Trotz einer Protestaktion der Linkspartei im Bundestag hat das Parlament die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan beschlossen. Das neue Mandat erhielt eine breite Mehrheit.
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Nach einem Eklat um eine Protestaktion der Linksfraktion hat der Bundestag mit großer Mehrheit dem neuen Afghanistan-Mandat für die Bundeswehr zugestimmt. Für die neue Afghanistan-Strategie der Bundesregierung votierten 429 von 586 Abgeordneten, mit Nein 111, 46 enthielten sich. Die SPD hatte angekündigt, die meisten ihrer Abgeordneten würden für das Mandat stimmen. Der größte Teil der Grünen-Fraktion wollte sich enthalten, die Linke geschlossen mit Nein stimmen. Das Mandat sieht eine Aufstockung des Bundeswehrkontingents am Hindukusch von 4500 auf 5350 Soldaten vor. Die Bundeswehr beteiligt sich bereits seit mehr als acht Jahren an der internationalen Mission zur Stabilisierung Afghanistans.
Eklat bei Afghanistan-Debatte
Vor der Abstimmung hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) fast alle Politiker der Linksfraktion von der Sitzung ausgeschlossen, weil sie mit Protestplakaten gegen den Einsatz demonstriert hatten. Die Abgeordneten der Linken hielten nach Ende der Rede ihrer Abgeordneten Christine Buchholz großformatige Todesanzeigen mit Namen von Opfern des Luftangriffs bei Kundus im September hoch. Lammert verlangte zunächst, die Plakate herunterzunehmen und schloss die Abgeordneten dann von der Sitzung aus. Die Linksfraktion folgte erst nach mehrmaliger Aufforderung des Parlamentspräsidenten der Anweisung und verließ den Saal.
Die Linksfraktion kritisierte den Ausschluss als "weit übertrieben". Es habe sich um einen Akt des Gedenkens gehandelt, sagte Fraktionschef Hendrik Thalheim. Die Bundesregierung habe sich bislang nicht zu einem Trauerakt für die Opfer des Angriffs durchringen können. Auf deutschen Befehl hin waren im September vergangenen Jahres nahe Kundus zwei Tanklaster bombardiert worden, dabei kamen zahlreiche Zivilisten ums Leben. An der auf die Debatte folgenden Abstimmung über das Afghanistan-Mandat durften die Linke-Abgeordneten teilnehmen. Dies ermöglichte ein Beschluss der anderen Fraktionen auf Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert.
Ausschluss bei früheren Vorfällen angekündigt
Nach einer Intervention des Grünen-Politikers Christian Ströbele zu Gunsten der Linken bekräftigte Lammert im Bundestag seine Entscheidung. "Das Vorgehen ist alternativlos", sagte er. Es herrsche Einvernehmen, dass Demonstrationen im Plenarsaal mit der Ordnung des Hauses nicht vereinbar seien. Nach ähnlichen früheren Vorfällen habe er den Linken bereits angekündigt, dass sie im Wiederholungsfall ausgeschlossen würden, sagte Lammert. Er räumte aber ein, dass er die Situation "alles andere als routinehaft" empfinde. Ströbele hatte Lammert gebeten, seine Entscheidung zu überprüfen. Er empfinde es als ein "falsches Zeichen nach Afghanistan und in die Welt", wenn in Deutschland Parlamentarier des Saals verwiesen würden, weil sie den Opfern eines von Deutschland zu verantwortenden Luftangriffs gedacht hätten.
"Sie haben nicht randaliert, sie waren nicht laut, sie haben Schilder hochgehalten", verteidigte Ströbele die Kollegen der Linksfraktion. Diese stünden mit ihrer ablehnenden Haltung zu dem Einsatz in Afghanistan zudem für die Mehrheit der deutschen Bevökerung. Die SPD unterstützte dagegen die Entscheidung Lammerts. "Der Präsident hat richtig entschieden. Das Parlament ist Ort der Debatte, nicht der Demonstration. Im Parlament zählt das Argument, nicht das Transparent", erklärte ihr Parlametsgeschäftsführer Thomas Oppermann.
Westerwelle: Kein festes Abzugsdatum
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte sich vor der Debatte nicht auf ein konkretes Datum für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan festgelegt. Das ermutige nur die Terroristen, so lange durchzuhalten, um dann neu loszuschlagen, sagte der Minister im Südwestrundfunk (SWR). Westerwelle bekräftigte, dass Ende 2011 "die Situation so sein (solle), dass wir zum ersten Mal unser Kontingent reduzieren können". Geplant sei, dass die afghanische Regierung unter Präsident Hamid Karsai 2014 vollständig die Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehme.
Bei der Abstimmung des Bundestags gilt eine breite Mehrheit als sicher. Neben den beiden Koalitionsfraktionen wollen auch die meisten SPD-Abgeordneten für das neue Mandat stimmen. Der größte Teil der Grünen-Fraktion wird sich voraussichtlich enthalten. Die Linke hatte bereits angekündigt, geschlossen mit Nein zu stimmen.
Bundeswehr-Verband: Lage vor Ort gefährlicher
Die neue Afghanistan-Strategie der Bundesregierung sieht eine Aufstockung des Bundeswehrkontingents am Hindukusch von 4500 auf bis zu 5350 Soldaten vor. Der Vorsitzende des Bundeswehr-Verbands, Ulrich Kirsch, begrüßte die geplante Aufstockung. Auf NDR Info sagte Kirsch, die Lage vor Ort sei gefährlicher geworden, speziell im Raum Kundus. Dieser Entwicklung könne man nur mit zusätzlichen Einsatzkräften und mit mehr Präsenz in der Fläche begegnen. "Das ist eine Weichenstellung für einen lang- und mittelfristigen Ausstieg", sagte der Verbandschef.
Eine höhere Gefährdung der deutschen Soldaten schließt auch das Einsatz-Führungskommando der Bundeswehr nicht aus. "In Zukunft wird sich sicherlich ändern, dass die Soldaten tatsächlich länger außerhalb der Feldlager sein werden, um der Bevölkerung ein noch stärkeres Sicherheitsgefühl geben zu können", erläuterte der Sprecher des Einsatz-Führungskommandos, Oberstleutnant Jörg Langer, im RBB-Inforadio.