Nach 30 Jahren

USA bauen wieder Atomreaktoren

Ungeachtet der "ernsthaften Nachteile" unterstützt US-Präsident Barack Obama den Neubau von Atomkraftwerken. Zunächst zwei Reaktoren sollen in den kommenden Jahren neu entstehen.

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Das AKW "Susquehanna" bei Berwick im US-Bundesstaat Pennsylvania. Nach 30 Jahren Pause wollen die USA jetzt wieder neue Reaktoren bauen.
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US-Präsident Barack Obama beendet sein erstes Jahr im Amt. Zu seinen wichtigsten außenpolitischen Zielen zählte es, ...
... Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit der USA im Ausland wiederherzustellen.
Diese sah er durch seinen Vorgänger George W. Bush (l) ...
... schwer beschädigt.
Umfragen weltweit belegen, ...
... dass ihm der Stimmungsumschwung zugunsten der USA gelungen ist.
Am eindrucksvollsten symbolisiert das die Verleihung des Friedensnobelpreises an den US-Präsidenten.
Bei seiner Afghanistan-Politik wertet Obama den militärischen Einsatz im Wahlkampf als wichtigste Waffe gegen den Terror.
Eine im März vorgestellte neue Strategie konnte die Zunahme der Gewalt aber nicht stoppen.
Im Dezember entschloss sich Obama zur Eskalation: ...
Mehr als 100.000 Soldaten sollen den Sieg bringen, ...
... im Juli 2011 soll der Abzug beginnen.
Damit knüpfte Obama sein politisches Schicksal an die sehr unpopuläre militärische Fortsetzung des Einsatzes in Afghanistan.
Der Einsatz von US-Truppen im Irak war im Wahlkampf Obamas eines der wichtigsten Themen, ...
... inzwischen spricht kaum jemand mehr davon.
Obama wird wohl sein Versprechen einlösen können, ...
... den Einsatz zu Ende zu führen.
Am 31. August 2010 soll der Kampfeinsatz beendet und die Verantwortung an Iraks Truppen übertragen werden.
Sondereinheiten aus den USA sollen aber zur Terrorbekämpfung im Irak zurückbleiben.
Sein Versprechen, das Gefangenenlager Guantanamo binnen eines Jahres zu schließen, ...
... kann Obama nicht einlösen.
Noch immer sitzen etwa 200 Gefangene ein; manche gelten als unverdächtig, ...
... doch finden sich keine Länder, die sie aufnehmen wollen.
Ernst gemacht hat Obama mit der Zusage, mehr Rechtstaatlichkeit walten zu lassen: ...
Die 9/11-Drahtzieher sollen in New York vor ein Zivilgericht.
Ebenfalls unerfüllt blieb Obamas Versprechen, durch diplomatische Initiativen ...
... den Atomstreit mit dem Iran und ...
... den Nahostkonflikt zwischen Israel und ...
... den Palästinensern zu entschärfen.
Seine Dialogangebote an den Iran blieben ohne Erwiderung.
Und weder Israel ...
... noch die Palästinenser fanden sich zu Friedensinitiativen bereit, ...
... für die nicht nur Obama selbst bei Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r) warb, ...
... sondern auch Sonderbeauftragte, die durch die Region reisten.
Obamas größter gesetzgeberischer Erfolg war die Verabschiedung ...
... eines 787 Milliarden Dollar umfassenden Konjunkturpakets.
Auch wenn die Wirtschaft wieder wächst, ...
... ist die Krise noch lange nicht beendet: ...
... Die Arbeitslosigkeit liegt bei zehn Prozent, ...
... das Budgetdefizit 2009 bei 1,42 Billionen Dollar.
Sollte die Konjunktur nicht bald anspringen, wird Obamas Popularität weiter sinken.
Obamas wichtigstes innenpolitisches Wahlkampfversprechen war die Gesundheitsreform.
Eine Krankenversicherung für die meisten Bürger - könnte bald umgesetzt werden.
Der Kongress feilt an den Details des Mammutprojekts.
Im Werben um eine parlamentarische Mehrheit hat Obama aber viele Zugeständnisse machen müssen, ...
... was vor allem die linke Basis enttäuschte.
Die geplante Reform der Finanzmärkte, die schärfer reguliert und ...
... besser vor halsbrecherischen Spekulationen geschützt werden sollen, ...
... tritt seit Monaten im Kongress auf der Stelle.
Kritiker fürchten eine neue Spekulationsblase.
Obamas jüngstes Projekt einer Sonderabgabe für Banken mag den Zorn vieler Bürger auf die Banken besänftigen, ...
... Ersatz für eine wahre Reform ist sie nicht.
In Obamas Wahlkampfslogans "Hope" und "Change" (Hoffnung und Wandel) ...
... kam auch die Sehnsucht vieler Bürger nach einem Ende des bitteren Parteienstreits in Washington zum Ausdruck.
Obamas Versprechen, überparteilich zu regieren, kann als gescheitert betrachtet werden.
