Erster Praxistest

Wer ist besser: Buzz, Twitter, Facebook?

Seit einer Woche ist Google Buzz online. Zeit genug, um den neuen Kurznachrichten-Dienst zu testen. Welche Funktionen sind besser oder schlechter als Twitter und Facebook?

"To buzz" heißt: summen, brummen, dröhnen, sausen. Das passt zu dem neuen Dienst, mit dem Google einmal mehr die Tagesordnung im Netz bestimmt. Alle wollen wissen, was es mit dem vermeintlichen Twitter- oder Facebook-Ersatz namens Buzz auf sich hat. Nach dem Start registrierte Google pro Stunde mehr als 160.000 Postings (Beiträge) und Kommentare.

In den ersten Reaktionen halten sich Enttäuschung und Zustimmung die Waage. "Buzz fehlt die persönliche Note. Twitter ist 'mit Liebe' designed und das Rauschen in der Timeline übersichtlicher", twitterte etwa die Hamburgerin Birte Oldenburg (@Zuckerhund). "Ich finde Twitter ja echt übersichtlicher", meinte auch Anita Beyer (@Anita_B_). Andere schätzen aber, dass man bei Buzz nicht auf die 140-Twitter-Zeichen begrenzt ist. So erklärt der Twitterer @Reizzentrum: "Ich stelle gerade fest, dass Buzz für kurze inhaltliche Diskussionen deutlich besser geeignet ist als Twitter."

Google hat Buzz in seinen E-Mail-Dienst integriert. Unter dem Posteingang findet sich dort ein eigenes Verzeichnis mit dem vierfarbigen Sprechblasen-Logo des Dienstes. In einer Statuszeile kann man dort schreiben, was man gerade der Welt oder nur dem engeren Bekanntenkreis mitteilen möchte - Buzz lässt hier die Wahl zwischen "öffentlich" und "privat". Die Standardvorgabe "Öffentlich" entspricht dem Twitter-Modell, "Privat" der Statuszeile im Sozialen Netzwerk.

Vorteile bei Multimedia-Inhalten

Anders als bei Facebook fängt der Freundeskreis aber nicht bei Null an. Google nimmt automatisch alle Mail-Kontakte auf, so dass diese sofort mit einem Buzz über die eigenen Befindlichkeiten unterrichtet werden können. Dieser Kreis schließt vermutlich auch Personen ein, denen man keine privaten Dinge anvertrauen will. Deswegen gibt es die Möglichkeit, den Adressatenkreis einzugrenzen: Der Link "In eine Gruppe posten" erlaubt den Buzz-Versand an einen begrenzten Kreis von Empfängern, der in der Kontaktverwaltung als Gruppe bestimmt wird.

Die öffentlichen Buzz-Mitteilungen anderer Nutzer erscheinen nur dann im eigenen Eingangsbereich, wenn man deren "Follower" geworden ist. Es liegt ganz im eigenen Ermessen, ob es dort eher still zugeht oder ob der Buzz-Eingang so heftig brummt, dass der Überblick verloren geht. Die Volltextsuche pflügt sich durch den gesamten Google-Index aller öffentlichen Buzz-Inhalte.

Twitter punktet bei News

Für aktuelle Informationen scheint indes das Hashtag-Konzept von Twitter sinnvoller zu sein: Mit einem ad hoc vereinbarten Stichwort, kenntlich gemacht mit dem vorangestellten Raute-Zeichen, entsteht ein eigener Kanal, auf dem mehrere Teilnehmer eines Ereignisses ihre Informationen und Meinungen verbreiten. Der Zwang zur gestrafften Form von 140 Zeichen kann da auch ein Vorteil sein.

Buzz wiederum ist im Vorteil, wenn es um Multimedia geht. Fotos Videos und die Link-Einbindung externer Quellen vermitteln eine lebendigere Kommunikation, als es bei Twitter bislang möglich ist und übertreffen zum Teil auch die Möglichkeiten von Facebook.

Buzz multimedial ganz vorn

Zudem bietet sich Google als "Aggregator" für andere soziale Medien im Netz an. So lassen sich Twitter, die persönliche Webseite bei Posterous oder das eigene Blog in den Buzz-Stream leiten. Leider kommt es bei dieser Synchronisation zu Verzögerungen von teilweise mehreren Stunden. Google Buzz nutzt für die Einbindung von fremden Kanälen nicht deren Software-Schnittstelle (API), sondern eine HTML-Erweiterung: Der offene Standard XHTML Friends Network (XFN) stellt eine Identitätsbeziehung zu anderen Websites her und bindet diese in Buzz ein.

Weitere Möglichkeiten gibt es, wenn Buzz mobil genutzt wird, was zum Start mit einem Android-Handy oder mit dem iPhone möglich ist. Eine Web-Anwendung verbindet die Buzz-Mitteilung mit den Geodaten des jeweiligen Standorts, die vom GPS-Empfänger des Handys geliefert werden.

Schwachstelle Datenschutz

Spätestens an dieser Stelle wird Buzz allerdings auch zu einem weiteren Datenschutzproblem. Wer nicht sorgfältig genug mit den eigenen Mitteilungen im sozialen Web umgeht, erzeugt schnell ein frei verfügbares Datenprofil, das zum Missbrauch einlädt. In den ersten Tagen prasselte einige Kritik auf Google ein, was das Unternehmen veranlasste, beim Datenschutz nachzubessern. So kann man jetzt auf der eigenen Profilseite angeben, ob die Liste der "Follower" in beiden Richtungen angezeigt werden soll oder nicht.

Google Buzz wird die bislang erfolgreichen Portale wohl nicht verdrängen. Bei einer Umfrage des Fachdienstes mashable.com mit mehr als 6.000 Teilnehmern gaben 31 Prozent an, sie wollten Buzz parallel zu Facebook, Twitter oder anderen Diensten nutzen. 21 Prozent machten ihre Entscheidung vom Verhalten ihrer Freunde abhängig. 17 Prozent erklärten, sie müssten sich erst noch näher mit Buzz beschäftigen. Und 15 Prozent wollen Buzz links liegen lassen, weil sie keine weiteren Sozialen Netzwerke bräuchten. Die beiden Lager mit einer entschieden positiven oder negativen Haltung sind mit 9 und 7 Prozent in der Minderheit.

Orkut und Wave schon überholt

Auf jeden Fall trifft Google mit seinem jüngsten Coup auf sehr viel mehr Interesse als mit Orkut und Wave - Orkut ist ein bereits 2004 gegründetes Soziales Netzwerk, das mit Ausnahme von Brasilien international kaum erfolgreich war. Wave wurde erst im vergangenen Jahr als innovative Kommunikationsplattform gestartet, bietet eine Vielzahl von interessanten Möglichkeiten, ist aber für viele bislang zu abstrakt, um sich als Alternative zur traditionellen E-Mail etablieren zu können. Was man Google nicht absprechen kann, ist die Fähigkeit zu Innovationen. Mit Buzz hat Google eine gute Ausgangsbasis geschaffen, um seine Nutzerbasis und damit das eigene, auf Werbung ausgerichtete Geschäftsmodell zu stärken.

Was Google da gestartet hat, muss sich noch entwickeln. Viele offene Fragen harren noch einer Antwort - auch die nach der richtigen Bezeichnung für diese neue Art der Kommunikation. So fragte mashable.com seine Nutzer: Wie sollen die Buzz-Schreiber denn heißen? Buzzer, Buzzetten oder Buzzard (Bussard)?

(Peter Zschunke, apd, N24)

20.02.2010 13:56 Uhr

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Computer & Technik