Wieder eine Anschlagsserie in Kabul: Im Zentrum der afghanischen Hauptstadt sprengten sich mehrere Attentäter in die Luft. Dutzende Menschen wurden bei den Attacken getötet oder verletzt.
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Ein Selbstmordkommando der radikal-islamischen Taliban hat ein Hotel und ein Gästehaus im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul attackiert und mindestens 15 Menschen getötet. Wie ein Sprecher des Präsidentenpalastes mitteilte, sind unter den Toten vier indische Staatsbürger. Das Außenministerium in Paris bestätigte, dass auch ein Franzose bei dem Anschlag ums Leben kam. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte nach Angaben eines Sprechers keine Hinweise auf deutsche Opfer. Nach Angaben von Ärzten wurden mehr als 30 Menschen verletzt, darunter acht weitere Inder und ein Pakistaner.
Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bekannte sich zu dem Angriff und erklärte, fünf Selbstmordattentäter hätten ein von Ausländern genutztes Hotel attackiert. Zwei hätten sich selbst in die Luft gesprengt, drei weitere hätten sich Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert. Ein Polizeisprecher sagte, alle Angreifer seien getötet worden. Die Lage sei unter Kontrolle. Der Sender Tolo TV meldete, in dem Hotel im obersten Stockwerk eines beliebten Einkaufszentrums sowie in dem Gästehaus seien zahlreiche Inder untergebracht gewesen. Die Gebäude liegen nur wenige Meter vom Innenministerium entfernt.
Immer wieder schwere Anschläge
In Kabul waren erst Mitte Januar bei koordinierten Angriffen und Selbstmordanschlägen der radikal-islamischen Taliban mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Im Oktober hatten Aufständische in der Stadt ein Gästehaus der Vereinten Nationen angegriffen und sechs ausländische UN-Mitarbeiter getötet. Kurz zuvor starben zwölf Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft. Die indische Vertretung war bereits im Juli 2008 Ziel eines Terroranschlags geworden.
Damals hatte ein Selbstmordattentäter mehr als 40 Menschen mit in den Tod gerissen, darunter zwei indische Diplomaten. Für die Tat hatte Indien den pakistanischen Geheimdienst ISI mitverantwortlich gemacht. Pakistan wies das zurück. Neu Delhi hat keine Truppen in Afghanistan, engagiert sich aber massiv beim zivilen Wiederaufbau. In Pakistan sorgt das für Unmut.
Toter ISAF-Soldat bei Operation "Muschtarak"
Bei der Großoffensive "Muschtarak" in der südafghanischen Provinz Helmand kam unterdessen ein NATO-Soldat ums Leben. Wie die Internationale Schutztruppe ISAF mitteilte, starb der Mann bei der Explosion eines Sprengsatzes. An der seit dem 13. Februar laufende Offensive sind 15.000 afghanische und ausländische Soldaten beteiligt. Am Donnerstag hatten Militär und Behörden in der einstigen Taliban-Hochburg Mardscha, der größten Stadt der umkämpften Region, die afghanische Flagge gehisst und offiziell Kontrolle übernommen.
Der Bundestag entscheidet am Freitag darüber, ob mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden. Die Zahl der Bundeswehrsoldaten in der ISAF-Schutztruppe soll von derzeit 4.500 auf 5.350 aufgestockt werden. Davon sind 350 Männer und Frauen als "flexible Reserve" vorgesehen. Das Mandat ist auf ein Jahr befristet. Die Regierung hat dazu einen Antrag vorgelegt, über den namentlich abgestimmt wird. Der Auswärtige Ausschuss hat bereits zugestimmt.