Israel, Syrien, Ägypten

Naher Osten erlebt Atomkraft-Boom

Zur Sicherung seines Energiebedarfs setzt der Nahe Osten verstärkt auf Atomstrom. Mehrere Staaten kündigten den Bau von Atomkraftwerken an. Der Iran will noch in diesem Jahr den Schalter umlegen.

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Der Atomreaktor in Buschehr im Iran soll noch in diesem Jahr ans Netz gehen.

Israel, Jordanien, Syrien, Ägypten und der Iran: Im Nahen Osten deutet sich ein Atomkraft-Boom an. Teils sind die Pläne der Staaten bisher nur vage, teils aber auch schon sehr konkret. So will Israel gemeinsam mit arabischen Nachbarn ein Atomkraftwerk bauen. Sein Land habe dafür "die technische Infrastruktur, das Wissen und die Motivation", sagte der israelische Infrastrukturminister Usi Landau bei einer Konferenz zur zivilen Nutzung der Atomenergie in Paris. "Wir hoffen, das in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und den Ingenieuren unserer arabischen Nachbarn zu machen."

Ein Vertreter des israelischen Infrastrukturministeriums hatte am Montag gesagt, Israel wolle das Atomkraftwerk zusammen mit Jordanien und mit französischer Hilfe bauen. Der Nuklearbereich könne "ein Sektor regionaler Kooperation" werden, "mit dem Ziel, den Frieden voranzubringen", sagte der Minister. Er verwies darauf, dass Israel schon seit den 70er Jahren an Atomenergie interessiert sei, um seine Abhängigkeit von anderen Energieträgern zu verringern.

Ägypten legt Zeitplan vor

"Israel ist eine Art Energieinsel, die alle Energieressourcen importieren muss, um seine Bedürfnisse zu decken." Sein Land habe inzwischen bereits einen Standort für den Bau eines Atomkraftwerks ausgewählt. Er liege im Norden der Negev-Wüste im südlichen Teil Israels. Die Wüste grenzt an Jordanien und Ägypten. Israel betreibt bisher zwei Reaktoren. Ein Forschungsreaktor liegt unweit von Tel Aviv in Nahal Sorek. Ein weiterer Reaktor befindet sich bei der Stadt Dimona und dient nach verbreiteter Ansicht der Herstellung von Atomwaffen. Israel hat bisher den Besitz von Atombomben weder bestätigt noch dementiert.

Auch Syrien und Ägypten haben ihr Interesse an Atomkraftwerken bekundet. Der syrische Vize-Außenminister Faisal Mekdad verwies auf der Konferenz in Paris auf den Bevölkerungszuwachs seines Landes und den steigenden Energiebedarf. Syrien hoffe dabei auf eine internationale Zusammenarbeit. Ägypten will bis 2025 insgesamt vier Kraftwerke errichten, das erste soll bereits 2019 ans Netz gehen, sagte Energieminister Hassan Juneswas laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena.

Iran nimmt Reaktor in Betrieb

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte unterdessen, die Fertigstellung des von Russland gebauten iranischen Atomkraftwerks Buschehr verzögere sich weiter, solle aber in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Anlage soll dann ans Netz gehen, die entsprechenden Vorbereitungen seien im Gange, erklärte der Minister laut der Nachrichtenagentur Interfax. Einen genauen Termin wollte er aber nicht nennen. Anfang Februar hatte der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, eine Inbetriebnahme im bevorstehenden Frühjahr in Aussicht gestellt und sich dabei auf eine Vereinbarung mit Moskau berufen.

Der Bau der Atomanlage Buschehr war vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 vom deutschen Siemens-Konzern begonnen worden, im Zuge des irakisch-iranischen Krieges 1980 aber eingestellt worden. 1994 nahmen russische Ingenieure das Projekt wieder auf und wollten es zunächst binnen fünf Jahren fertigstellen. Das für den Betrieb notwendige Brennmaterial wurde bereits geliefert. Die USA und seine westlichen Verbündeten sehen das iranische Atomprogramm mit großer Skepsis und verdächtigen das Land, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Kernkraft Atomwaffen zu entwickeln.

(AFP, dpa, N24)

09.03.2010 22:33 Uhr

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