Die konservativen Republikaner ließen Obamas Initiative praktisch geschlossen abblitzen und setzen auf Polarisierung.
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Damit hat niemand gerechnet: US-Präsident Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis 2009. Das Osloer Komitee würdigt damit seine "außergewöhnlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und um Zusammenarbeit zwischen den Völkern".
Damit kommt Barack Obama (im Bild mit First Lady Michelle) schon ein Jahr nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt der USA zu höchsten Weihen. Dabei ist eine anschließende Bilanz seiner Amtszeit noch nicht möglich. Doch der ...
... fünfköpfige Nobelpreisausschuss begründet den Schritt damit, dass eine Person selten so viele Hoffnungen auf Frieden geweckt habe. Zudem habe seine Vision für eine atomwaffenfreie Welt die Entscheidung beeinflußt.
Barack Obama wird es gut tun. Hat er doch derzeit innenpolitisch mächtig zu kämpfen. Der Glanz der ersten Wochen ist dahin und sein Mammutprojekt Gesundheitsreform stottert gewaltig. Zu ungewöhnlich ist das Vorhaben für US-amerikanisches Empfinden.
Doch ungewöhnliche Maßnahmen passen ins Bild eines ungewöhnlichen Präsidenten. Barack Obama ist der erste schwarze Staatslenker Amerikas. In seinem Land gilt er als Symbol für die Hoffnung, Rassendiskriminierungen ein Ende zu bereiten. Und vor allem ...
... gilt er in der Welt und bei seinen Landsleuten als Gegenentwurf zu seinem umstrittenen Vorgänger, dem republikanischen Hardliner George W. Bush. Seine liberale Einstellung ist sicherlich auch der Biografie Obamas zu verdanken.
Barack Obama wird 1961 als Barack Hussein Obama Jr. auf Hawaii geboren. Seine Mutter Stanley Ann Dunham und sein Vater Barack Obama haben sich an der Universität von Hawaii kennengelernt.
Obamas Großeltern kümmern sich rührend um den Familiennachwuchs. Hier spielt der kleine Barack Obama mit seinem Großvater am Strand.
Barack Obamas Eltern lassen sich 1963 scheiden. Seine Mutter heiratet erneut. Mit dem späteren Ölmanager ging die kleine Familie nach Indonesien.
In dieser Schule in Indonesien drückt Barack Obama die Schulbank.
1971 kommt Barack Obama nach Hawaii zurück, wo er von seinen Großeltern aufgezogen wird. 1979 legt er seinen Highschool-Abschluss ab.
Nach zwei Jahren am Occidental College in Los Angeles zieht es Barack Obama 1981 an die Columbia-Universität in New York, wo er einen Abschluss in Politikwissenschaften erlangt.
Nach kurzer Tätigkeit für eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft geht Obama nach Harvard. An der Harvard Law School macht er 1991 seinen Doktor der Rechtswissenschaft „mit großem Lob“.
In Harvard lernt Barack Obama seine spätere Ehefrau Michelle Robinson kennen. Später wächst die Familie mit der Geburt der beiden Töchter Malia (*1999) und Sasha (*2001).
Seit 1992 engagiert sich Obama als Landespolitiker des Bundesstaates Illinois, wo er 1996 in den Senat gewählt wurde. Im Jahr 2000 strebt Obama den Gang ins US-Repräsentantenhaus an, unterliegt in den Vorwahlen jedoch seinem Kontrahenten Bobby Lee Rush.
2004 zieht Barack Obama in den US-Senat ein. Gleichzeitig unterstützt er den damaligen Präsidentschaftsbewerber John Kerry bei dessen Wahlkampf.
Am 10. Februar 2007 verkündet Barack Obama in Springfield (Illinois) unter großem Jubel erstmals seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur.
Seine Gegner bei den Vorwahlen sind Hillary Clinton und John Edwards. Edwards gibt sich am 30. Januar 2008 bereits frühzeitig geschlagen.
Als harte Gegnerin erweist sich jedoch Hillary Clinton, die frühere First Lady. Bis zum Ende der Vorwahlen hält sie an ihrer Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten fest.
Obwohl längst chancenlos, gibt Clinton erst am 7. Juni offiziell ihren Rückzug bekannt. Gleichzeitig versichert sie Obama ihre volle Unterstützung.
Obamas Gegner zum Wahltag am 4. November 2008 heißt nun John McCain. Auch wenn die beiden Kontrahenten in Wahlumfragen lange gleichauf liegen, unterliegt McCain. Zu groß ist der Wunsch der Amerikaner nach "Change", dem Schlüsselwort Obamas Kampagne.
Am 20. Januar 2009 tritt Barack Obama sein Amt an. Die sehr frühe Ehrung des Nobelpreiskomitees ist Segen und Fluch zugleich. Denn letzten Endes ist sie auch Verpflichtung, die ausgerufenen Ziele zu erreichen.

