Milliardenverlust

EMI kämpft ums Überleben

Einst gehörte Musikkonzern EMI mit Künstlern wie Depeche Mode oder Robbie Williams zu den Stars der Branche. Seit der Übernahme durch einen Finanzinvestor steht EMI aber das Wasser bis zum Hals.

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Musikkonzern EMI könnte nach einem Milliardenverlust in Zahlungsschwierigkeiten kommen.
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Robbie Williams ist zurück. Mit seiner neuen Single "Bodies" schickt sich der britische Superstar an, an alte Erfolge anzuknüpfen. Auch ein neues Album, "Reality Killed The Video Star", hat er im Anschlag.
Es ist ein von Fans lange ersehntes Comeback. Seine letzte Krise beginnt 2006, als er sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückzieht und eine Drogentherapie macht. Drei lange Jahre warten seine Anhänger auf neues Material.
Doch auch schon früher haben Robbie-Freunde viel Geduld mitbringen müssen. Zum ersten Mal im Rampenlicht steht er mit der Boyband "Take That", der wohl erfolgreichsten Casting-Truppe, die Millionen Mädchen in Verzückung versetzt.
Schon damals ist Robbie die Ulknudel der Band und ist sich für kaum einen Scherz zu schade. Auch wenn er als Solo-Sänger bei "Take That" fast nie zum Einsatz kommt, avanciert er rasch zum Liebling der Fans.
Nicht nur die Musik der fünf Jungs überzeugt Mädels wie Kritiker, sondern auch deren Live-Auftritte. Preise sind die Folge. 1995 wird die Band etwa mit dem "MTV Europe Music Award" für Beste Live-Künstler ausgezeichnet (Bild: Robbie mit Carla Bruni).
Dann der Schock: Im Juli 1995 steigt Robbie Williams aus der Band aus. Williams, in Sachen Party und Drogen kein Kind von Traurigkeit, war es leid, sich den strengen Regeln des Managements zu beugen. Für die Fans bricht eine Welt zusammen.
Viele können nicht verstehen, wie ihr Liebling ihnen das antun kann. Der Ausstieg von Williams ist der Anfang vom vorläufigen Ende der Band, die sich im Februar 1996 auflöst. Mittlerweile haben sich die vier übrigen Mitglieder allerdings wieder vereint.
Robbie dagegen holt nun nach, was er lange Zeit nicht durfte. Der damals 21-Jährige haut mächtig auf den Putz. Immer wieder ...
... tauchen Fotos und Berichte von ihm auf, die den Alkohol- und Drogenmissbrauch des Sängers thematisieren. Das konnte nicht lange gut gehen: Im Sommer 1997 muss Robbie in eine Entzugsklinik.
Musikalisch dagegen holt Robbie Williams, der künstlerisch immer im Schatten seiner Bandkollegen gestanden hat, zum großen Schlag aus. Mit "Life Thru a Lens" veröffentlicht er sein erstes Solo-Album, das für sein Image die Emanzipation bedeutet.
Größeren Chart-Erfolg hat Robbie dann ein Jahr darauf. 1998 erscheint das Album "I've Been Expecting You", das in Großbritannien direkt auf Platz 1 schießt.
Williams bleibt musikalisch produktiv. 1999 bringt er sein drittes Album auf den Markt. "Sing When You're Winning" enthält mehrere Hits wie "Rock DJ" und das Kylie-Minogue-Duett "Kids". Robbie etabliert sich als ernsthafter Künstler.
Aufsehen erregt das Video zu "Rock DJ". Williams reißt sich dabei neben seiner Kleidung (im Bild: Robbie bei der Versteigerung der Unterhose aus dem Clip) auch seine Haut vom Leib. Die Originalfassung ist nur im Nachtprogramm der Musiksender zu sehen.
"Swing When You're Winning" heißt das Album von 2001, mit dem Robbie Williams völlig neue Wege geht. Es besteht aus Cover-Versionen alter Swing-Klassiker. Die Kritiker sind begeistert, Williams wird auch für ältere Hörer zugänglich. Die Single ...
... "Something Stupid", ein Duett mit Nicole Kidman, ist eine der erfolgreichsten seiner Karriere. Das Original stammt von ...
... Williams' Vorbild Frank Sinatra und dessen Tochter Nancy.
Neben seinen erfolgreichen Alben überzeugt Robbie Williams nach wie vor durch sein Show-Talent. Bei Live-Auftritten ...
... gibt der Brite alles. Ob er sich ...
... auf dem Boden räkelt oder ...
... sich kopfüber von der Decke abseilen lässt - Robbie bringt Mädchenherzen zum Schmelzen wie in alten Boygroup-Tagen.
"Live at Knebworth" heißt eine DVD, die seine legendären Konzerte aus dem Jahr 2003 zeigt. An drei aufeinander folgenden Tagen spielte Robbie vor jeweils 125.000 Menschen. Auch sein zuvor veröffentlichtes fünftes Album "Escapology" schlägt voll ein.
Nach anstrengenden Jahren wird es ruhig um Williams. Er veröffentlicht 2004 seine Biographie "Feel". Dort spricht er offen über seine Drogenprobleme und Ängste. Auch ein "Greatest Hits"-Album erscheint, der Erfolg der vergangenen Jahre wird zum Kult.
Dann 2005 das erneute Comeback. Und es sollte ein fulminantes werden. "Intensive Care" wird über 6.000.000 Mal verkauft, die Welttour wird ein Kassenschlager. Rekord: Robbie verkaufte an nur einem Tag 1,6 Millionen Tickets für seine Konzerte.
Doch dann wieder der tiefe Fall: Die Idee, mit "Rudebox" eine Platte im Dance-Stil zu machen, entpuppt sich als eine schlechte. Das Album von 2006 floppt im Vergleich zu seinen Vorgängern. Dazu ein weiterer ...
... schwerer Schlag: Die "Take That"-Comeback-Scheibe "Beautiful World" - ohne Robbie - schlägt seine Auskopplung um Längen.
Robbie kauft sich 2007 eine Villa in Los Angeles, kuriert seine Drogensucht und sucht nach UFOs, so die verwirrenden Nachrichten über den Superstar.
Doch all das ist angeblich überwunden. Anteil daran hat auch Williams' aktuelle Lebensgefährtin, die Schauspielerin Ayda Field. Und auch die Sache ...
... mit seinen ehemaligen Band-Kollegen scheint wieder ins Lot zu kommen. Angeblich hat sich Robbie mit den "Take That"-Jungs in einem Studio getroffen. Können wir ein neues gemeinsames Album erwarten?

