KZ-Vergleich des Barnabas

"Derblecken" endet im Eklat

Dass die Politiker beim Starkbieranstich auf dem Nockerherberg kräftig auf den Arm genommen werden, ist Tradition. Doch in diesem Jahr, so meinen einige, ist "Bruder Barnabas" zu weit gegangen.

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Über das Ziel hinaus geschossen? Michael Lerchenberg alias Bruder Barnabas
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STARFIGHTER-AFFÄRE: 1958 entscheidet Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU), die Luftwaffe ...
... mit dem Starfighter F 104 auszurüsten. Repräsentant des US-Herstellers Lockheed ist Ernest F. Hauser, ein Freund des Ministers. Bevor ...
... der auf deutsche Bedürfnisse umgerüstete Prototyp des "Schönwetterjägers" getestet ist, ordert Strauß 700 Maschinen. Von den insgesamt 917 Starfightern der Bundeswehr ...
... stürzten 270 ab. Dabei kamen 110 Piloten ums Leben, das Wort vom "Witwenmacher" geht um. Der Bundesrechnungshof kritisiert Strauß wegen des ...
... Verschleuderns von Milliarden. Der Verdacht von Korruption bei der Beschaffung wird nie ausgeräumt.
SPIEGEL-AFFÄRE: Auf dem Höhepunkt einer Fehde zwischen dem "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein (rechts) und ...
... Verteidigungsminister Strauß (hier mit Konrad Adenauer) durchsuchen Kriminalbeamte 1962 die Redaktionsräume des Hamburger Magazins und ...
... halten sie wochenlang besetzt. Hintergrund ist ein angeblich "landesverräterischer" Artikel, der sich mit der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr beschäftigt.
Augstein kommt für drei Monate in Untersuchungshaft. Nach langem Leugnen ...
... gibt Strauß vor dem Bundestag zu, dass er in die Aktion involviert war. Die ...
... fünf FDP-Minister treten empört zurück und erzwingen so die Neubildung eines Kabinetts ohne Strauß. Strauß wird formell entlassen.
GUILLAUME-AFFÄRE: 1974 stellt sich heraus, dass ...
... der persönliche Referent von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD, links), Günter Guillaume (rechts), ...
... ein Spion der DDR ist.
Brandt tritt zurück.
FLICK-AFFÄRE: Anfang der 1980er Jahre fliegt auf, dass ...
... der Konzern des Düsseldorfer Großindustriellen Friedrich Karl Flick etwa 26 Millionen Mark an Parteien, Stiftungen und zahlreiche Politiker verteilt hat - zur ...
... "Pflege der politischen Landschaft". Bald kommt der Verdacht auf, dass die Gelder auch flossen, um ...
... dem Konzern Steuerbegünstigungen aus einem Verkauf von Daimler-Benz-Aktien 1975 zu verschaffen. Mittendrin in der Affäre: der ...
... frühere Wirtschaftsminister Hans Friderichs und ...
... sein Nachfolger Otto Graf Lambsdorff (beide FDP). Sie werden später zu Geldstrafen verurteilt.
BARSCHEL-AFFÄRE: Einen Tag vor der schleswig-holsteinischen Landtagswahl im September 1987 erscheint "Der Spiegel" mit dem Titel: "Waterkantgate in Kiel - Barschels schmutzige Tricks". Barschel...
... soll seinen SPD-Gegenspieler Björn Engholm bespitzelt haben. Anfang Oktober tritt Barschel zurück. Am 11. Oktober wird seine Leiche in einem Genfer Hotel gefunden.
Die Todesumstände bleiben ungeklärt. Engholm, Sieger der Neuwahl im Mai 1988, tritt 1993 zurück, als bekannt wird, dass er früher als behauptet von den schmutzigen Tricks wusste.
ZWICK-AFFÄRE: Im Oktober 1993 enthüllt das Fernsehmagazin "Report", der bayerische Fiskus habe dem per Haftbefehl gesuchten "Bäderkönig" Eduard Zwick 71 Millionen Mark Steuerschulden erlassen. Der Steuerverzicht soll ...
... vom damaligen Landesfinanzminister Gerold Tandler (CSU) ausgehandelt worden sein. Anfang 1994 wird bekannt, dass Tandler sich von Zwick hohe Summen geliehen hat. Im März tritt Tandler als CSU-Vize zurück.
BERLINER SPENDENSKANDAL: In den 1990er Jahren vergibt die Bank Berlin Hyp risikoreiche Kredite in Höhe von ...
... 600 Millionen Mark an den Immobilienkonzern Aubis, der mit dem Geld tausende Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland kauft. Später wird bekannt, dass ...
... die Aubis-Inhaber dem Berlin-Hyp-Vorstandschef und CDU- Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky ...
... 40.000 Mark in bar gegeben hatten. Die Affäre beendet Landowskys Karriere und führt zu einem ...
... großen Wirtschaftsstrafprozess. 2007 wird er wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das größte Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Ein Gedenktag erinnert jedes Jahr an diesem Datum an die Opfer des Holocaust.
In Auschwitz wurden 1942 - 1944 über eine Million Menschen ermordet. Unter den Opfern waren hauptsächlich Juden sowie tausende Sinti, Roma, Kriegsgefangene und Polen.
Das aus drei Komplexen bestehende KZ Auschwitz wurde ab 1940 auf Befehl von Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, errichtet und stand fortan im Zentrum des Völkermordes an den Juden.
1940 entstand das Stammlager Auschwitz I, das zunächst als Verwaltungszentrum geplant war, in einer ehemaligen polnischen Kaserne. Im Mai 1940 kam dort der erste Häftlingstransport an. Bereits ein Jahr später, im ...
... März 1941 befahl Himmler eine Erweiterung um ein zusätzliches Arbeitslager. Das Konzentrationslager Auschwitz II - Birkenau wurde durch Häftlinge des ersten Lagers gebaut. Es wurde ab 1942 zum Vernichtungslager.
Im Lager Auschwitz III -Monowitz, in dem über 30.000 Zwangsarbeiter getötet wurden, produzierte die IG-Farben-Beteiligungsgesellschaft Degesch das in den Gaskammern eingesetzte Giftgas Zyklon B.
In Auschwitz führte die SS auf Anweisung des Lagerkommandanten Rudolf Höß bereits 1941 Versuche mit dem Giftgas an sowjetischen Kriegsgefangenen durch. (Bild von 1947)
