Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit der bisherigen Arbeit der schwarz-gelben Koalition zufrieden. Die Bundesbürger sehen dies ganz anders. Sie bescheinigen Schwarz-Gelb einen klassischen Fehlstart.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Arbeit der schwarz-gelben Koalition in den ersten 100 Tagen Regierungszeit gelobt. "Ich glaube, das was notwendig war für Deutschland, haben wir gemacht", sagte sie im ZDF. Als Beispiel nannte sie die Verlängerung der Kurzarbeit. Die Koalition sei "gut in Tritt" gekommen. In der ARD betonte sie: "Ich arbeite außerordentlich gerne in dieser Koalition." Sie sei "sehr froh, dass wir jetzt einige wichtige Weichen für Deutschland stellen können". Auf die Frage, ob sie den Beginn der Regierung von Union und FDP als Fehlstart empfunden habe und noch einmal neu starten wolle, meinte Merkel: "Ich bin mitten im Lauf, und das ist ein Lauf durch die Legislaturperiode. Den würde ich mal nicht mit einem Sprint von 100 Metern vergleichen. Sondern eher können wir ab 1000 Meter reden, und da laufen wir ganz gut und auf der Bahn, und das wird auch noch eine ganze Weile so weitergehen."
Die Bundesbürger sind von der bisherigen schwarz-gelben Regierungspolitik allerdings überwiegend enttäuscht. In einer Emnid-Umfrage für N24 zeigten sich 65 Prozent der Befragten unzufrieden mit der neuen Regierung, nur 27 Prozent waren zufrieden. Dies sei ein schlechterer Wert als bei den 100-Tage-Bilanzen der Vorgänger-Regierungen. 1999 waren 38 Prozent der Deutschen mit der rot-grünen Regierung zufrieden, 2006 erhielt die große Koalition 55 Prozent Zustimmung. Besonders schlecht bewertet werden die FDP-Minister. Nur 47 Prozent der Befragten finden die Arbeit von Außenminister und Parteichef Guido Westerwelle gut. Seine Ministerkollegen Rainer Brüderle (Wirtschaft) und Philipp Rösler (Gesundheit) komme auf 45 beziehungsweise 40 Prozent Zustimmung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von 64 Prozent der Befragten gut beurteilt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht mit 73 Prozent Zustimmung weiter an der Spitze der Beliebtheitsskala.
Steinmeier sieht katastrophalen Fehlstart
Die Opposition will aus dem schlechten Ruf der schwarz-gelben Koalition Profit schlagen. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, hat der Bundesregierung 100 Tage nach ihrem Arbeitsbeginn einen katastrophalen Fehlstart bescheinigt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Bundesregierung jemals so schlecht gestartet ist", sagte Steinmeier. Die ersten Monate der neuen Regierung seien voller Fehler und Pannen gewesen. Sie hätten gezeigt, dass CDU, CSU und FDP inhaltlich "kein Kompass zur Verfügung steht". Andererseits hätten sie bei Neustarts und anderen Turbulenzen ein bislang nie dagewesenes Tempo vorlegt, sagte Steinmeier weiter.
"Drei Neustarts, ein Krisengipfel und zugleich ein Ministerwechsel in den ersten 100 Tagen, das ist ein trauriger Rekord." Steinmeier sagte voraus: "Diese Koalition wird scheitern." Es gebe einen Fehler in der Struktur der Regierung: "Es gibt keine Mitte und keine Entscheidungskraft", die angesichts der Wirtschaftskrise dringend gefordert sei. Schon der Koalitionsvertrag gebe dazu keine Antworten. "Das Chaos und Gezänk vom ersten Tag an" sowie die ständigen Regierungsturbulenzen seien "kein Anfängerpech". Der SPD-Fraktionschef: "Was die Schulnote angeht, müssen wir zu einem eindeutigen "mangelhaft" kommen, "mangelhaft minus."
"Nicht mit Schadenfreude zurücklehnen"
Kaum habe eine Regierung jemals so deutlich gemacht, "wie wichtig Opposition ist", sagte Steinmeier weiter. Gerade in einer solchen Situation dürfe sich die Opposition aber "nicht mit Schadenfreude zurücklehnen". Der erneute Vorstoß der SPD in Sachen Jobcenter und Arbeitslosenvermittlung sei ein Beitrag, anstehende Probleme konstruktiv zu lösen. Für die SPD bedeute der Wechsel von der Regierung in die Opposition nicht, "verantwortungslos Position zu beziehen".
Steinmeier zeigte sich gegenüber einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei auch in der gemeinsamen Opposition auf Bundesebene weiter skeptisch. "Natürlich ist das nicht nur ein beiläufiges Ereignis, wenn Oskar Lafontaine die Bühne auf der Bundesebene verlässt (...), aber die inhaltlichen Klärungsprozesse innerhalb der Linkspartei sind auch noch so groß, dass ich mit Blick auf die Bundesebene da noch viel Arbeit (...) vor ihr sehe."
NRW-Wahl im Blick
Mit Blick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai zeigte sich Steinmeier optimistisch. Wenn die Linkspartei dort in Umfragen der Fünf-Prozent-Hürde entgegengehe, sei das auch eine Entwicklung, "aus der für die SPD Chancen entstehen können". Über Koalitionen müsse aber NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft nach der Landtagswahl entscheiden. Steinmeier erwartet für die Bürger auf Bundesebene große Einschnitte nach dieser Landtagswahl. Es sei "Täuschung des Wählers", wenn die Bundesregierung jetzt nicht sage, wo sie sparen werde.