Ausstieg aus Krisenhilfen

EZB will Rückkehr zur Normalität

Die massiven Finanzhilfen der EZB haben die europäischen Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch bewahrt. Jetzt wollen die Währungshüter den Tropf wieder abstellen, doch der Patient könnte kollabieren.

Angesichts der wachsenden Sorgen um die Stabilität des Euro bemühen sich Europas oberste Währungshüter um Normalität. Nach ihrer beispiellosen Geldflut für die klammen Finanzmärkte will sich die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend wieder zurückziehen. Doch die Rückkehr zu Vorkrisenzeiten ist schwer: Noch ist die Erholung der Konjunktur wackelig - ein zu rasches Ende der Hilfen könnte neue Schocks an den Märkten auslösen.

Experte warnt vor "Zombie-Banken"

Die Finanznöte Griechenlands erschweren es zusätzlich, die in der Krise großzügig verteilten Zentralbankgelder wieder einzusammeln. Denn die drohende Pleite sorgt für Spannungen an den Märkten. "Die EZB muss angesichts der Notlage Griechenlands und der davon ausgehenden Gefahren für das weltweite Finanzsystem genügend Liquidität vorhalten", meint die Landesbank Hessen-Thüringen. Dabei ist das Einsammeln überschüssiger Liquidität aus Sicht von Volkswirten wichtig: Schließen die Notenbanken zu spät den Geldhahn, befeuern sie die von ihnen so eifrig bekämpfte Inflation.

"Man tut nicht nur Gutes, wenn man den Markt ständig mit frischem Geld versorgt: Man konserviert auch falsche Strukturen", sagt etwa der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Die Wirtschaftskrise Japans in den 90er Jahren habe gelehrt, "dass es nicht gut ist, Zombie-Banken, die süchtig am Tropf von Liquiditätshilfen hängen, am Leben zu erhalten". Heißt auf die aktuelle Krise gemünzt: Banken, die trotz der massiven Hilfe der großen Zentralbanken weltweit noch nicht wieder auf eigenen Beinen stehen können, haben vor allem ein Problem mit ihrem Geschäftsmodell.

Die erste Geld-Flut

Zur Erinnerung: Am 9. August 2007 griff die EZB erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu einem drastischen Mittel und pumpte frische Milliarden in den Geldmarkt. Der Feuerwehreinsatz wurde zum Auftakt einer ganzen Serie solcher Hilfsaktionen rund um den Globus. Banken konnten zwischenzeitlich unbegrenzt US-Dollar bei der EZB ordern, zudem senkte die EZB den Leitzins im Euro-Raum auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. Aktuell hat allein die EZB die Finanzmärkte noch mit gut 765 Milliarden Euro geflutet.

Nach Einschätzung von Experten funktioniert der Interbankenmarkt, an dem sich die Geldhäuser gegenseitig Geld leihen, inzwischen wieder relativ gut, so dass die EZB wieder einen Gang zurückschalten kann. So beschloss die EZB in Frankfurt, einen Teil der außergewöhnlichen Maßnahmen, mit denen sie den Geschäftsbanken billiges Geld bereitstellte, auslaufen zu lassen. "Damit begleiten wir den schrittweisen Weg der Märkte zurück zur Normalität", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Um jede Inflationsgefahr zu verhindern, werde bei Bedarf weiter Geld eingesammelt.

Rückzugsstrategie umstritten

Umstritten ist indes, wie rasch die EZB die Liquidität wieder aus dem Markt saugen soll. Die noch verbliebenen Spannungen an den Geldmärkten rechtfertigten kein weiteres Abwarten beim Ausstieg, urteilen Volkswirte der Commerzbank. Dennoch warnen sie vor Schnellschüssen: "Ein abrupter Stopp der Medikation ist auch keine Lösung, weil der Patient in diesem Fall kollabieren würde." Auch Experten der UniCredit raten zu Behutsamkeit: "Wir sind der Ansicht, dass eine Abschöpfung der Überschussliquidität zwar nur allmählich und vorsichtig, aber nicht erst ab September erfolgen sollte."

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kam dagegen zu dem Schluss, dass die Risiken eines frühen Ausstiegs aus den Hilfen insgesamt schwerer wiegen als die Risiken eines späteren Ausstiegs. Immerhin wird das Sparpaket der griechischen Regierung die Märkte aus EZB-Sicht beruhigen. Trichet sagte: "Was getan wird ist glaubwürdig, wir haben keinen Zweifel daran." Griechenland werde dadurch Vertrauen gewinnen. Doch schon kreist der Pleitegeier auch über anderen Euro-Ländern wie Portugal, Spanien, Irland, Italien oder dem Nicht-Euro-Land Großbritannien. Zum Teil war es Misswirtschaft, in allen Fällen waren es die gigantischen Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Wirtschaftskrise, die Schuldenberge anwachsen ließen.

(Jörn Bender und Harald Schmidt, dpa, N24)

04.03.2010 16:48 Uhr

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