Angesichts der gravierenden Haushaltskrise in Griechenland hat EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) scharfe Kritik an Kommissionspräsident José Manuel Barroso geübt. Griechenland sei über Jahre hinweg nicht ausreichend überprüft worden und habe gegenüber Brüssel wiederholt falsche Angaben über sein Haushaltsdefizit gemacht, sagte Verheugen. Diese Frage sei aber in der Kommission nicht thematisiert worden, bemängelte der scheidende Industriekommissar.
Nachdem im Oktober die Sozialisten die Regierungsgeschäfte in Athen übernommen hatten, hatte sich herausgestellt, dass Griechenland der EU jahrelang falsche Defizitzahlen gemeldet hatte. Bereits 2004 war ans Licht gekommen, dass das Land mit falschen Zahlen die Mitgliedschaft in der Euro-Zone erlangt hatte. "Man muss sich fragen, warum ein Land schummelt, und warum die falschen Daten so lange unentdeckt geblieben sind", sagte Verheugen dem Magazin "Wirtschaftswoche".
Verheugen legte nahe, dass der Konservative Barroso aus parteipolitischen Gründen Rücksicht auf die konservative Vorgängerregierung in Athen genommen habe. "Es fällt mir schwer zu glauben, dass die übergroße Rücksicht nichts damit zu tun hat, dass Griechenland in den letzten acht Jahren eine konservative Regierung hatte", sagte der Sozialdemokrat dem Magazin. Griechenland steckt derzeit in einer tiefen Haushaltskrise. Die Neuverschuldung des Landes stieg im Krisenjahr 2009 auf 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP); in der Euro-Zone sind maximal drei Prozent erlaubt.
(AFP)
31.01.2010 18:03 Uhr





