Nach 100 Tagen Ehe befindet sich das schwarz-gelbe Traumpaar in einer Beziehungskrise. Die Schonfrist läuft ab, und das Brautpaar geht munter aufeinander los. Man spricht sogar von "Stellungskrieg".
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Ein Traumpaar sieht anders aus. 100 Tage nach dem Start steckt die schwarz-gelbe Koalition in einer Beziehungskrise. Auch der Neustart mit neuem Namen "christlich-liberal" konnte daran nichts ändern. Die drei Partner CDU, CSU und FDP gehen ausgerechnet zum Jubiläum munter aufeinander los. Schwarz-Gelb ist sich gar nicht grün - das zeigen die gegenseitigen Attacken von Union und FDP.
Wenn es nach dem schleswig-holsteinischen FDP-Chef Wolfgang Kubicki geht, wird derzeit mächtig aufgerüstet. Er spricht von einem "Stellungskrieg" der Union in der Koalition. Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn greift vor allem die CSU an, die er schon in den "Wechseljahren" sieht.
Westerwelle: "Anlaufschwierigkeiten"
FDP-Chef Guido Westerwelle räumt "Anlaufschwierigkeiten" ein, sagt aber auch: "Die Leistung einer Regierung wird an ihren Ergebnissen gemessen." In Unionskreisen heißt es, das Ansehen der Koalition müsse verbessert werden, die Zusammenarbeit sei aber von Kameradschaft geprägt. Bei der FDP sorgen kleine Giftpfeile der CSU für große Verstimmung. CSU-Chef Horst Seehofer hält die liberalen Pläne zur Gesundheitspauschale für "völligen Nonsens". "Ich werde genauso wie 2004 dagegen Sturm laufen, absolut Sturm laufen", kündigt er an. Damit ist die Gesundheitspolitik ein weiteres Streitfeld für Union und FDP - neben Steuersenkungen und Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach.
Für einen regelrechten Schock bei den Liberalen sorgte einer aus den eigenen Reihen: FDP-Bundesvize Andreas Pinkwart stellte die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers am Wochenende infrage, obwohl sie gemeinsam schon beschlossen war und seit 1. Januar in Kraft ist. Hinter den Kulissen heißt es in der Führungsetage der Liberalen, der Vorstoß sei "verheerend" gewesen. Von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bekam Stellvertreter Pinkwart Schützenhilfe. Vor allem die FDP hatte sich den Einstieg in die Regierung nach elf Jahren Opposition anders vorgestellt. Der Wirbel um - korrekt verbuchte - Spenden aus der Hotelbranche führte zum Vorwurf der Klientelpartei.
Linke: "Regierung ist bestechlich"
"Diese Regierung ist bestechlich", sagt Linksfraktionsvize Gesine Lötzsch. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft der Regierung Untätigkeit vor: "100 Tage nichts passiert." Die Bundesbürger geben der Koalition eher schlechte Noten. Der Anteil der Enttäuschten stieg im ZDF-Politbarometer von 30 Prozent zu Beginn der Regierungszeit auf jetzt 46 Prozent. Angela Merkel zieht erwartungsgemäß eine positive Zwischenbilanz - die Kanzlerin verweist auf das Steuerpaket mit rund 8,5 Milliarden Euro neuen Entlastungen für Unternehmen und Familien, die Verlängerung der Kurzarbeit, die Beratung über den Bundeshaushalt im Bundestag. "Man darf vielleicht sagen, dass wir wichtige Entscheidungen getroffen haben, aber dass im Laufe des Jahres natürlich viele wichtige Entscheidungen auch vor uns liegen."
Wachstum für mehr Arbeitsplätze
Wachstum für mehr Arbeitsplätze ist ihr Ziel. Da liegt viel neuer Konfliktstoff: Machen die Länder bei den Steuersenkungen mit? Wie hart wird der Sparkurs? Die Kritik an einem zu moderaten Führungsstil Merkels ist erstmal abgeebbt. Schließlich hat die Kanzlerin überraschend deutlich Stellung bezogen, was einen Kauf der Daten von Steuersündern und den Mehrwertsteuerbonus für Hoteliers angeht. In beiden Fällen wies sie auch Unionspolitiker in die Schranken. Solche Machtworte werden womöglich bald wieder nötig sein, wenn die Debatten über Einschnitte im Haushalt losgehen. Als die Narren in dieser Woche Einzug im Kanzleramt hielten, ging es einmal nicht um Streit in der Koalition oder um harte politische Entscheidungen. Merkel baute schon mal vor, falls ihre schwarz-gelbe Mannschaft als Zielscheibe für karnevalistischen Humor dienen sollte. "Ich vermute, die Bundesregierung bietet diesmal auch ein paar Anregungen."