Nach dem Beben
300 Tote in Chile - Riesenwelle blieb aus
Die Zahl der Erdbebenopfer in Chile ist auf über 300 gestiegen. Während das Land jetzt versucht eine Bilanz der Verwüstung zu ziehen, blieb im Pazifik die erwartete Riesenwelle weitgehend aus.
Bei dem schweren Erdbeben in Chile sind mehr als 300 Menschen getötet worden, mehr als 1,5 Millionen Wohnungen sind nach Angaben der Behörden beschädigt. Die chilenische Rettungsbehörde (ONEMI) erklärte, dass noch immer kein vollständiger Überblick über die Schäden nach dem Beben der Stärke 8,8 besteht. Vor allem zu der am meisten betroffenen Küstenregion rings um die 400.000-Einwohner-Stadt Concepción gebe es keinen Kontakt. Dort wurde beispielsweise die Stadt Talcuhuano von einer 2,3 Meter hohen Flutwelle überrollt.
Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief für sechs der 15 Regionen des Landes den Katastrophenzustand aus. Etwa zwei Millionen Menschen seien betroffen. Insgesamt leben in Chile etwa 16 Millionen Menschen. Im ganzen Land brachen Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zusammen. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt entstanden erhebliche Sachschäden.
Tsunami-Warnungen aufgehoben
Die befürchteten Riesenwellen im Pazifik sind indes ausgeblieben. Das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii hatte alle Warnungen vor Riesenwellen für denPazifischen Raum schon am Samstagabend aufgehoben. Nur für die KüstenJapans und Russlands wurden sie aufrecht gehalten. An der japanischenNordküste wurden bis Sonntagnachmittag (Ortszeit) Flutwellen von 1,45Metern Höhe beobachtet, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete.
Kleine Wellen auch in Japan
Ander russischen Pazifikküste schwappten erste Wellen mit Höhen von biszu 80 Zentimetern ans Ufer. In Japan hatten die Behörden aus Furcht vor einem TsunamiZehntausende Bewohner an der gesamten Pazifikküste aufgefordert, sichin Sicherheit zu bringen. Erste kleinere Wellen zwischen 10 und 30Zentimetern waren zunächst in der nördlichsten Provinz Hokkaidobeobachtet worden. Nachfolgende Wellen könnten aber höher sein,warnten die Behörden.
Dagegen hatten die Wassermassen in Chile das vom Erdbebenangerichtete Elend noch verschlimmert. "Es bebte und dann kam dasMeer in unser Haus, es reichte uns bis zum Hals", berichtete eineEinwohnerin von Iloca im Süden des Landes. In der Stadt Talcahuanowurden selbst größere Schiffe bis ins Stadtzentrum geschwemmt, imHafen lagen riesige Seecontainer wie Streichhölzer durcheinander."Das Wasser hat alles, aber auch alles fortgerissen", sagte einÜberlebender aus dem kleinen Küstenort Boyecura.
Insel Robinson Crusoe schwer getroffen
Auf der chilenischenInsel Robinson Crusoe, rund 670 Kilometer westlich von Südamerika,wurden fast alle Gebäude zerstört. Dort starben mindestens fünfMenschen in den Wassermassen, elf wurden noch vermisst.
Aufatmen konnten dagegen Bewohner und Touristen auf Hawaii,nachdem dort bereits Stunden vor dem erwarteten Eintreffen der Wellendie Sirenen heulten. Bewohner und Touristen verließen die flachenKüstenstreifen, viele fuhren auf Anhöhen, um von dort aus dasNaturspektakel zu beobachten. Der Wasserspiegel vor Hawaii und anderen Inseln stieg jedoch nur umeinen Meter bis 1,50 Meter an.
Auswirkungen in Neuseeland und Australien
Die neuseeländischen Chatham Inseln, etwa700 Kilometer südöstlich der Hauptinsel, wurden von drei Wellengetroffen, die eine Höhe von bis zu etwa 1,50 Metern erreichten. Aufdem Festland in der Provinz Northland wirbelte das Wasser im Hafenvon Tutkaka "wie eine Waschmaschine", berichtete die Lokalbehörde. ImMinutenabstand schlugen ein Meter hohe Wellen an die Hafenmole.Entlang der Ostküste erreichten die Wellen zwischen 30 und 40Zentimetern Höhen. Das riesige Kreuzfahrtschiff «Dawn Princess»verließ vorsichtshalber den Hafen von Auckland.
An der australischen Ostküste waren die Strände von Brisbane bisSydney zwar offiziell geschlossen worden, doch ignorierten dastausende Schaulustige. An den berühmten Stränden Bondi und Coogeein Sydney waren sogar Schwimmer und Surfer im Wasser. "Wir könnenEmpfehlungen aussprechen, aber wir können den Leute nicht befehlen,vom Strand zu gehen", sagte Bill Measday, Chef der Lebensretter amBondi-Strand.
(AFP, dpa, N24)
28.02.2010 15:31 Uhr








