Porsche, HRE, Arcandor

Schwarzbuch prangert Börsen-Sünder an

Managementfehler, Pleiten, Millionenabfindungen: Darunter hatten Anleger im vergangenen Jahr mächtig zu leiden. Im "Schwarzbuch Börse 2009" werden nun prominente Sünder angeprangert.

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Der "Großmeister des Misslingens" 2009: Porsche-Chef Wiedeking.
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Höchststrafe für den größten Wirtschaftsbetrüger aller Zeiten: Bernard Madoff, der Privatleute wie Banken um rund 65 Milliarden Dollar geprellt hat, muss für 150 Jahre in den Knast.
Über ein Schneeballsystem machte Madoff seine Opfer glauben, mit ihm das große Geld zu verdienen. Doch der Broker investierte keinen müden Cent, nutzte die neuen Beiträge zum Auszahlen der alten Anleger.
Madoff ist Paradebeispiel für Manager, die die Gier überkommt: Gelder fließen in dunkle Kanäle, Top-Manager oder Angestellte wirtschaften auf das eigene Konto, Bilanzen werden gefälscht.
Wirtschaftskriminalität umfasst eine Vielzahl von Delikten: Geldwäsche, Korruption, Insiderhandel oder Unterschlagung.
Der typische Wirtschaftskriminelle ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PWC) männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt. Ein Gangster in Schlips und Kragen mit weißer Weste.
Etwa jedes zweite deutsche Unternehmen ist betroffen, doch viele Straftaten bleiben laut PWC-Studie unentdeckt.
Etwa 20 Prozent der Betrüger kommen aus dem gehobenen Management, weitere 25 Prozent aus der mittleren Führungsebene.
Für Aufsehen sorgen in der Öffentlichkeit aber vor allem die "dicken Fische", die sich mit Betrügereien Geldbeträge in Millionenhöhe ergaunern: Kim Schmitz, einst eine schillernde Figur der New Economy, kommt durch illegale Börsengeschäfte zu Reichtum.
Der ehemalige Computer-Hacker Schmitz kauft unter Ausnutzung interner Informationen Aktien des "Internet-Warenhauses" Letsbuyit.com und erzielt so Millionengewinne.
Ende 2002 wird Schmitz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro.
Jürgen Schneider, gescheiterter Bauunternehmer und Deutschlands Rekordpleitier, erschwindelt sich für den Kauf und die Sanierung hochwertiger Bauten bei zahlreichen Banken überhöhte Kredite.
Mit knapp 5,4 Milliarden D-Mark steht Schneider bei den Banken im Minus, knapp ein Viertel davon stammt von der Deutschen Bank. Schneider wird Ende 1997 wegen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, bezeichnete auf einer Pressekonferenz die entstandene Schadenssumme in Höhe von ca. 50 Millionen DM als "Peanuts".
Der wohl größte Wirtschaftsbetrug im Nachkriegsdeutschland: Bei Scheingeschäften mit 3.000 nicht vorhandenen Bohrsystemen entsteht für das Unternehmen FlowTex ein Schaden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.
Hinter dem groß angelegten Schwindel stecken die FlowTex-Hauptgesellschafter Manfred Schmider und …
… Klaus Kleiser. Beide werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Nichts gehört, nichts gewusst, nichts gesehen: Mit dieser Taktik versucht Ex-Enron-Chef Jeffrey Skilling von seinen dubiosen Geschäften abzulenken. Seine Vision vom weltgrößten Energieunternehmen will er durch Bilanzbetrug und Insiderhandel verwirklichen.
Das kostet aber mehr als 21.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Anleger verlieren mehrere Milliarden Dollar. 2006 wird er zu 24 Jahren Haft verurteilt.
Nach Ansicht von Aktionärsschützern hat es kaum einer so weit getrieben wie er: Bodo Schnabel hat vermutlich seit der Gründung seines Unternehmens ComROAD fast den kompletten Umsatz frei erfunden …
… und Aktionäre und Analysten damit über Jahre hinweg betrogen. Der Telematik-Anbieter hat seinen Umsatz über eine offensichtlich nicht existierende Firma in Hongkong gefälscht. Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel wandert in Haft.
Der Moorhuhn-Erfinder und Spieleentwickler Phenomedia hat an seinen Bilanzen geschraubt. Zwei rasch gefeuerte Vorstandsmitglieder hatten den Vorwurf des Insiderhandels gestehen und wandern hinter Gitter (im Bild Markus Scheer).
Auch die Gründer des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV, Thomas Haffa und sein Bruder Florian, standen im Verdacht illegaler Machenschaften. EM.TV hatte für das Jahr 2000 hohe Gewinne versprochen, erzielt jedoch ein Milliarden-Defizit.
