Leber bis zum Erbrechen

Missbrauchsskandal bei der Bundeswehr

Bei den Gebirgsjägern in Mittenwalde müssen sich laut einer Beschwerde Soldaten erniedrigenden Aufnahmeritualen unterwerfen. So werden sie etwa gezwungen, rohe Schweineleber zu essen.

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In der Edelweißkaserne, der Heimat der Gebirgsjäger in Mittenwalde, herrscht offenbar ein rauer Umgangston.

Bei der Bundeswehr bahnt sich ein neuer Missbrauchsskandal an. Ein Soldat hat sich beim Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in Mittenwald beschwert. Soldaten mussten demnach bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufzusteigen. Dies berichtete Robbe in einem Brief an den Verteidigungsausschuss.

Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" über die Beschwerde berichtet. Robbe sagte dem Blatt, nach seinen Erkenntnissen handelt es sich um eine "Angelegenheit von offenbar größerer Dimension", der mit Nachdruck und Priorität nachgegangen werden müsse. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wurde inzwischen über die Beschwerde vom 29. Januar informiert, wie Robbe schrieb. Das Ministerium sah sich laut "SZ" jedoch zunächst zu einer Stellungnahme nicht in der Lage.

"Erniedrigend und herabwürdigend"

Laut der Beschwerde gibt es bei den Gebirgsjägern unter den Mannschaftsdienstgraden schon seit den 80er Jahren eine interne Hierarchie, den sogenannten Hochzugkult. In diesen könne man erst nach drei Monaten als "Fux" und nach Absolvieren verschiedener Aufnahmerituale aufsteigen. Dabei würden Soldaten gezwungen, erhebliche Mengen Alkohol zu trinken sowie rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben müssten. Auch würden Soldaten gezwungen, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden.

In seiner Mitteilung an den Verteidigungsausschuss spricht Robbe von Aufgaben, die zum Teil "als erniedrigend und herabwürdigend" anzusehen seien. Vorgesetzte hätten davon Kenntnis gehabt, seien aber nicht eingeschritten. Erste Informationen des zuständigen Divisionskommandanten hätten die Eingabe des Soldaten "im Wesentlichen" bestätigt, schreibt Robbe an den Ausschuss.

(apn, N24)

09.02.2010 16:30 Uhr

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