Wegen Verdachts auf Kindesraub ist in Haiti eine Gruppe von US-Bürgern festgenommen worden, die mehr als 30 haitianische Kinder außer Landes bringen wollten. Ein Großteil der Kinder habe noch Angehörige, die das Erdbeben überlebt hätten, sagte die regionale Leiterin von SOS Kinderdorf, Patricia Vargas. Die Inhaftierten wiesen den Vorwurf des Menschenhandels von sich, vielmehr hätten sie nur helfen wollen.
Die Verdächtigen hätten versucht, 33 Kinder außer Landes zu bringen, erklärte die haitianische Kulturministerin Marie Laurence Jocelyn Lassegue. Sozialminister Yves Christallin sagte, die US-Bürger seien festgenommen worden, als sie versuchten, am Freitag mit den Kindern die Grenze zur Dominikanischen Republik zu überqueren, ohne für die Kinder Papiere vorweisen zu können. "Das ist Raub, nicht Adoption," sagte er. Die 31 Kinder seien zwei Monate bis zwölf Jahre alt.
Sowohl die genaue Zahl der Kinder als auch die Zahl der US-Bürger ist noch unklar. Die US-Botschaft in Port-au-Prince sprach von zehn Männern und Frauen, denen von den Behörden die Verletzung der Einwanderungsbestimmungen vorgeworfen werde. Auch der Sozialminister sprach von zehn US-Bürgern, die Kulturministerin hingegen von neun. Außer den US-Bürgern wurden laut Christallin auch zwei Haitianer festgenommen.
Die Festgenommenen gehören der christlichen Hilfsorganisation New Life Children's Refuge im US-Bundesstaat Idaho an. Angesichts der chaotischen Situation, in der sich die haitianische Regierung befinde, wollten ihre Mitarbeiter nur helfen, sagte die Chefin von New Life Children's Refuge, Laura Silsby, dem Fernsehsender CNN. Sie hätten absolut nichts mit Kinderhandel zu tun, sagte sie der US-Zeitung "Idaho Press-Tribune". Es habe Missverständnisse mit den Unterlagen gegeben. Ein Vater einer der Inhaftierten sagte CNN, das einzige Ziel der Kirchenmitglieder sei es gewesen, zu helfen.
"Die meisten Kinder haben noch Familie", sagte Vargas, zuständig für die Arbeit des Hilfswerks SOS Kinderdorf in Zentralamerika, Mexiko und der Karibik. Das SOS Kinderdorf in Croix-des-Bouquets in der Nähe von Port-au-Prince habe die Kinder nach der Festnahme der Erwachsenen am Samstag aufgenommen. Die Information über die Kinder habe sie von der Sozialfürsorge. Auch im Gespräch mit den älteren, über sieben Jahre alten Kindern habe sich herausgestellt, dass ihre Eltern noch am Leben seien. Ein nur wenige Monate altes Mädchen sei wegen Unterernährung ins Krankenhaus gebracht worden.
Durch das Beben in Haiti, bei dem nach offiziellen Angaben 170.000 Menschen starben, stehen zahlreiche Kinder ohne ihre Eltern und andere Schutzpersonen da. Daher wächst die Angst, Menschenhändler könnten sich ihre Hilflosigkeit zunutze machen.
(AFP)
01.02.2010 07:33 Uhr








