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Milliardenboni für Ex-Lehman-Banker

Das Europageschäft der Pleite-Bank Lehman Brothers gehört mittlerweile Nomura. Der Preis: zwei Dollar. Dennoch ist der Deal für die Japaner teuer geworden und sorgt wieder einmal für Diskussionen.

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Die Lehman-Pleite erschütterte die Finanzwelt. Nachbeben sind noch heute zu spüren.
Bei der globalen Finanzkrise haben sich Dutzende Banken gnadenlos verzockt. Hier die größten "Milliardengräber":
Zwar wurden für die Münchner Hypo Real Estate ein Milliarden-Hilfspaket geschnürt, abschreiben musste der im DAX gelistete Hypothekenfinanzierer bisher aber lediglich 1,2 Milliarden Dollar.
Die Commerzbank verbuchte bisher Abschreibungen von 2,3 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Sachsen, ehemals Sachsen LB, musste aufgrund der Finanzkrise und der Verwicklung ihrer irischen Zweckgesellschaften in diese 2,6 Milliarden Dollar abschreiben.
Bei der DZ Bank sind es bisher 2,7 Milliarden Dollar.
Bei der HSH Nordbank, einer Landesbank und Namensgeber der Hamburger Fußball-Arena, summieren sich die Abschreibungen auf 3,6 Milliarden Dollar.
Die von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank ist mit Abschreibungen von 4,0 Milliarden Dollar in die globale Finanzkrise verwickelt.
Die Düsseldorfer WestLB ist derzeit auf Partnersuche, weil sie allein die finanzielle Krise wohl nicht überwinden kann. Einer der Auslöser der kostenintensiven Turbulenzen: Abschreibungen von 4,6 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) "verbrannte" aufgrund der Finanzkrise 4,8 Milliarden Dollar.
Lediglich bei der BayernLB schlagen unter den deutschen Landesbanken mit bisher 7,0 Milliarden Dollar noch höhere Abschreibungen ins Kontor.
Bei der belgisch-niederländischen Fortis sind die Gläser längst leer: Das Finanzinstitut kam auf Abschreibungen von 7,2 Milliarden Dollar und wurde mittlerweile verstaatlicht bzw. zu Teilen verkauft..
Das britische Finanzinstitut Barclays, das Teile der insolventen Investmentbank Lehman Brothers geschluckt hat, kommt bisher auf Abschreibungen von 7,8 Milliarden Dollar.
9,0 Milliarden Dollar an Abschreibungen stehen bei der französischen Großbank Credit Agricole zu Buche.
Die US-Bank Wells Fargo kämpft derzeit mit der Citigroup um den Konkurrenten Wachovia. 60 Milliarden Dollar sind als Übernahmepreis im Gespräch. Abschreibungen wegen der Finanzkrise von 10,0 Milliarden Dollar sind da fast "Peanuts".
Credit Suisse: 10,5 Milliarden Dollar
Deutschlands Branchenprimus Deutsche Bank, mittlerweile bei der Postbank eingestiegen, schrieb bisher in der seit mehr als einem Jahr dauernden Finanzkrise ebenfalls 10,5 Milliarden Dollar ab.
158 Jahre Banken-Tradition für die Katz: Das US-Investmenthaus Lehman gehört zu den Instituten, die nicht gerettet wurden. 18,8 Milliarden Dollar an Abschreibungen muten bei einem angeblichen Schuldenstand von rund 700 Milliarden Dollar recht niedrig an.
Großbritannien hat mittlerweile die Staatsschatulle aufgemacht und greift den größten Banken des Landes mit Milliarden-Krediten unter die Arme. Die Royal Bank of Scotland ist auch darunter. Ihre Abschreibungen belaufen sich auf 13,8 Milliarden Dollar.
Und nun in die Top Ten: Die Düsseldorfer IKB erwischte die Finanzkrise als eine der ersten deutschen Banken. Bis heute schrieb die Mittelstandsbank 15 Milliarden Dollar ab - soviel wie kein anderes deutsches Institut.
Auf immerhin 15,7 Milliarden Dollar bringt es die US-Investmentbank Morgan Stanley.
Trotz Abschreibungen von 18,8 Milliarden Dollar ist das US-Institut J.P. Morgan Chase einer der wenigen Gewinner der Finanzkrise: Gekauft wurden zu Schnäppchenpreisen unter anderem Bear Stearns und weite Teile der größten US-Sparkasse Washington Mutual.
Ähnliches hat auch die Bank of America gemacht - trotz abgeschriebenen, also wertberichtigten 21,2 Milliarden Dollar. BoA ist Eigentümer der Investmentbank Merrill Lynch. Der Kaufpreis: geschätzte 50 Milliarden Dollar.
Zu den Verlierern zählt Wachovia. Die US-Bank wird ihre Selbstständigkeit einbüßen und entweder bald zur Citigroup oder zu Wells Fargo gehören. Abschreibungen: 22,7 Milliarden Dollar.
Großbritanniens größtes Finanzinstitut HSBC - eine der größten Banken weltweit - meldete bisher Abschreibungen von 27,4 Milliarden Dollar.
Mit Abschreibungen von 44,2 Milliarden Dollar hat die Schweizer UBS zu kämpfen.
Und nun zu den drei größten Miliarden-Verzockern in der Finanzkrise: Rang drei belegt Washington Mutual (USA) mit 45,6 Milliarden Dollar.
Platz zwei geht an Merrill Lynch mit 52,2 Milliarden Dollar, und ...
... die höchsten Wertberichtigungen weist bisher die US-Bank Citigroup mit 55,1 Milliarden Dollar auf.
Geld regiert die Welt. Das gilt vor allem für die Banken. Seit Jahren läuft in der Branche deshalb eine Konsolidierungswelle, die durch die anhaltende Finanzkrise noch an Stärke gewonnen hat. Hier die größten Bankenübernahmen der vergangenen Jahre.
Der Kauf des niederländischen Finanzinstituts ABN Amro im Frühjahr 2008 ist die bisher größte Bankenübernahme der Geschichte: Etwa 71 Milliarden Euro ließen ...
... die belgisch-niederländische Fortis-Gruppe, die britische Royal Bank of Scotland (RBS) und die spanische Santander für ABN Amro springen und stachen damit Barclays aus. Allein 24 Milliarden Euro zahlte Fortis für das Privatkundengeschäft.
Die Citigroup entstand im Oktober 1998 durch die Fusion der Citicorp und der Travelers Group. Der Deal lief über einen Aktientausch im Wert von 70 Milliarden Dollar.
Die US-Bank Bank One ging 2004 an den einheimischen Konkurrenten JP Morgan Chase für immerhin 58 Milliarden Dollar. JP Morgan Chase war erst 2000 durch den Zusammenschluss von JP Morgan und Chase Manhattan entstanden. Kostenpunkt: 32 Milliarden Dollar.
Als Opfer der Finanzkrise, gebeutelt von Quartalsverlusten und Milliarden-Abschreibungen, diente sich die US-Investmentbank Merrill Lynch im September 2008 der Bank of America (BoA) an.
Die BoA zahlte für Merrill Lynch 50 Milliarden Dollar. Mit Großeinkäufen hat die Bank of America Erfahrung. Bereits 2003...
... hatte man sich mit der Übernahme von Fleet Boston vergrößert und die Geschäfte ausgeweitet. 48 Milliarden Dollar kostete Fleet.
1999 kam es zu einer rein britischen Bankenübernahme. Das größte schottische Finanzinstitut Royal Bonk of Scotland (RBS) legte für den damals doppelt so großen englischen Konkurrenten National Westminster (NatWest) 21 Milliarden Pfund auf den Tisch.
2006 entstand ein neuer Bankengigant in Italien. Sanpaolo IMI und die Banca Intesa einigten sich auf einen Zusammenschluss. 29,5 Milliarden Euro war der Wert des Deals.
Europas größte Bank UBS entstand im Juni 1998 aus der 21-Milliarden-Euro-Fusion der beiden Schweizer Grossbanken Schweizerische Bankgesellschaft mit Hauptsitz in Zürich (SBG/UBS) und Schweizerischer Bankverein mit Hauptsitz in Basel (SBV).
Rein französisch: 2003 wurde Crédit Lyonnais von Crédit Agricole für etwa 20 Milliarden Euro übernommen.
Im Sog der Finanzkrise fusionieren nun die britischen Banken Lloyds TSB und Halifax Bank of Scotland (HBOS). Der Not-Zusammenschluss hat einen Preis von umgerechnet 15,4 Milliarden Euro.
Deutschlands größte Bankenübernahme hat immerhin einen Wert von 9,8 Milliarden Euro. Die Commerzbank verleibt sich dafür die Dresdner Bank ein.
Verkäufer der Dresdner Bank ist der Versicherungskonzern Allianz, der sich erst 2001 mit dem Kauf der Dresdner einen besseren Vertrieb seiner Produkte versprochen hatte. Kostenpunkt des sogenannten Allfinanzkonzerns: 24,5 Milliarden Euro.