Seit 1942 kamen Deportationszüge aus fast ganz Europa in Auschwitz an. Es wurde zum größten Konzentrations- und Vernichtungslager in der Zeit des Nationalsozialismus.
Bei der sogenannten "Selektion" wurden schwache, kranke oder alte Menschen, die als "arbeitsunfähig" eingestuft wurden, von kräftigen Ankömmlingen getrennt.
Die meisten Deportierten wurden sofort nach der Ankunft im KZ vergast oder erschossen. Die Ermordung ...
... von etwa 900.000 Menschen in Gaskammern und die Verbrennung ihrer Leichen in Krematorien führt das unfassbare Ausmaß des industriellen Massenmordes durch die Nationalsozialisten vor Augen.
Die nach der "Selektion" nicht sofort getöteten Menschen wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt und Opfer der menschenverachtenden Willkür der SS. Sie wurden grundlos erschossen oder starben durch medizinische Versuche, Krankheit und Unterernährung.
Unter dem Lagerkommandanten des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, mussten die Häftlinge beispielsweise bei unter minus 20 Grad für 48 Stunden auf dem Appellplatz stehen und wurden darüber hinaus mit Wasser überschüttet.
An den "Selektionen" war auch der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele beteiligt. Er führte an den Häftlingen grausame Menschenversuche durch, die meist tödlich für die Opfer waren. Zu den ...
... Brutalsten in Auschwitz zählte auch SS-Oberscharführer Wilhelm Boger. Er entwickelte die sogenannte "Boger-Schaukel" für Verhörzwecke. KZ-Häftlinge wurden kopfüber darin aufgehängt, ausgefragt und zum Teil zu Tode gepeitscht.
Angesichts der vorrückenden russischen Truppen machten sich die Nazis ab Oktober 1944 daran, die Spuren ihres Massenmords zu verwischen. Auf Befehl Heinrich Himmlers wurden die Krematorien und Gaskammern im Lager Auschwitz II zerstört.
Am 17. Januar 1945 kamen die letzten neuen Häftlinge in Auschwitz an, einen Tag darauf wurde das Lager evakuiert. 58.000 Gefangene wurden in so genannten "Todesmärschen" von der SS nach Westen getrieben, die meisten Menschen überlebten die Tortur nicht.
In der Nacht zum 27. Januar 1945 wurde das letzte Großkrematorium in Auschwitz-Birkenau von den SS-Truppen gesprengt. An diesem Tag wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee ...
... befreit. Die Soldaten fanden in dem weitgehend geräumten Lager 7.600 Überlebende vor. Viele der Lagerinsassen waren zu dem Zeitpunkt bereits zu krank und geschwächt und starben in den nächsten Tagen.
Außerdem bot sich den Soldaten der Anblick von 44.000 Paar Schuhen, über einer Million Kleider und sieben Tonnen Menschenhaaren. Auschwitz wurde ...
... zum Symbol für den systematischen Mord an Millionen von Menschen, für Greueltaten im Namen der Medizin, unsagbare Misshandlungen und ...
... eine bis ins Detail durchdachte Vernichtungsmaschinerie, getrieben duch den Rassenwahn des Nazi-Regimes.
Nach Kriegsende versuchte Rudolf Höß als "Franz Lang" unterzutauchen. 1946 wurde er verhaftet und an Polen ausgeliefert, ein Jahr darauf zum Tode verurteilt. Er wurde in Auschwitz erhängt.
In dem größten Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte, dem ersten Auschwitz-Prozess 1963-1965, wurden von 22 Angeklagten sechs zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt, darunter auch Wilhem Boger.
1947 ließ das polnische Parlament das "Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau" auf dem Gelände der ...
... zum Teil erhaltenen Anlage der Konzentrationslager Auschwitz I und Auschwitz II - Birkenau errichten. Das Museum befindet sich in Originalbauten.
Des Weiteren können Orte des Gedenkens aufgesucht werden, Auschwitz I, Auschwitz II und die Bahn-Nebenrampe zwischen den beiden Lagern, welche 1942-1944 die sogenannte "Entladestation" war.
International besteht großes Interesse an der Gedenkstätte, seit den neunziger Jahren kamen jedes Jahr eine halbe Millionen Menschen, um den einstigen Ort des Schreckens zu besichtigen. (Im Bild Horst Köhler 2005)
Das KZ Auschwitz gehört seit 1979 zur "UNESCO-Liste des Welterbes". 2007 wurde die Bezeichnung des Lagers in "Auschwitz-Birkenau - deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940-1945)" umbenannt, um ...
... eine Identifikation des Lagers mit dessen Lage in Polen zu verhindern. Seit 1996 gibt es in Deutschland den offiziellen "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus". Auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wird er am ...
... Jahrestag der Befreiung von Auschwitz begangen, um Wachsamkeit zu mahnen. In anderen Ländern wie Israel gibt es schon vor 1996 einen Gedenktag. Seit 2005 ist der 27. Januar offiziell "internationaler Holocaustgedenktag". (Im Bild: Gedenkfeier Israel)
Ein Vorfall im Landtag von Sachsen, der 2005 für Aufruhr sorgte, ruft die Notwendigkeit von Institutionen des Erinnerns ins Bewusstsein. Während einer Schweigeminute für die Opfer des Holocaust verließen die Abgeordneten der rechtsextremen NPD den Saal.
Nachdem der Schriftzug des KZ "Arbeit macht frei" im Dezember 2009 gestohlen wurde, ist dieser im Januar 2010 wieder an die Gedenkstätte Auschwitz übergeben worden. Anlässlich ...
... des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz wird der Präsident Israels, Shimon Peres, im Bundestag als Hauptredner sprechen. Zahlreiche Veranstaltungen erinnern daneben ...
... regelmäßig an die Opfer des Holocaust. So auch der "Marsch der Lebenden", der vom KZ Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau von Holocaust-Überlebenden angeführt wird. Von 2007-2009 gab der ...
... "Zug der Erinnerung" Gelegenheit, der Deportation von hunderttausenden Kindern aus Deutschland und Europa mit der damaligen Reichsbahn zu gedenken.

