Zündstoff im Lohn-Diskurs
Lidl spricht sich für Mindestlohn aus
Die Diskussion um Mindestlöhne im Einzelhandel hat neuen Zündstoff bekommen. Im Vorfeld hat sich der Billig-Discounter Lidl in einem Schreiben für die Einführung von Mindestlöhnen ausgesprochen.
Die Billig-Supermarktkette Lidl hat sich für Einführung von Mindestlöhnen im Einzelhandel ausgesprochen. Die Unternehmensleitung sei der Auffassung, "dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen", heißt es in einem Schreiben der Lidl-Führung. "Damit würde die Möglichkeit und der Missbrauch von Lohndumping, der auch vereinzelt im Handel zu sehen ist, unterbunden."
Das Schreiben des zweitgrößten Discounters in Deutschland richtet sich an den Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Der Leiter des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) hatte sich Ende Januar in einer ARD-Sendung kritisch zu den Löhnen bei Lidl und anderen Einzelhandelsketten wie Aldi und Schlecker geäußert. Die Drogeriemarktkette Schlecker war zuletzt wegen der Bezahlung von Leiharbeitern massiv in die Kritik geraten. Das Unternehmen erklärte sich daraufhin zu Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereit.
Lohn-Diskussion bekommt neuen Zündstoff
Mit dem Lidl-Vorstoß bekommt die Lohn-Diskussion in der Einzelhandelsbranche nun neuen Zündstoff. Der Einzelhandelsverband HDE äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorschlag. "Entscheidend für die Frage, ob eine Allgemeinverbindlichkeit sinnvoll ist, ist die Höhe der Lohnuntergrenze", sagte der für Tarifverhandlungen zuständige HDE-Geschäftsführer Heribert Jöris der "Financial Times Deutschland". Ein Sprecher des größten deutschen Handelsunternehmens Metro sagte der Zeitung: "Wir sind offen für eine tarifliche Festlegung, aber strikt gegen staatliche Mindestlöhne."
Auch die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane äußerte sich zunächst vorsichtig zu dem Lidl-Vorstoß. "Wenn Lidl die Ankündigung, sich für einen Branchenmindestlohn im Handel starkzumachen ernst meint, ist das prinzipiell zu begrüßen", sagte sie der "FTD". Von einem Mindestlohn sei die Branche jedoch weit entfernt. Zudem bleibe die zentrale Frage offen, wie hoch ein solcher Mindestlohn sein solle, fügte Mönig-Raane hinzu. Verdi und der HDE bemühen sich derzeit darum, den alten Branchentarifvertrag zu ersetzen. Die Gespräche sollen der Zeitung zufolge bis 2011 abgeschlossen sein.
(AFP, N24)
17.02.2010 11:41 Uhr





