A400M-Debakel

Bittere Lehren für Berlin und "Major Tom"

Im Ringen um die Aufteilung der Mehrkosten für den Militärtransporter A400M gibt es zwar eine grundsätzliche Einigung. Aber der monatelange Streit hinterlässt deutliche Spuren.

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Jahrelange Verzögerung: A400M.
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Video: A400M auf dem Prüfstand - EADS hat Controlling verpennt
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Der neue Supervorgel der Militärs wird also doch noch gebaut. Die A400M-Einigung ist aber kein Grund zum Jubeln. Monatelang lieferten sich Politik und EADS eine Schlammschlacht, wer an der Kostenexplosion Schuld ist. Am Ende muss wieder einmal der Steuerzahler draufzahlen.

Wie tief die Gräben zwischen der Bundesregierung und dem EADS-Management sind, zeigte die erste öffentliche Bewertung durch den wichtigsten A400M-Kunden. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sprach auch nach dem Durchbruch von Erpressung, harschem Tonfall und zähen Verhandlungen.

Vor allem einer darf sich angesprochen fühlen: Airbus-Chef Thomas Enders. Der als "Major Tom" bekannte Deutsche drohte immer wieder mit dem Stopp des europäischen Prestige-Projektes, falls die sieben Käuferstaaten nicht mehr Geld lockermachen. Auch schimpfte er über immer neue Sonderwünsche seiner Kunden, die den A400M-Ingenieuren das Leben schwer gemacht hätten.

Das kam bei der Bundesregierung nicht gut an. Nicht zufällig wurde auf dem Höhepunkt der Feilscherei ein Gutachten lanciert, in dem Wirtschaftsprüfer vernichtende Kritik am Airbus-Management übten. Mehr Demut hätte dem Airbus-Frontmann gut getan, hieß es nun in Berliner Verhandlungskreisen.

Umgekehrt musste Enders versuchen, möglichst viel für die EADS-Aktionäre herauszuholen. Am Verhandlungstisch war er den Käuferländern letztlich unterlegen. Alle Drohungen, dass kostspielige Sorgenkind einfach zu "killen", fruchteten nicht. Die Anteilseigner werden sich über rote Zahlen im Geschäftsjahr 2009 ärgern. EADS-Großaktionär Daimler hat bereits eine Belastung des eigenen Ergebnisses im ersten Quartal angekündigt.

Deutschland muss blechen

Die Bundesregierung will als Lehre aus dem A400M-Desaster neue Konzepte bei großen Rüstungsprojekten prüfen. Dem Bund sei schmerzhaft vor Augen geführt worden, dass eine Festpreis-Vereinbarung im Grunde nichts wert sei, hieß es in Regierungskreisen.

Deutschland muss von den 3,5 Milliarden Euro Zusatzkosten weit über 1 Milliarde Euro stemmen. Um eine direkte Belastung für den Haushalt zu vermeiden, könnte es sein, dass die Deutschen am Ende weniger als die vereinbarten 60 Flugzeuge abnehmen, um so einen Teil ihrer Sonderkosten zu verrechnen.

Auch bei EADS wird das Projekt als bittere Lehrstunde in die Geschichte eingehen. Zum ersten Mal hatte der Konzern einen so großen Rüstungsvertrag genauso wie einen Zivilauftrag zum Festpreis geschlossen. Und ließ sich dann noch von Kundenländern vorschreiben, was wo zu bauen ist. Berlin wollte unbedingt MTU Aero Engines mit im Boot haben, Paris die französische Rüstungsschmiede Safran.

"Die Auswahl war eine politische Entscheidung. Wir bedauern das", schimpfte Enders. Das europäische Konsortium war mit der Neuentwicklung der superstarken Turboprop-Triebwerk überfordert. Deutschland kann nun erst 2014 den ersten A400M einsetzen. Die Verzögerungen sind für die beteiligten NATO-Partner mehr als nur ärgerlich. Gerade für Einsätze wie in Afghanistan wird der nun etwas abgespeckte Alleskönner A400M dringend gebraucht. Die aktuellen Flugzeuge vom Typ Transall C-160 oder Hercules C-130 sind teilweise Jahrzehnte alt.

Ruhe wird in den europäischen Airbus-Ländern und bei EADS auch nach der zähen A400M-Einigung nicht einkehren. Im Sommer läuft ein Vorkaufsrecht der Bundesregierung für ein EADS-Aktienpaket aus. Schon bald werden Berlin und Paris wieder einmal um die Machtfrage beim Luftfahrt-Giganten und Boeing-Widersacher ringen.

(dpa, N24)

06.03.2010 16:31 Uhr

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