Der Aktienkurs rutscht von über 110 Euro ins Bodenlose und liegt zuletzt bei gut einem Euro. Im Jahr 2003 werden Florian und Thomas Haffa (im Bild) zu hohen Geldstrafen verurteilt.
Millardenschwere Schmiergeldbeträge belasten den Münchener Technologiekonzern Siemens: Mit schwarzen Kassen, Korruption und einem dubiosen Kontengeflecht wurde Geld verdient. Das System flog auf.
Zahlreiche Führungskräfte müssen ihren Posten räumen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer gibt unter dem öffentlichen Druck den Vorsitz im Aufsichtsrat auf.
Gegen Ende 2003 kommt einer der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat ans Licht: In der Bilanz fehlen acht Milliarden Euro.
Firmengründer Calisto Tanzi bestreitet vor Gericht, für den Betrug auf Kosten Tausender Kleinanleger verantwortlich zu sein. Er gibt zwar zu, Schwarzgelder an Politiker gezahlt zu haben, er habe aber nicht geahnt, dass die Firma zusammenbrechen könnte.
Für seine Firma, die Schuhfabrik Erich Rohde KG, soll Friedrich Wilhelm Schmitt fast alles getan haben: Jahrelang hat er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft betrogen und Steuern hinterzogen, faule Kredite aufgenommen und Gläubiger vertröstet.
Dieser Skandal stinkt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Brüder Dieter (li.) und Johannes Löbbert haben jahrelang in ihrem Dülmener Abfallentsorgungs-Imperium Bilanzen gefälscht, um sich bei Banken günstige Kredite zu erschleichen und Aktionäre zu täuschen
Die Balsam AG, einst der weltweit führende Hersteller von Sportböden, hat mit fingierten Aufträgen insgesamt 45 Banken um Milliardenbeträge geprellt. Firmengründer Friedel Balsam wird zu acht Jahren Haft verurteilt.
Für einen der weltweit größten Börsenskandale sorgt die Telefongesellschaft Worldcom. Dem Gründer und ehemaligen Vorstandschef, Bernard Ebbers, wird Bilanzfälschung, Wertpapierbetrug und Verschwörung vorgeworfen.
Ebbers wird zu zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der ehemalige Presse-Magnat Conrad Black kauft in den 1980er und 1990er Jahren namhafte Zeitungen wie den "Daily Telegraph" in London oder die "Sun Times" in Chicago. Sein Vorbild ist der Medien-Mogul Rupert Murdoch.
Als die Erträge stocken, greift Black in die Firmenkasse: 2005 wird er in Chicago angeklagt, 84 Millionen Dollar in die eigene und in die Taschen von Komplizen umgeleitet zu haben.
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15. September: Der "schwarze Montag" der Wall Street: Die Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, ihr Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft.
Die Lehman-Pleite erschüttert das Vertrauen in der Finanzbranche, der Kreditmarkt friert praktisch ein. Die Börsen stürzen ab.
17. September: Die US-Notenbank rettet den Versicherungsriesen AIG mit einem Kredit von ...
... 85 Milliarden Dollar.
Die US-Regierung kündigt ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Finanzbranche an.
21. September: Die beiden letzten unabhängigen US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley verzichten auf ihren Sonderstatus und werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken.
25. September: Die größte US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen und wird ...
... von der Großbank J.P. Morgan Chase aufgefangen.
29. September: Für den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wird ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt.
30. September: Die irische Regierung beschließt eine etwa 400 Milliarden Euro schwere Garantie für alle Einlagen bei den sechs großen Banken des Landes.
5. Oktober: Die Bundesregierung verkündet eine Komplettgarantie für private Einlagen. Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate muss von 35 auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden. Später wird die HRE verstaatlicht, ihre Rettung kostet rund 100 Milliar
7. Oktober: Islands Ministerpräsident Geir Haarde warnt vor einem "Staatsbankrott" und übernimmt die Kontrolle über das Bankensystem.
8. Oktober: Sechs große Notenbanken senken gemeinsam die Leitzinsen. Die Panik an den Börsen können sie nur kurz eindämmen.
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein Banken-Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Viele EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.
Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Viele EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.