Die Bußpredigt beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg hat einen Eklat nach sich gezogen. Der Zentralrat der Juden, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) protestierten gegen die satirische Rede des Schauspielers Michael Lerchenberg. Knobloch bezeichnete einen KZ-Vergleich Lerchenbergs als "nicht hinnehmbar" und "Schande". Herrmann ist über die scharfe Kritik Lerchenbergs an der Polizei verärgert und forderte eine Entschuldigung bei den Beamten. Der bayerische DPolG-Vorsitzende Hermann Benker nannte es "erschreckend", wie Lerchenberg die Polizei als "lahme, schießwütige und prügelnde Truppe" hinstelle.

Lerchenberg in der Rolle des Bruder Barnabas hatte mit dem KZ-Vergleich FDP-Chef Guido Westerwelle verhöhnt: "Alle Hartz-IV-Empfänger versammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Zaun." Über dem Eingangstor werde "in großen eisernen Lettern" stehen: "Leistung muss sich wieder lohnen."

Anspielung auf "Arbeit macht frei"

Über diese offensichtliche Anspielung auf die Parole "Arbeit macht frei" über dem Haupttor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz beschwerte sich Knobloch: "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung." Einen derartigen Ausrutscher unter der Gürtellinie habe sie "bislang noch nicht erlebt".

Außerdem hatte Lerchenberg auch die bayerische Polizei verspottet und ihr einerseits eine zu langsame Reaktion auf den Amoklauf in Ansbach und andererseits Schieß- und Prügelfreude vorgeworfen. "Das ist grobes, dummes Zeug", sagte der bayerische Innenminister Herrmann dazu. Die Beamten seien gerade in Ansbach sehr schnell vor Ort gewesen und hätten den Amokläufer gestellt, bevor dieser Schlimmeres anrichten konnte. "Ich erwarte, dass er sich bei den Polizisten in Ansbach entschuldigt."

Lerchenberg: "Keine Lachparade"

Die tödlichen Polizeischüsse auf den Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg setzte Lerchenberg mit dem Erschießen des Wilderers Jennerwein aus dem Hinterhalt im 19. Jahrhundert gleich. Die Polizeigewerkschaft bezeichnete diese Äußerung als "ungeheuerlich". Angesichts dieser Entgleisungen dränge sich die Frage auf, "ob Lerchenberg künftig überhaupt noch als Fastenprediger tragbar ist".

Der Schauspieler verteidigte sich: "Eine Fastenpredigt ist keine Lachparade", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Ihm sei klar gewesen, dass "ein paar Sachen, die der Bruder Barnabas in seiner Predigt sagt, heute Anlass zur Diskussion geben werden. Aber die Themen erfinde ich doch nicht, die liegen auf der Straße".

(dpa, N24)

04.03.2010 16:52 Uhr

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