Nach drei Jahrzehnten Pause sollen in den USA erstmals wieder neue Atomreaktoren gebaut werden. US-Präsident Barack Obama kündigte staatliche Kreditzusagen in Höhe von rund acht Milliarden Dollar (5,9 Milliarden Euro) für den Bau von zwei Reaktoren an. Neue Atomanlagen seien nötig, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern und den Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen zu drosseln, sagte Obama.

"Um unseren wachsenden Energiebedarf zu decken und den schlimmsten Folgen des Klimawandels vorzubeugen, müssen wir unser Angebot an Nuklearenergie vergrößern, so einfach ist das", sagte Obama in einer Rede in Lanham bei Washington. "Wir müssen in Amerika eine neue Generation sicherer und sauberer Nuklearanlagen bauen." Obama bezeichnete die Atomenergie als "saubere Energiequelle", die seine Regierung ebenso wie etwa Wind- und Solarenergie nach Kräften fördern wolle.

Technologie hat "ernsthafte Nachteile"

Die beiden neuen Reaktoren sollen auf dem Gelände eines bestehenden Atomkraftwerks in Burke im Bundesstaat Georgia entstehen. Der Bau der Reaktoren werde tausende Arbeitsplätze in der Konstruktionsphase sowie 800 dauerhafte Jobs schaffen, sagte Obama. Die neue Anlage werde 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr weniger ausstoßen als ein vergleichbares Kohlekraftwerk.

Obama räumte in seiner Rede ein, dass die Atomenergie auch "ernsthafte Nachteile" habe. Als Beispiel nannte er die ungelöste Frage der Lagerung atomarer Abfälle. Der Streit um die Atomkraft "darf uns aber nicht vom Fortschritt abhalten", forderte er. "Wir dürfen nicht länger in diesen alten Debatten zwischen links und rechts gefangen sein." Andernfalls drohten die USA den Anschluss an Länder wie Frankreich, China oder Südkorea zu verlieren, die massiv in Atomenergie investierten.

Kritiker: Fortsetzung der Fehler Bushs

Wegen der hohen Kosten für den Bau neuer Atomanlagen sind staatliche Kreditzusagen an private Atomunternehmen ein wichtiger Faktor. Obamas Zusagen fundieren auf einem Gesetz aus der Amtszeit seiner Vorgängers George W. Bush - dies erlaubt staatliche Kredite für Projekte privater Enregiekonzerne, sofern sie den Ausstoß an Treibhausgasen verringern. Dieser Fonds umfasst nach Regierungsangaben derzeit rund 18 Milliarden Dollar. Obama kündigte an, diese Mittel zu verdreifachen.

Nach dem Reaktorunfall in Three Mile Island in Pennsylvania, bei dem 1979 größere Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden, hatten die USA zunächst auf den Bau neuer Anlagen verzichtet. Das jüngste US-Atomkraftwerk steht in Seebrook im Bundesstaat New Hampshire. Der Bau wurde 1977 begonnen, 1990 ging es ans Netz. Atomkraftgegner kritisierten Obamas Vorhaben. Der Präsident setzt "die schlimmsten Energie-Exzesse" seines Vorgängers Bush fort, erklärte der Nuclear Information and Resource Service. "Der Steuerzahler gerät dadurch in die höchst riskante Lage, Milliarden Dollar an Atomgiganten überweisen zu müssen."

(AFP, N24)

16.02.2010 18:58 Uhr

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