21. Oktober: Die Landesbank BayernLB will als erste Bank auf das Paket zugreifen. Sie braucht 6,4 Milliarden Euro frisches Kapital. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schlägt die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien vor. Berlin lehnt dies ab.
29. Oktober: Die US-Notenbank senkt ihren Leitzins angesichts düsterer Konjunkturerwartungen um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent.
3. November: Die Commerzbank - das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut - sowie die Landesbanken HSH Nordbank und WestLB greifen auf das staatliche Rettungspaket zu.
5. November: Die Bundesregierung beschließt ein rund 12 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket.
Damit sollen Investitionen von 50 Milliarden Euro angestoßen und eine Million Jobs gesichert werden. Später folgt ein zweites Konjunkturpaket.
6. November: Die EZB senkt den Leitzins auf 3,25 Prozent, der erste Schritt von mehreren zum aktuellen Niveau von 1,00 Prozent.
9. November: China kündigt ein fast 600 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket für die beiden kommenden Jahre an.
13. November: Deutschland ist offiziell in der Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in zwei Quartalen in Folge.
14. November: Der Autobauer Opel bittet die Bundesregierung um Bürgschaften von gut einer Milliarde Euro.
15. November: Ein Treffen der G20-Länder in Washington macht einen ersten Vorstoß für eine Reform des Weltfinanzsystems.
25. November: Die US-Notenbank kündigt ein 800 Milliarden Dollar schweres Programm zum Aufkauf mit Krediten besicherter Wertpapiere an.
26. November: Die EU-Kommission schlägt ein 200 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturpaket vor.
28. November: Die Dimension der Krise der BayernLB wird deutlich: Sie braucht Unterstützung von insgesamt 30 Milliarden Euro. Die Bank will 5600 Stellen streichen und das Auslandsgeschäft kappen.
Juli/August 2007: In Deutschland geraten Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in die Krise - etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB.
Sie müssen mit Milliarden-Bürgschaften gestützt werden. In den folgenden Monaten müssen auch deutsche Finanzkonzerne Millionen und Milliarden abschreiben.
15. September 2008: Der „schwarze Montag“ der Wall Street: Die Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft.
Die Folge ist eine weltweite Zuspitzung der Finanzkrise, die auch deutsche Institute, wie die KfW Bankengruppe, hart trifft.
29. September: Für den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wird ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt.
5. Oktober: Die Bundesregierung verkündet eine Komplettgarantie für private Einlagen. Das Rettungspaket für Hypo Real Estate muss von 35 auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden.
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein gigantisches Banken- Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Gesetz im Eilverfahren: Ab 20. Oktober steht das deutsche Rettungspaket für notleidende Banken offen.
21. Oktober: Die Landesbank BayernLB will als erste Bank auf das Paket zugreifen. Sie braucht 6,4 Milliarden Euro frisches Kapital.
29. Oktober: Als erste Privatbank nimmt die Hypo Real Estate das Rettungspaket in Anspruch. Sie beantragt 15 Milliarden Euro.
3. November: Die Commerzbank - die zweitgrößte deutsche Bank - greift auch zu und erhält eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage und übernimmt Garantien für Schuldpapiere in Höhe von 15 Milliarden Euro.
Wenige Stunden später beantragt die Landesbank HSH Nordbank Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro.
21. November: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Die Eigentümer der LBBW wollen der größten deutschen Landesbank mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen.
27. November: Durch die Verschärfung der Finanzkrise benötigt auch die WestLB in Düsseldorf frisches Kapital. Der Finanzbedarf wird nach Angaben der Bank aber nicht die Größenordnung wie bei der BayernLB oder der LBBW annehmen.
November: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gewähren der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) Garantien für ein neues Programm zur Kreditversorgung von Unternehmen. Das Volumen beträgt für die Jahre 2009 und 2010 jeweils zehn Milliarden Euro.
