Nationalmannschaft
Beckenbauer: Löw muss sich bewegen
Für Fußball-Ikone Beckenbauer ist die Sache klar: Schuld an den Querelen um eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Bundestrainer Löw ist Nationalmannschafts-Teammanager Bierhoff.
Franz Beckenbauer sieht die Forderungen von Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff hauptverantwortlich für die Querelen um die Zukunft von Joachim Löw. „Es war absolut richtig, die Forderungen von Oliver Bierhoff nicht zu akzeptieren“, sagte der ehemalige DFB-Teamchef „Bild“ in einem Interview. Beckenbauer sieht trotz der verhärteten Fronten zwischen der sportlichen Leitung des Nationalteams und der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch immer eine kleine Chance, den Vertrag mit Bundestrainer Löw vor der WM in Südafrika zu verlängern. „Ich habe immer noch die leise Hoffnung, dass es vorher eine Einigung gibt.“ Allerdings gebe es dafür eine klare Forderung: „Die kann jedoch nur zustande kommen, wenn sich die Löw/Bierhoff-Seite bewegt.“
Vor allem die Forderung von Manager Bierhoff nach noch mehr Befugnissen bei der Auswahl eines möglichen neuen Bundestrainers sei für den DFB nicht zu akzeptieren, betonte Präsidiumsmitglied Beckenbauer. „Auch in Zukunft darf nur das DFB-Präsidium über den Bundestrainer entscheiden und nicht ein Nationalelf-Manager. Ein Vetorecht war nicht akzeptabel.“ Beckenbauer wirft Bierhoff eine Überrumpelungs-Taktik vor, die Reaktion des Verbandes sei deshalb richtig: „Der Übernahme-Versuch ist gescheitert.“ Der DFB könne nicht auf wichtige Rechte verzichten, betonte Beckenbauer. „Er vertritt nicht nur die Nationalelf, sondern ist auch mehr als sechs Millionen Mitgliedern verpflichtet.“
Beckenbauer: "Radikale Lösung möglich"
Falls die Situation weiter eskaliere, hält der „Kaiser“ auch eine radikale Lösung für möglich: „Keiner ist unentbehrlich. Es gibt auch noch andere, die es können.“ Er könne die neuen Forderungen der sportlichen Leitung gar nicht verstehen, sagte Beckenbauer: „Bundestrainer ist doch ein Traumjob, der ordentlich bezahlt wird.“
DFB-Präsident Theo Zwanziger will auch nach den Kontroversen um eine Weiterbeschäftigung von Joachim Löw mit dem Bundestrainer verlängern. „Ich will ihn behalten. Wenn wir die WM erfolgreich spielen, werde ich mit Löw sprechen. Und wenn wir sie nicht so erfolgreich spielen, dann auch. Er wird immer mein erster Ansprechpartner sein“, kündigte der Präsident des Deutschen Fußball- Bundes in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ an.
Zwanziger glaubt nicht, dass die Nationalmannschaft durch die Querelen zwischen DFB-Spitze und sportlicher Leitung belastet in das WM-Turnier im Sommer in Südafrika geht: „Es ist nicht die Schicksalsfrage der Nation, ob ein Bundestrainer mit einem auslaufenden oder laufenden Vertrag ins Turnier geht.“ Löws Kontrakt läuft nach der WM aus.
Zwanziger verteidigt kompromislosen Kurs
Zwanziger verteidigte wie schon DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach den kompromisslosen Kurs des Verbandes in Sachen Vertragsverlängerung für Löw, dessen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Oliver Bierhoff, der auf der brisanten Sondersitzung des DFB-Präsidiums die Interessen der sportlichen Leitung vertreten hatte. Er verwies auf unannehmbare finanzielle Erwartungen und auf Bierhoffs Wunsch nach einer stärkeren Manager-Stellung: „Das war nicht machbar. Ich hätte dann drei oder vier Anträge auf Satzungsänderung beim nächsten Bundestag stellen müssen. Diese offensive Ausdehnung der Kompetenzen wäre mit den Grundsätzen des DFB nicht vereinbar gewesen. Eine Nationalmannschaft- GmbH mit dem DFB als Aufsichtsrat - das geht nicht.“
Für weitere Verhandlungen noch vor dem WM-Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika habe es angesichts von Bierhoffs Forderungen keine gemeinsame Basis gegeben. „Wenn man soweit auseinander ist, worüber soll ich dann verhandeln? Ich wusste, dass wir uns entweder jetzt auf einer verantwortbaren Basis verständigen - das heißt: moderate Erhöhung der Vergütung, eine Regelung über die Zuständigkeiten bei der U 21, ein eigenes Budget für Bierhoff - oder dass wir die ganze Sache vertagen. Unser Angebot war am Rande der Verantwortbarkeit“, sagte Zwanziger, der am Wochenende mit Löw sprechen will.
„Ich sehe das nicht als Vertrauensbruch“, bemerkte der DFB- Präsident zu Löws Verlängerungs-Vorstellungen und ergänzte: „Wir sind Freunde, wir sind keine Feinde. Wir arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Am Wochenende bei der Auslosung zur Europameisterschaft 2012 in Warschau werden wir uns wiedersehen, und dann werden wir miteinander reden.“
(dpa, N24)
06.02.2010 12:35 Uhr