Einst gehörte der Musikkonzern EMI mit Künstlern wie den Beatles, Depeche Mode oder Robbie Williams zu den Stars der Branche - nun kämpft das britische Unternehmen ums Überleben: Seit der Übernahme durch den Finanzinvestor Terra Firma vor zweieinhalb Jahren häufen sich die Probleme massiv. EMI warnte vor Zahlungsschwierigkeiten, nachdem sich der Schuldenberg immer höher auftürmte und das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht war.

Im Geschäftsjahr bis Ende März 2009 machte EMI unterm Strich einen Verlust von 1,56 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) - im Vorjahreszeitraum war es ein Minus von 412 Millionen Pfund. Schuld daran waren Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Pfund vor allem auf den Wert des Musikkatalogs. Wenn die Investoren von Terra Firma kein neues Geld zuschießen, könnten die Gläubiger von der Citigroup schon bald das Ruder bei EMI übernehmen.

Im März steht die Überprüfung von Kreditverträgen an - und dabei wird EMI ohne frisches Geld möglicherweise durchfallen. Die Unternehmensprüfer von KPMG warnten im EMI-Geschäftsbericht davor, dass der Traditions-Musikverlag seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Schulden überstiegen das Betriebsvermögen um 408 Millionen Pfund. KPMG meldete deshalb "erhebliche Zweifel" an, ob EMI unter diesen Umständen den laufenden Betrieb fortsetzen könne.

Übernahme ist Fehlinvestition

Der Finanzinvestor hatte EMI im August 2007 zur Boom-Zeit der Private-Equity-Fonds übernommen. Damals zahlte Terra-Firma-Chef Guy Hands 2,4 Milliarden Pfund für das Plattenlabel, bei dem auch Herbert Grönemeyer und die Band Wir Sind Helden unter Vertrag stehen. Doch die teure Übernahme entpuppte sich als Fehlinvestition, da EMI schon zuvor kriselte und Verluste schrieb. Grund sind unter anderem illegale Musikdownloads und sinkende CD-Verkäufe, die der ganzen Branche zu schaffen machen.

EMI ist zudem der Mittelpunkt eines Rechtsstreits zwischen Terra Firma und der Citigroup. Terra Firma verlangt eine Entschädigung, weil die Bank den Investor beim Kauf von EMI angeblich getäuscht hatte. Demnach soll die Citigroup den Preis in die Höhe getrieben haben, indem sie nicht deutlich gemacht habe, dass ein Bieter sich zurückgezogen hatte.

EMI-Konkurrenten ziehen davon

Bei EMI brodelt es derweil weiter. Im Zuge eines Sparprogramms fielen bereits 2000 Stellen weg. Das Gerangel seit der Übernahme schuf auch Misstöne mit den Künstlern. Die Rolling Stones wechselten 2008 nach mehreren Jahrzehnten zum Konkurrenten Universal Music. Auch die Band Radiohead kehrte EMI den Rücken. Paul McCartney rechnete mit seiner ehemaligen Plattenfirma ab und nannte sie "langweilig". Auch die britische Sängerin Joss Stone kämpft derzeit um einen Ausstieg aus dem Label. Der Konzern verliert somit weiter Anschluss zu Konkurrenten wie Universal Music und Warner Music.

Guy Hands soll bereits an seine Investoren herangetreten sein, um eine weitere Finanzspritze von 120 Millionen Pfund aufzutreiben. Doch dies wäre allenfalls eine kurzfristige Linderung: "Gutes Geld etwas Schlechtem hinterherzuschmeißen, ist selten die richtige Option", schrieb die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Terra Firma solle seine Niederlage eingestehen und weiterziehen. Und in der Branche gilt EMI sowieso seit langem als Übernahmekandidat. Jahrelang hatte beispielsweise Warner eine Verschmelzung mit EMI im Auge.

(Annette Reuther, dpa, N24)

05.02.2010 18:36 Uhr

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