"Das weiße Band", "Ein russischer Sommer", "Inglourious Basterds": Deutschland kann sich auf eine erfolgreiche Nacht freuen. Mit 13 Nominierungen ist Deutschland im Rennen um die begehrte Trophäe.
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Für Christoph Waltz ist der Countdown zur Oscar-Gala eine "schöne Anstrengung". Pausenlos Interviews und Partybesuche, die Dankesrede muss vorbereitet werden. "Wenn einen möglicherweise eine Milliarde Menschen sehen und sie als Nominierter rechnerisch eine 20-prozentige Chance haben, fänden Sie es angebracht, sich nicht Gedanken zu machen? Also ich nicht, ehrlich gesagt".
So sinnierte der Oscar-Anwärter bei der Pre-Oscar-Feier der deutschen Filmbranche in Hollywoods Nobel-Lounge Ivan Kane's Café, nur einen Katzensprung vom Kodak Theater entfernt, wo in der Nacht zum Montag das Trophäen-Spektakel über die Bühne geht.
"Inglourious Basterds"-Regisseur Quentin Tarantino, selbst als bester Regisseur nominiert, gesellte sich - mit lässiger Schirmmütze - zu dem Österreicher, der in Hollywood als sicherer Gewinner in der Sparte "bester Nebendarsteller" gehandelt wird.
Gleich aus 13-fachem Grund feierten die Veranstalter in Ivan Kane's Café, darunter Studio Babelsberg, mit den Stars und Machern von "Inglourious Basterds", "Das weiße Band", "Ein russischer Sommer" und dem israelischen Film "Ajami". Es sind alles deutsche Produktionen oder Teilproduktionen, die zusammen dreizehn Oscar-Chancen haben. Offiziell ist Deutschland mit zwei Nominierungen für Michael Hanekes "Das weiße Band" im Rennen, als bester nicht- englischsprachiger Film und für Christian Bergers Kameraführung.
Situation "im Griff"
Haneke und sein Team testeten vorab den Roten Teppich. Mit den Filmemachern aus Peru, Argentinien, Frankreich und Israel, die mit Deutschland um den Auslands-Oscar konkurrieren, stellten sie sich am Freitag dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Nervös sei er noch nicht, versicherte der 67 Jahre alte Regisseur. "Die Spannung wird steigen, wenn man drinnen sitzt und es los geht." Noch habe er die Situation "ganz gut im Griff". Nur eins bedauert Haneke: "Ich hätte gerne alle Schauspieler mit reingenommen, auch die Kinder, aber die Sitzzahl ist begrenzt." Mit zur Oscar-Gala dürfen nun seine Frau, sein Übersetzer, sowie die drei Darsteller Susanne Lothar, Christian Friedel und Burghart Klaussner.
Die 18 Jahre alte Schauspielerin Leonie Benesch, die in "Das weiße Band" ein junges Kindermädchen spielt, wird die Gala mit dem restlichen Team in Hollywood auf einer Viewing-Party miterleben. "Bis dahin ist der Terminkalender total voll, das ist wie ein Abenteuerurlaub, ich mache alles mit und lass mich überraschen", strahlte der Nachwuchsstar am Rande des Roten Teppichs.
Susanne Lothar war erst am Donnerstag direkt von Dreharbeiten in Deutschland nach Hollywood gejettet. Der weltweite Siegeszug des düsteren Schwarz-Weiß-Dramas, in dem ein Dorfschullehrer rückblickend von scheußlichen Ereignissen in einem norddeutschen Dorf vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs erzählt, hat die Schauspielerin überrascht. "Das freut mich wahnsinnig, dass die Wahrheit, die in dem Film steckt, anscheinend universell ist. Das bezieht sich nicht nur auf den Faschismus und auch nicht nur auf damals, sondern diese Machtstrukturen zwischen Erwachsenen und Kindern und Männern und Frauen gibt es heute immer noch."
Vom Tiefgang zum Trivialen
"Ich habe ein tolles Kleid und alles ist so weit vorbereitet, dass ich die Show richtig genießen kann", erzählt die gebürtige Hamburgerin Lothar. Auch Christoph Waltz packt bereitwillig aus: "Ich gehe zum Schrank und hole meinen Smoking raus. Mein Hemd bügle ich selber, keiner bügelt so gut Hemden wie ich!", trumpft der Oscar-Anwärter auf. Doch an anderer Stelle räumt er Defizite ein. Mit den Oscar-Shows der vergangenen Jahren kenne er sich nicht so gut aus, gesteht Waltz. Die habe er sich "eher selten" im Fernsehen angesehen.
Dafür steht er auf längst verstorbene Vorgänger. "Ich schaue gerne Clark Gable an, wie er in seinem Frack da steht und seinen Oscar für 'Gone with the Wind' entgegen nimmt. Und ich sehe auch gerne Billy Wilder in seinem Smoking zu, wie er einen so schönen Knick in der Hüfte macht, um sich zu bedanken."