Anzeige gegen Amerell

Schlammschlacht, nächster Akt

Die DFB-Schiri-Affäre dreht immer wildere Pirouetten. Dem im Zentrum des Skandals stehenden Manfred Amerell droht eine Anzeige. Die Polizei beschäftigt derweil ein Einbruch bei Amerells Anwalt.

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"Das ist ein Müllberg": Mandred Amerell (Archivfoto vom 4.3.2010)
Video: Das komplette Interview - Manfred Amerell bei Kerner (SAT.1)
Video: "Sexuelle Belästigung" - Manfred Amerell will weiter klagen

Der Schiedsrichter-Skandal beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) um vermeintlichen Amtsmissbrauch und sexuelle Belästigungen wird zur strafrechtlichen Auseinandersetzung und zum Kriminalstück. Nach dem früheren Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell kündigte auch mindestens ein Referee Strafanzeige für die nächsten Tage an. Während der kaltgestellte Unparteiische Michael Kempter laut Weltverband FIFA bis auf Weiteres auch kein Länderspiel leiten wird, gerät DFB-Präsident Theo Zwanziger immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Amerell erhöhte den Druck und kündigte über seinen Anwalt Jürgen Langer noch für diese Woche strafrechtliche Schritte gegen Kempter und die drei weiteren, bislang anonymen, Schiedsrichter an, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen. Demnach will Amerell nicht nur Kempter wegen angeblicher Verleumdung und Rufschädigung zivilrechtlich auf Schadenersatz in unbestimmter Höhe verklagen, sondern auch Strafanzeige gegen alle vier Personen stellen. "Vor uns liegt kein Scherbenhaufen, das ist ein Müllberg", sagte Amerell der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf den juristischen Streit.

"Das Spiel ist noch nicht abgepfiffen"

Im Gegenzug wird mindestens ein bislang anonymer Schiedsrichter Anzeige gegen Amerell wegen sexueller Belästigung und Nötigung stellen. "Bislang steht es gefühlt 3:1 für Amerell. Aber das Spiel ist ja noch lange nicht abgepfiffen", wird ein Insider in der Zeitung "Die Welt" zitiert.

Kempter wird unterdessen in näherer Zukunft keine Länderspiele leiten. Das sagte ein Sprecher des Weltverbandes FIFA. Amerell hatte zuletzt bereits gespottet: "Kempter wird sich das FIFA-Abzeichen nur auf den Schlafanzug nähen können."

Laut FIFA liegt die "Verantwortung bei der Aufarbeitung" des Falls weiter beim DFB. Die Frage nach einer Ansetzung von Kempter bei Länderspielen stelle sich zurzeit aus FIFA-Sicht nicht. Bis zur WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) gebe es Testspiele, bei denen die Ansetzung der Schiedsrichter von den jeweiligen nationalen Verbänden vorgenommen werde. Für die WM ist Kempter ohnehin nicht vorgesehen.

Zwanziger weiter unter Druck

Ob Kempter, mit 27 Jahren jüngster deutscher FIFA-Referee, seine Karriere überhaupt fortsetzen darf, ist äußerst fraglich. Amerell hatte in der vergangenen Woche eine angebliche Mail von Kempter vor dem 0:2 von Bayern München in der Champions League am 11. April 2007 gegen den AC Mailand veröffentlicht, in der Kempter seine Hoffung auf ein Ausscheiden des FC Bayern zum Ausdruck gebracht haben soll. Zudem hatte Amerell die Glaubwürdigkeit von Kempter in Bezug auf die Belästigungsvorwürfe extrem erschüttert.

DFB-Boss Zwanziger gerät in den Medien wegen der Aufarbeitung vor der Präsidiumssitzung am Freitag immer mehr unter Beschuss. "Der vollmundig propagierte Vorrang des Persönlichkeitsschutzes ist geopfert worden, damit der Präsident und sein Verband ihr Gesicht wahren können", schrieb die "Süddeutsche Zeitung", nachdem der DFB Amerell Einblick in die Eidesstattlichen Versicherungen der Referees, die eigentlich anonym bleiben wollen, gewährt hatte.

Einbruchsspuren gesichert

Zudem wird der Schiedsrichter-Skandal auch zum Kriminalstück. Nach dem Einbruchversuch in der Nacht zu Freitag in die Kanzlei Paproth, Metzler und Partner, für die Amerells Anwalt Langer arbeitet, hat die Münchner Kriminalpolizei die Spuren gesichert. "Es gibt hier zwei Türen. Die erste wurde geknackt, die zweite schafften die Täter nicht", hatte Lutz Paproth erklärt.

Unterdessen durchleuchtet der Süddeutsche Fußballverband (SFV) die früheren Tätigkeiten von Amerell, der im SFV jahrelang Chef des Schiedsrichter-Ausschusses war. Es gehe unter anderem darum, wie der Auf- und Abstieg bei den Schiedsrichtern geregelt worden sei, sagte der SFV-Vorsitzende Rolf Hocke dem Fachmagazin "kicker". Für die Ermittlungen hat Hocke eine Kommission aus fünf Juristen zusammengestellt. Den Vorsitz der Kommission soll Wolfgang Ziehr, Oberstaatsanwalt in Trier, übernehmen.

(SID, N24)

08.03.2010 15:49 Uhr

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