Rund 2.500 Europa-Mitarbeiter der 2008 spektakulär Pleite gegangenen Lehman-Brothers-Bank sollen einem "Spiegel"-Bericht zufolge rund zwei Milliarden Dollar Boni erhalten haben. Das Hamburger Nachrichtenmagazin berichtete, der damalige Europachef von Lehman-Brothers, Christian Meissner, habe diese Boni ausgehandelt, als das europäische Geschäft der US-Bank an den japanischen Finanzkonzern Nomura verkauft wurde.

"Dem Konkursverwalter zahlten die Japaner für die Europaaktivitäten einen symbolischen Preis von zwei Dollar. Richtig teuer an dem Deal waren nur die Garantieboni, die Meissner für sich und seine 2.500 Leute aushandelte", schreibt der "Spiegel". Die Summe von insgesamt zwei Milliarden Dollar habe ein Insider dem Nachrichtenmagazin genannt, hieß es weiter.

Durchschnittsverdienst 400.000 Dollar

Während andere Banken angesichts des massiven öffentlichen Drucks versuchten, das Boni-Niveau zu senken, hätten ausgerechnet die Lehman-Beschäftigen keinerlei Einbußen fürchten müssen. "Ihr Gehaltspaket aus dem Boomjahr 2007 wurde einfach für bis zu zwei Jahre weiterbezahlt", heißt es in dem Bericht weiter. Viele Garantien würden erst im März dieses Jahres auslaufen. Dabei habe aber Nomura im Geschäftsjahr 2008/2009 Verluste in Höhe von 5,5 Milliarden Euro angehäuft.

"So kommt es, dass der Durchschnittsverdienst der Ex-Lehman-Banker in Europa auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 bei rund 400.000 Dollar lag", berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Sie müssten nicht einmal die Bonussteuer von 50 Prozent zahlen, mit der die britische Regierung zurzeit versuche, die Gehaltsexzesse einzudämmen. Hintergrund sei, dass die Garantieboni steuerlich wie Fixgehälter behandelt würden.

(APN, N24)

31.01.2010 15:13 Uhr

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