"Erinnere mich an ihn"

Ex-Häftling erkennt John Demjanjuk wieder

In Russland hat sich ein Mann zu Wort gemeldet, der den in Deutschland angeklagten John Demjanjuk als KZ-Wärter wiedererkannt haben will. Jetzt prüft das Gericht die Aussage des 87-Jährigen.

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Für den Prozess wäre die Aussage der Durchbruch: Ein Russe will John Demjanjuk als KZ-Wächter in Sobibor wiedererkannt haben.
John Demjanjuk ist an Deutschland ausgeliefert worden. Der 89-Jährige soll an der Ermordung von mindestens 29.000 Juden ...
John Demjanjuk soll an der Ermordung von mindestens 29.000 Juden im NS-Vernichtungslager Sobibor (Polen) beteiligt gewesen sein.
... mutmaßliche NS-Verbrecher auf den Fahndungslisten. Darunter auch Aribert Heim, der als skrupelloser und grausamer KZ-Arzt "Dr. Tod" traurige Berühmtheit erlangte.
Nach Presseberichten soll er 1992 in Kairo gestorben sein. Letzte Gewissheit gibt es bisher jedoch nicht.
Gesucht auch der frühere SS-Hauptsturmführer Alois Brunner. Er gilt als einer der "Ingenieure der Endlösung" und soll ...
... für den Tod von rund 130.000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein.
Algimantas Dailide lieferte während der Nazi-Diktatur litauische Juden an Kollaborateure aus und damit ihrem sicheren Tod. Er wurde in Litauen zwar verurteilt, musste aber nie ins Gefängnis.
Der frühere kroatische Polizeichef Milivoj Asner soll unter den Nazis Jagd auf Juden, Serben sowie Sinti und Roma gemacht haben.
Hunderte Menschen sollen durch seine Unterstützung an die Nazis ausgeliefert worden und in Vernichtungslagern ums Leben gekommen sein.
Der frühere SS-Mann Heinrich Boere soll 1949 drei Niederländer ermordet haben. 2008 wurde er daher in Dortmund angeklagt.
Im Transitlager Westerbork (Bild) in den Niederlanden soll Klaas Carl Faber an der Ermordung von Gefangenen beteiligt gewesen sein. Er wurde dafür 1944 verurteilt, floh jedoch 1952 aus dem Gefängnis.
Der frühere SS-Mann Soeren Kam soll einen dänischen Journalisten ermordet haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, ...
... durch den Diebstahl des Verzeichnisses der jüdischen Gemeinde Dänemarks, die Deportation der dänischen Juden ermöglicht zu haben.
Karoly Zentai soll für die Ermordung und Deportation von Juden aus Budapest im Jahr 1944 mitverantwortlich sein.
Heute lebt er in Australien. Ungarn hat die Auslieferung des mutmaßlich NS-Kriegsverbrechers beantragt.

Mitten im Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk in München hat sich in Russland überraschend ein neuer Zeuge zu Wort gemeldet. Der 87-jährige Alexej Weizen sagte, im Unterschied zu anderen Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Sobibor erkenne er Demjanjuk wieder. "Ich erinnere mich an ihn", sagte er dem Moskauer Büro des tschechischen Rundfunksenders "Cesky rozhlas". Bei dem Angeklagten handle es sich um einen jener Aufseher, die in dem Lager Dienst getan hätten, sagte Weizen in einem Interview.

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte, sie wisse von den Angaben des möglichen Zeugen aus Russland. Die schriftlichen Unterlagen darüber müssten aber noch übersetzt werden. Erst dann könne die Anklage entscheiden, ob sie bei Gericht beantragt, den Zeugen in der Hauptverhandlung zu hören, erklärte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. "Wir sind da sehr vorsichtig, weil sich immer wieder bei uns Personen melden."

Prozess unterbrochen

Weizen sagte dem tschechischen Sender, zur möglichen Beteiligung von Demjanjuk an Gräueltaten könne er nichts sagen. "Ich habe gesehen, wie er Häftlinge zu Arbeiten in den Wald führte." Weizen sagte, er habe 1942/43 in Sobibor verbringen müssen und erinnere sich an Vieles genau. Demjanjuk erkenne er auf aktuellen Fotos eindeutig wieder. Der in der Nähe von Moskau lebende Weizen ist nach eigenen Angaben bislang nicht von der deutschen Justiz befragt worden. Alle bisherigen Zeitzeugen in dem Prozess vor dem Landgericht München II konnten Demjanjuk nicht als ehemaligen Wachmann in Sobibor im besetzten Polen wiedererkennen.

Demjanjuk soll 1943 bei der Ermordung von 27.900 Juden geholfen haben. Der gebürtige Ukrainer, der im Mai 2009 von den USA abgeschoben worden war, schweigt zu den Vorwürfen. Seit Beginn des Verfahrens Ende November fiel zum dritten Mal ein Prozesstag wegen der angeschlagenen Gesundheit Demjanjuks aus. Sein Anwalt Günther Maull ging davon aus, dass der Angeklagte am Donnerstag wieder in Ordnung ist. Dann soll erneut der Richter Thomas Walther als Zeuge gehört werden.

(dpa, N24)

03.02.2010 19:00 Uhr

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