Bei der globalen Finanzkrise haben sich Dutzende Banken gnadenlos verzockt. Hier die größten "Milliardengräber":
Zwar wurden für die Münchner Hypo Real Estate ein Milliarden-Hilfspaket geschnürt, abschreiben musste der im DAX gelistete Hypothekenfinanzierer bisher aber lediglich 1,2 Milliarden Dollar.
Die Commerzbank verbuchte bisher Abschreibungen von 2,3 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Sachsen, ehemals Sachsen LB, musste aufgrund der Finanzkrise und der Verwicklung ihrer irischen Zweckgesellschaften in diese 2,6 Milliarden Dollar abschreiben.
Bei der DZ Bank sind es bisher 2,7 Milliarden Dollar.
Bei der HSH Nordbank, einer Landesbank und Namensgeber der Hamburger Fußball-Arena, summieren sich die Abschreibungen auf 3,6 Milliarden Dollar.
Die von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank ist mit Abschreibungen von 4,0 Milliarden Dollar in die globale Finanzkrise verwickelt.
Die Düsseldorfer WestLB ist derzeit auf Partnersuche, weil sie allein die finanzielle Krise wohl nicht überwinden kann. Einer der Auslöser der kostenintensiven Turbulenzen: Abschreibungen von 4,6 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) "verbrannte" aufgrund der Finanzkrise 4,8 Milliarden Dollar.
Lediglich bei der BayernLB schlagen unter den deutschen Landesbanken mit bisher 7,0 Milliarden Dollar noch höhere Abschreibungen ins Kontor.
Bei der belgisch-niederländischen Fortis sind die Gläser längst leer: Das Finanzinstitut kam auf Abschreibungen von 7,2 Milliarden Dollar und wurde mittlerweile verstaatlicht bzw. zu Teilen verkauft..
Das britische Finanzinstitut Barclays, das Teile der insolventen Investmentbank Lehman Brothers geschluckt hat, kommt bisher auf Abschreibungen von 7,8 Milliarden Dollar.
9,0 Milliarden Dollar an Abschreibungen stehen bei der französischen Großbank Credit Agricole zu Buche.
Die US-Bank Wells Fargo kämpft derzeit mit der Citigroup um den Konkurrenten Wachovia. 60 Milliarden Dollar sind als Übernahmepreis im Gespräch. Abschreibungen wegen der Finanzkrise von 10,0 Milliarden Dollar sind da fast "Peanuts".
Credit Suisse: 10,5 Milliarden Dollar
Deutschlands Branchenprimus Deutsche Bank, mittlerweile bei der Postbank eingestiegen, schrieb bisher in der seit mehr als einem Jahr dauernden Finanzkrise ebenfalls 10,5 Milliarden Dollar ab.
158 Jahre Banken-Tradition für die Katz: Das US-Investmenthaus Lehman gehört zu den Instituten, die nicht gerettet wurden. 18,8 Milliarden Dollar an Abschreibungen muten bei einem angeblichen Schuldenstand von rund 700 Milliarden Dollar recht niedrig an.
Großbritannien hat mittlerweile die Staatsschatulle aufgemacht und greift den größten Banken des Landes mit Milliarden-Krediten unter die Arme. Die Royal Bank of Scotland ist auch darunter. Ihre Abschreibungen belaufen sich auf 13,8 Milliarden Dollar.
Und nun in die Top Ten: Die Düsseldorfer IKB erwischte die Finanzkrise als eine der ersten deutschen Banken. Bis heute schrieb die Mittelstandsbank 15 Milliarden Dollar ab - soviel wie kein anderes deutsches Institut.
Auf immerhin 15,7 Milliarden Dollar bringt es die US-Investmentbank Morgan Stanley.
Trotz Abschreibungen von 18,8 Milliarden Dollar ist das US-Institut J.P. Morgan Chase einer der wenigen Gewinner der Finanzkrise: Gekauft wurden zu Schnäppchenpreisen unter anderem Bear Stearns und weite Teile der größten US-Sparkasse Washington Mutual.
Ähnliches hat auch die Bank of America gemacht - trotz abgeschriebenen, also wertberichtigten 21,2 Milliarden Dollar. BoA ist Eigentümer der Investmentbank Merrill Lynch. Der Kaufpreis: geschätzte 50 Milliarden Dollar.
Zu den Verlierern zählt Wachovia. Die US-Bank wird ihre Selbstständigkeit einbüßen und entweder bald zur Citigroup oder zu Wells Fargo gehören. Abschreibungen: 22,7 Milliarden Dollar.
Großbritanniens größtes Finanzinstitut HSBC - eine der größten Banken weltweit - meldete bisher Abschreibungen von 27,4 Milliarden Dollar.
Mit Abschreibungen von 44,2 Milliarden Dollar hat die Schweizer UBS zu kämpfen.
Und nun zu den drei größten Miliarden-Verzockern in der Finanzkrise: Rang drei belegt Washington Mutual (USA) mit 45,6 Milliarden Dollar.
Platz zwei geht an Merrill Lynch mit 52,2 Milliarden Dollar, und ...
... die höchsten Wertberichtigungen weist bisher die US-Bank Citigroup mit 55,1 Milliarden Dollar auf.

