"Alles erreicht"

Kati Wilhelm beendet Biathlon-Karriere

Drei Mal olympisches Gold, Sportlerin des Jahres 2006, zuletzt Staffel-Bronze in Vancouver: Nach einer erfolgreichen und bewegten Biathlon-Karriere hängt Kati Wilhelm die Flinte an den Nagel.

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Kati Wilhelms Markenzeichen war stets die rote Haarpracht. Aber auch abseits von modischen Fragen machte die Ex-Langläuferin von sich reden.
Faszination Biathlon: Die Sportart ist ein Phänomen.
Während anderen Wintersportarten die Sponsoren wegbrechen und die Zuschauer ausbleiben, sind die Biathlon-Rennen im Fernsehen ein Zuschauermagnet. Die Arenen - wie AufSchalke - prall gefüllt.
Der Sport fasziniert durch das Zusammenspiel von Natur und ...
... Sport oder anders ausgedrückt: ...
... dem Kampf Mann gegen Mann beziehungsweise Frau gegen Frau. Und das nicht nur ...
... mit Skiern auf der Strecke, sondern ...
... auch mit dem Gewehr am Schießstand.
Der Zuschauer ist hautnah dabei.
Ein weiterer Pluspunkt der Sportart: Die Stars der Szene kommen aus Deutschland und sind "zum Anfassen". Ein Autogramm der mehrfachen Weltmeisterin Martina Beck, ehemals Glagow, ist ...
... bei den Schlachtenbummlern ...
... genauso beliebt ...
... wie die bekannten Pins, die es an jedem Weltcup-Ort gibt.
Zur deutschen Dominanz in den vergangenen Jahren trugen etwa Stars wie Uschi Disl, ...
... Ricco Groß, ...
... Sven Fischer oder ...
... Superschütze Frank Luck ...
...ihr Scherflein bei. Zudem konnten sie in der Regel nach ihrem Karriereende adäquat ersetzt werden. Vor allem bei den Frauen stehen oft Deutsche auf dem Siegertreppchen - und da meist auf der obersten Stufe.
Neben den Thüringerinnen Kati Wilhelm (3x Olympiagold, 3x Weltmeistein), ...
... und Andrea Henkel (2x Olympiasiegerin, 6-fache Weltmeisterin) zählen vor allem ...
... Martina Beck (geb. Glagow; 3-fache Weltmeisterin) aus Garmisch-Partenkirchen und ...
... Magdalena Neuner aus Wallgau zu den absoluten Top-Stars.
Vor allem Magdalena Neuner (Spitzname "Gold-Lena") brachte dem Biathlon-Sport in Deutschland einen neuen Schub. In ihrer Debüt-Saison 2007/2008 wurde sie sowohl Doppel-Weltmeisterin bei den Juniorinnen, als auch Dreifach-Weltmeisterin bei den Frauen.
Neuner räumte in ihrer Debüt-Saison auch den Gesamt-Weltcup bei den Frauen ab. Und das trotz mäßiger Schießleistungen.
An Erholung war danach nur selten zu denken:
Neuner wurde zum "Juniorsportler des Jahres 2007" gewählt. Und auch ...
... die Auszeichnung zum "Sportler des Jahres 2007" erhielt die im Februar 1987 Geborene. Bei den Männern gewann Turner Fabian Hambüchen.
Auftritte in großen Fernseh-Shows waren die Folge.
Mit ihren Teamkolleginnen Andrea Henkel (M) und Kati Wilhelm (r.) ...
... war Neuner unter anderem 2008 bei "Wetten, dass ...?" in Erfurt.
Auf der Gästecouch saß damals auch Paris Hilton (l.).
Bei den Männern gewann mit Michael Greis 2006/2007 zuletzt ein Deutscher den Gesamt-Weltcup.
Der gebürtige Füssener wohnt seit Jahren in Nesselwang. Greis ist dreifacher Olympiasieger und Weltmeister.
Die Hauptkonkurrenten von Greis um die Weltcup-Einzel-, und um den Gesamtsieg kommen aus Russland und Norwegen. Stärkster Widersacher war in den vergangenen Jahren Ole Einar Björndalen.
Der Norweger gilt als der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Er gewann beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City alle vier ausgetragenen Biathlon-Wettbewerbe.
Mit Emil Hegle Svendsen erwächst Björndalen aber im eigenen Team bereits starke Konkurrenz.
Die deutschen Hoffnungen ruhen unter anderem auf Alexander Wolf (Oberhof), ...
... Michael Rösch (Zinnwald), ...
... Andreas Birnbacher, der für den SC Schleching startet, und ...
... dem Gräfenrodaer Daniel Graf.
Der Biathlon-Gesamtweltcup umfasst zehn Weltcup-Stationen und die WM, die in dieser Saison im südkoreanischen Pjöngjang stattfindet. Die Saisonhighlights sind dabei die Weltcup-Rennen in der Rennsteig-Arena in Oberhof (im Bild), ...
... in der Chiemgau-Arena in ...
... Ruhpolding und ...
... in Antholz (Italien).
Weltcup-Disziplinen sind dabei der Sprint, bei dem jeweils zwei Mal geschossen wird (je ein Mal liegend und stehend) und der bei den Frauen 7,5 Kilometer und bei den Männern 10 Kilometer lang ist. Gelaufen werden drei Runden - im sogenannten Skating-Stil.
Im Einzel geht es über 15 Kilometer bei den Frauen und 20 Kilometer bei den Männern. Es wird insgesamt vier Mal geschossen, jeweils zwei Mal liegend und stehend. Der Unterschied zum Sprint besteht darin, ...
... dass Fehlschüsse nicht mit Strafrunden sondern mit Strafminuten ausgeglichen werden. Im Einzel sind daher eher sichere Schützen bevorteilt, beim Sprint schnellere Läufer.
Eine weitere Weltcup-Disziplin ist die Verfolgrung. Dabei wird nach dem Einlauf und den Zeitabständen im Sprint gestartet: Der Sprint- oder Einzelsieger läuft als Erster los. Der Rest der Starter folgt in den jeweiligen Zeitabständen.
Bei der Verfolgung werden insgesamt fünf Runden gelaufen, es wird vier Mal geschossen - wieder jeweils zwei Mal liegend und stehend. Dasselbe Szenario gilt beim Massenstart-Wettbewerb. Allerdings starten hier die 30 Weltcupbesten gleichzeitig.
Königsdisziplin ist der Staffel-Wettbewerb. Jedes Land wird durch vier Athleten vertreten, die nacheinander ins Rennen gehen. Gelaufen werden jeweils drei Runden. Es wird ein Mal liegend und ein Mal stehend geschossen.
Bei Fehlschüssen darf insgesamt drei Mal nachgeladen werden. Sollte dann immer noch eine Scheibe nicht gefallen sein, muss eine Strafrunde pro Fehler gelaufen werden.
Der Staffel-Wettbewerb ist in etwa mit dem DFB-Pokal vergleichbar: Er hat seine eigenen Gesetze. Die Spannung bleibt meist bis zum letzten Läufer erhalten, da ein Patzer eines Starters durch die anderen aufgefangen werden kann.
Biathlon ist mehr als nur ein simpler Wintersport, Biathlon ist eine Frage der Konzentration und Nerven: Hat man sie im Griff, ...
... kann man den Sieg genießen!

