux (im Bild): Diese "heiligen Berge" lassen das Herz jedes Radsportfans höher schlagen. Helden werden dort geboren, wo alle über ihre Grenzen gehen müssen.
13 Mal wurde der Mont Ventoux bei der "Großen Schleife" bisher erklommen. Er ist 2009 die große Unbekannte der Frankreich-Rundfahrt und das hat seine Gründe.
Da wäre etwa der kahle Gipfel. Oder auch dessen Name: Pass der Stürme.
Zudem ist der Ventoux von drei Seiten aus zu erreichen. 2009 wird der schwerste der Anstiege gefahren. Auf ...
... rund 21 Kilometern werden ...
... mehr als 1.600 Höhenmeter überwunden. Die ...
... durchschnittliche Steigung beträgt 7,6 Prozent.
1951 steht der Mont Ventoux erstmals auf dem Streckenplan der Tour de France.
1958 wird der Mont Ventoux zum ersten Mal als Bergankunft erklommen. Als erster überquert Charly Gaul die Ziellinie.
Bisher hat kein weiterer Luxemburger einen Sieg auf dem Ventoux geholt. Andere tragen sich stattdessen in die Siegerliste ein. Beispielsweise der italienische "Pirat" Marco Pantani, der ...
... in einem spannenden Finish 2000 Lance Armstrong hinter sich lässt. Er soll den Sieg "geschenkt" bekommen haben.
Oder auch Richard Virenque: Der französische ...
... Kletterspezialist gewinnt 2002. Virenque holt sieben Mal das gepunktete Berg-Trikot.
2009 hätte wieder ein Luxemburger ganz oben stehen können. Mit den Brüdern Schleck, Andy (M) und Frank (r.) gab es zwei aussichtsreiche Kandidaten. Der Sieg ging dann aber an Manuel Garate aus Spanien.
Unsterblich ist bereits der Brite Tom Simpson. 1967 attackiert er aus dem Peloton heraus, setzt ...
... sich zeitweise ab, erleidet einen Schwächeanfall, bricht zusammen, steigt wieder auf's Rad. Rund 1,5 Kilometer vor dem Ziel verliert er das Bewusstsein und stirbt.
Der Grund: Er ist gedopt - mit Alkohol und Amphetaminen. Heute erinnert ein Gedenkstein kurz vor dem Gipfel an den tragischen Helden.
Beinahe hätte ein weiterer Name den Stein geziert: 1970 verausgabt sich Eddie Merckx so sehr, dass er im Ziel einen Schwächeanfall erleidet. Er muss beatmet werden - aber er steht in der Siegerliste.
Man sieht, der Mont Ventoux verlangt den Radprofis alles ab. Wer ...
... hier oben ..
... gewinnt, fügt ...
... dem Mythos Mont Ventoux ein weiteres Kapitel hinzu.
Egal, wer den stürmischen Berg als Erster bezwingt - er ...
... macht sich damit unsterblich.
Also: Kette rechts und knallen lassen!

Stefan Schumacher hat bei seinem Justiz-Marathon die wohl entscheidende Niederlage eingesteckt und steht nun vor den Trümmern seiner Karriere. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat den Einspruch des WM-Dritten von 2007 gegen die zweijährige Dopingsperre abgelehnt, das Ende der Sperre aber auf den 27. August 2010 zurückgesetzt. Ursprünglich sollte das "weltweite Fahrverbot" von Schumacher erst am 21. Januar 2011 enden. "Ich bin unglaublich wütend. Man versucht, sich auf das Schlimmste gefasst zu machen, kann es aber doch nicht glauben. Ich bin ein Kämpfer, aber das muss ich erstmal sacken lassen", sagte Schumacher.

Schumacher überlegt Urteil anzufechten

Der 28-Jährige überlegt nun, ähnlich wie im Fall Claudia Pechstein das Urteil vor dem Schweizer Bundesgericht anzufechten. "Wir werden das Urteil analysieren und die Möglichkeit eines Einspruchs vor dem Schweizer Bundesgericht prüfen", sagte Anwalt Michael Lehner, der trotz "einer Reihe von Totschlagargumenten" die Sperre nicht abwenden konnte. Ähnlich wie bei Pechstein hatte der CAS Verfahrensfehler nicht gelten lassen und ein Dopingvergehen von Schumacher gewertet.

Der 28-Jährige war in Nachkontrollen zur Tour de France 2008 positiv auf den Epo-Nachfolger Cera getestet worden. Daraufhin hatte die französische Anti-Doping-Agentur AFLD den 28-Jährigen bis zum 21. Januar 2011 gesperrt, der Radsport-Weltverband UCI dehnte die Sperre weltweit aus. Dagegen legte Schumacher Einspruch ein und verwies auf Verfahrensfehler.

Größtes Argument war dabei die Tatsache, dass das Analyseverfahren erst am 31. Mai 2009 für zulässig erklärt worden war. Schumacher war aber bereits im Oktober vergangenen Jahres von der AFLD überführt worden. Auch positive Proben von den Olympischen Spielen in Peking wurden deutlich vor dem Stichtag analysiert. Das IOC hatte den zweimaligen Tour-Etappensieger von 2008 bereits aus den Ergebnislisten gestrichen. Auch dagegen hatte Schumacher beim CAS Einspruch eingelegt, nach dem jetzigen Urteil dürfte dieses Unterfangen erfolglos bleiben.

Sperre auf den 28. August 2008 zurückdatiert

Umso überraschender war allerdings die Tatsache, dass der CAS den Beginn der Sperre auf den 28. August 2008 zurücksetzte, obwohl der Schwabe Ende September des gleichen Jahres noch bei der WM gefahren war. `Ich habe den Eindruck, dass der CAS durch die Rückversetzung der Sperre Stefan Schumacher die Lust nehmen will, vor das Bundesgericht zu ziehen. Der CAS hat wieder einmal die Chance versäumt, sich als unabhängiges Sport- und Schiedsgericht zu profilieren", sagte Lehner.

Erst im November 2009 war Schumacher vor dem obersten französischen Verwaltungsgericht mit einem Einspruch gegen die zweijährige Dopingsperre gescheitert. Das Analyseverfahren für die Blutproben sei regelkonform gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung des Conseil d'Etat. Damit scheint Schumacher im vierten Anlauf als Dopingsünder überführt. Die Liste der Verdächtigungen gegen ihn ist fast schon so lang wie seine Erfolge. Bei seinem Rennstall Gerolsteiner stand er bereits Anfang des Jahres 2008 vor der Entlassung.

Positive Tests schon 2005 und 2007

Nur weil Teamchef Hans-Michael Holczer damals arbeitsrechtlich die Hände gebunden waren, kam der Nürtinger mit einer Geldstrafe davon. Sechs Tage vor dem WM-Straßenrennen 2007 in Stuttgart hatte eine Trainingskontrolle einen Hämatokritwert von 50,5 ergeben. Schumacher hatte den Wert sdamals mit einer Durchfallerkrankung begründet. Der nächste Vorfall folgte nur eine Woche später.

Am 7. Oktober 2007 raste der Klassikerspezialist unter Alkoholeinfluss in einen Gartenzaun. Bei der anschließenden Polizeikontrolle wurden geringe Mengen von Amphetaminen im Blut festgestellt. Schumacher, der sich den Drogen-Missbrauch nicht erklären konnte, entging damals nur einer Sperre, weil der Amphetaminnachweis außerhalb der Wettkampfphase lag. 2005 war er sogar einmal positiv getestet worden, ein nachträgliches Attest verhinderte aber Schlimmeres.

(SID, N24)

25.01.2010 16:31 Uhr

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