Millionenabfindungen für Manager, Zwangseingriffe des Staates und Insolvenzen großer deutscher Unternehmen: Das Börsenjahr 2009 war überschattet von Skandalen. Nach Meinung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger ist das vergangene Jahr ein schwarzes für die Anleger gewesen. Es habe eine "Spur der Vernichtung" gegeben, kritisierte die SdK bei der Vorstellung ihres "Schwarzbuchs Börse 2009". Besonders heftig kritisierten die Aktionärsschützer die Unternehmensführung von Arcandor und Escada. Massive Managementfehler trügen dort mit Schuld an den Insolvenzen, erklärte der SdK-Vorsitzende Klaus Schneider.

Zum "Großmeister des Misslingens" rief die SdK den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus. Dieser war 2009 mit seinem Plan Volkswagen zu übernehmen gescheitert und hatte Porsche damit in große Bedrängnis gebracht. Dieser Fall verdeutliche zwei Erkenntnisse aus der Krise, erklärte die SdK: "Keine große Chance ohne großes Risiko" und "Du sollst dein Management nicht nach kurzfristigen Maßstäben vergüten."

Porsche sei "ein Paradebeispiel für eine missratene Vergütungsstruktur". Das System beim Sportwagenbauer habe völlig falsche Anreize geschaffen. So habe Wiedeking nur zwei Monate bevor Porsche am Rande der Pleite gestanden habe, für kurzfristige Gewinne noch eine Vergütung von geschätzt 80 Millionen Euro erhalten. Dies sei "ein Wahnsinn", erklärte die SdK.

Aktionärsrechte über Bord

Kritik übte die SdK erneut an der Verstaatlichung der Hypo Real Estate. Das Gesetz dazu trage nicht zur Bewältigung der Krise bei, sondern sei "Teil der Spur der Vernichtung". Damit werde versucht, "Aktionärsrechte im Fall HRE wohl schneller über Bord zu werfen als es das Grundgesetz erlaubt".

Vieles, was Banken Anlegern anbieten, beurteilt die SdK skeptisch. So sei der Zertifikate-Markt weiterhin problematisch. Dort habe man aus der Krise nichts gelernt. Vor allem die aus ihrer Sicht intransparenten Kostenstrukturen, kritisierte die SdK. Der durchschnittliche Anleger sei damit vollkommen überfordert.

"Eine Dreistigkeit"

Auch bei Aktienfonds sehen die Anlegerschützer Probleme. So gebe es immer häufiger eine sogenannte Performance Fee, eine Gebühr, die greife, wenn sich der Fonds besser entwickle als ein vergleichbarer Index oder eine vorher festgelegte Hürde. Sie könne fünf bis 25 Prozent des Gewinns ausmachen. Dies sei "schon vom Konzept her eine Dreistigkeit", kritisierte die SdK. Der Fondsmanager werde schließlich bereits mit der Verwaltungsgebühr dafür bezahlt, besser zu sein als der Vergleichsindex. So werde der Anleger gemolken.

(apd, N24)

08.02.2010 15:27 Uhr

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