Kati Wilhelm sagt der Loipe Servus und stellt das Gewehr in die Ecke. Die dreimalige Biathlon-Olympiasiegerin beendet nach der Saison ihre Erfolgs-Karriere, um künftig ihre berufliche Laufbahn anzukurbeln. "Ich habe alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Die Olympischen Winterspiele waren noch einmal ein Höhepunkt, aber nun ist es Zeit, die Biathlonstrecke jüngeren Leuten zu überlassen", verkündete die fünffache Weltmeisterin. "Für mich kommt das etwas überraschend, weil ich davon ausgegangen bin, dass sie noch die WM 2012 in Ruhpolding bestreiten will. Aber Kati wird ihre Gründe haben, zumal sie keine Freundin von spontanen Entschlüssen ist", sagte Damen-Bundestrainer Uwe Müssiggang. Mit Wilhelm verlieren die deutschen Biathletinnen eine langjährige Leistungsträgerin. "In all den Jahren war sie vorbildlich und professionell. Als Leitwolf im Team hat sie den anderen durch ihre Geradlinigkeit viel vermittelt", lobte Müssiggang.

Wilhelm hatte bei den Winterspielen in Whistler Bronze mit der Staffel gewonnen und bei der anschließenden Siegerehrung Tränen der Freude vergossen. Ihren Abschied vom Leistungssport wird die Thüringerin beim Weltcup vom 23. bis 28. März im russischen Khanty-Mansiysk feiern. Dort steht auch die WM-Entscheidung in der Mixed-Staffel auf dem Programm. "Wenn die Leistung stimmt, ist ein WM-Einsatz denkbar", erklärte Müssiggang. Die wegen ihrer auffällig gefärbten Haare "Rotkäppchen" genannte Wilhelm geht ihre letzten Starts in Finnland, Norwegen und Russland entspannt an. "Ich will die Wettkämpfe noch einmal richtig genießen. Sollte ein Platz auf dem Treppchen dabei herauskommen, wäre das natürlich toll", sagte sie. Danach sollen andere Dinge im Vordergrund stehen. "Ich möchte mein Studium beenden und mich zukünftig so orientieren, dass ich im Beruf ebenso viel Spaß habe wie bei der Medaillenjagd", erklärte die 33-Jährige.

Karriere als Trainerin?

In ihrer elfjährigen Biathlon-Karriere gewann sie alles, was es zu gewinnen gab. 2002 holte sie in Salt Lake City Olympia-Gold im Sprint und mit der Staffel, vier Jahre später in Turin stand sie in der Verfolgung ganz oben auf dem Podest. Drei Silbermedaillen und in Whistler noch einmal Bronze runden ihre herausragende olympische Bilanz ab. Bei Weltmeisterschaften wurde sie seit 2001 gleich 13 Mal mit Edelmetall, darunter fünf Goldplaketten, dekoriert. 17 Weltcupsiege und der Gesamterfolg in der Saison 2005/06 vervollständigen die beeindruckende Bilanz.

"Es geht eine große Karriere nicht nur des Biathlons, sondern des gesamten Wintersports zu Ende. Kati war ein prägendes Gesicht des gesamten Wintersports. Sie war nicht nur eine fantastische Sportlerin, sondern immer auch ein wertvolles Teammitglied. Allein die Tatsache, dass sie bei Olympia 2006 deutsche Fahnenträgerin war, symbolisiert ihre Akzeptanz auf allen Gebieten. Kati hinterlässt eine Lücke im deutschen Biathlon", würdigte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes. "Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Menschen bedanken, die es mir ermöglicht haben, meinen Sport so auszuüben, wie ich es in den vergangenen Jahren getan habe", sagte Wilhelm. Eine berufliche Zukunft als Trainerin schließt sie nicht aus. "Wenn ein Athlet Interesse hat, bei uns hauptamtlich oder ehrenamtlich zu arbeiten, dann werden wir einen Platz haben oder ihn finden", erklärte Hörmann.

(dpa, N24)

09.03.2010 17:17 Uhr

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