Drama auf US-Highway
Polizei muss defekten Toyota bremsen
Nachschub für die Toyota-Pannenstatistik: In den USA musste die Fahrt eines Toyota-Besitzers durch die Polizei gestoppt werden. Die Bremsen seines Wagens reagierten nicht.
Ein neuer Zwischenfall mit einem außer Kontrolle geratenen Toyota auf einer US-Autobahn hat den japanischen Autobauer in Erklärungsnot gebracht. Nur mithilfe einer Polizeistreife konnte ein 61-jähriger Fahrer am Montag nahe San Diego in Kalifornien seinen Wagen zum Stillstand bringen, nachdem dieser zuvor auf mehr als 145 Stundenkilometer beschleunigt hatte. Der Toyota-Fahrer James Sikes berichtete nach der Rettung durch die Polizei von dramatischen Minuten auf dem viel befahreren Highway 8. "Ich habe mich mit ganzer Wucht auf die Bremse gestellt, der Wagen bremste aber nicht, er reagierte nicht", sagte er dem Sender NBC. Er habe die Polizei informiert, die sofort eine Streife schickte.
Die Polizisten holten den Toyota ein und wiesen den Fahrer per Lautsprecher an, durch wiederholte Betätigung der Handbremse und dann Abschalten des Motors abzubremsen. Als der Toyota langsamer wurde, setzte sich der Polizeiwagen vor ihn und brachte das Auto mit der hinteren Stoßstange endgültig zum Stehen. Sikes sagte in Fernsehinterviews, er habe seinen Wagen zum Nachrüsten in eine Toyota-Werkstatt gebracht. Dort sei ihm aber gesagt worden, sein Prius sei sicher, eine Reparatur sei nicht nötig. Toyota hatte für den Zwischenfall zunächst keine Erklärung. Der Konzern kündigte an, ein Ermittlungsteam nach San Diego zu schicken.
Beschwerden trotz Reparatur
Der neue Vorfall dürfte die Zweifel verstärken, ob die technischen Probleme von Toyota-Fahrzeugen wirklich durch die mechanische Nachrüstung des Bremspedals gelöst werden können. Kritiker argumentieren, das Problem der ungewollten Beschleunigung könne durch einen Fehler in der Fahrzeugelektronik verursacht werden, dessen Behebung viel aufwändiger wäre. Wenige Stunden vor dem neuen Vorfall hatte Konzernsprecher Mike Michaels diese Vorwürfe zurückgewiesen: "Wir gehen weiter davon aus, dass die Nachrüstung, wenn sie ordnungsgemäß ausgeführt wird, die gewünschte Wirkung erzielt." Die US-Behörde für Verkehrssicherheit hatte indes in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass bei ihr mehr als 60 Beschwerden über ungewollte Beschleunigungen von bereits nachgerüsteten Toyotas eingegangen seien.
Kunden fordern Entschädigung für Wertverlust
Auf Toyota kommen in den USA neue Forderungen zu, die den Konzern 3 Milliarden Dollar oder mehr kosten können. In verschiedenen Städten wurden inzwischen 89 Sammelklagen von enttäuschten Toyota-Besitzern gegen den Hersteller eingereicht. Die Fahrer fordern den Ersatz des Wertverlustes, den gebrauchte Toyota-Modelle seit Beginn der Pannenwelle erlitten haben. Bei rund 6 Millionen betroffenen Autos und einem Wertverlust von 500 Dollar pro Fahrzeug könnten Kosten von 3 Milliarden Euro für Toyota entstehen. Nach einer Preisliste für Gebrauchtwagen sind die Preise für zurückgerufene Toyotas um 350 bis 750 Dollar gefallen. Bisher wurden in den USA 5,4 Millionen Stück zurückgerufen, weltweit mehr als 8 Millionen Stück.
In der Milliardensumme noch nicht enthalten sind Entschädigungen für Toyota-Fahrer nach Unfällen wegen der fehlerhaften Bremsen am Modell Prius oder wegen der klemmenden Gaspedale vieler anderer Modell. Bisher wurden der US-Straßenverkehrssicherheitsbehörde 52 Todesopfer nach Gaspedal-Unfällen gemeldet. Der erste Prozess wegen der Wertverluste soll am 25. März vor einem Bundesgericht in San Diego stattfinden. Die Richter wollen auch darüber beraten, ob alle Sammelklagen zu einem Prozess zusammengefasst werden. Im Jahr 2008 hatte Toyota-Konkurrent Ford an 800.000 Besitzer von Explorer-Geländewagen Gutscheine über je 300 bis 500 Dollar verteilt. Der Restwert von gebrauchten Explorern war nach einer Unfallserie eingebrochen.
(AFP, APN, N24)
09.03.2010 15:52 Uhr





