Weltwirtschaftsforum
Davos übt sich im "Banker bashing"
Ruhig ist's gewesen in Davos. Die "Macher" auf dem Weltwirtschaftsforum haben trotzdem das Wichtigste geklärt: die Schuldfrage zur weltweiten Finanzkrise.
So orientierungslos das Weltwirtschaftsforum am Mittwoch für die rund 2500 Eliten aus Politik und Wirtschaft in Davos begann, so zielsicher endete es am Sonntag: Man hatte die Schuldigen für die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise endlich gefunden. "Banker verprügeln" (banker-bashing) war das Leitmotiv der fünftägigen Veranstaltung, und das war im Schweizer Wintersportort nicht sportlich zu nehmen. Kein gutes Haar blieb an den Finanzjongleuren. Mahner, die darauf verwiesen, dass es die Politik ja versäumt habe, weltweite Regeln einzuführen, blieben ungehört. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy war es, der die Hatz am Mittwochabend eröffnet hatte - das Thema ließ die Diskussionsrunden dann nicht mehr los.
Sarkozy nahm die Banker voll an. Diese hätten Kredite zu bewerten und zu vergeben - basta! "Der Beruf eines Bankiers ist es nicht, Spekulant zu sein!" Wenn es in guten Zeiten noch Zuschläge, also Boni gebe - gut. Aber in schlechten? "Es gibt unwürdiges Verhalten, das in keinem Land der Welt mehr geduldet wird, liebe Freunde, auch nicht im größten." Von diesen Worten ging ein Sog aus, den die Banker eisig zu spüren bekamen, und nicht nur, weil es auf dem Weg zu den noch immer zahlreichen Partys in rund 1500 Meter Höhe in Davos auch mal minus 15 Grad kalt war.
Es gab kaum versöhnliche Töne, denn den Bankern wurde schlicht von allen Seiten vorgeworfen, uneinsichtig zu sein, nicht zu begreifen, welche Gefahr erneut von ihnen ausgehe - die schon wieder satte Gewinne einführen und Millionen an Boni ausschütteten. Der neben Tennisstar Roger Federer prominenteste Schweizer im Ausland, Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, wehrte sich bei seinen mutigen zahllosen öffentlichen Auftritten gegen Schluss nur noch halbherzig dagegen.
Denn selbst Ackermann, der für sich in Anspruch nehmen kann, anders als etwa seine Kollegen von der Schweizer Großbank UBS, die Krise ohne "Staatsknete" gemeistert zu haben, musste sich anhören, dass seine Bank ja schließlich auch baden gegangen wäre, wenn weltweit der Steuerzahler nicht eingegriffen hätte. Ackermanns akademischer Ruf nach "Optimierung zwischen Stabilität und Effizienz" sollte übersetzt heißen: Lasst doch die Kirche im Dorf, wir werden doch auch weiterhin für eine Wachstumswirtschaft gebraucht! Doch das wollte kaum jemand in Davos noch hören. Zu groß war die Zahl derer, die mit klaren Vorgaben aus Davos wieder nach Hause fahren wollten: Die sind schuld!
Wirtschafts- und Finanzexperten sehen das etwas anders. So wertet das Gremium zur Sicherstellung der internationalen Finanzstabilität, der Financial Stability Board (FSB) bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, derzeit weltweit Vorschläge für die G20-Staaten aus. Dabei geht es darum, wie das Bankensystem über neue Regeln stabilisiert und Ausuferungen künftig verhindert werden können. Dabei sollen, wie man in Davos hörte, massive Einschränkungen der Bankengeschäfte gar nicht oberste Priorität haben. Vielmehr gelte es, eine funktionierende Finanzwirtschaft so zu stützen, dass die Weltwirtschaft insgesamt, also global, wieder in Schwung kommt. Selbst der Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, Lawrence Summers, wich bei diesem Punkt leise zurück: Natürlich sei die Schaffung von Jobs das Allerwichtigste, dessen sich die Politik anzunehmen habe, sagte er.
So hat Davos einmal mehr gezeigt, dass dort oben viel geredet aber nicht entschieden wird. Die Banker können sich zwar nicht entspannt zurücklehnen, wenn nun die wirklichen Debatten und Verhandlungen in den internationalen Gremien über ihre künftigen Handlungsspielräume beginnen. Aber bis es zu einer weltweit gültigen Regelung kommt, dürften nach "einige Davos" vergehen. Gründer Klaus Schwab fühlt sich mit 71 Jahren noch fit genug, diese mit dem ihm bekannten Einfühlungsvermögen für Sorgenkinder zu leiten. Im "Tages-Anzeiger" aus Zürich formulierte er das so: "Ja, es gibt Banker, die sich unverantwortlich verhalten. Eine Diabolisierung trägt jedoch nicht zur Diskussion bei. Man muss in einem Dialog die Gründe darlegen, warum ein solches Verhalten das soziale Gerechtigkeitsgefühl infrage stellt." Gerechtigkeit und Gefühl - damit lief es bei den Bankern währen der vergangenen fünf Tage in in Davos nicht so gut.
(dpa, N24)
31.01.2010 17:24 Uhr








