Umfragetief

Dauerzoff schadet Ansehen der Koalition

Die schwarz-gelbe Regierung kommt nicht zur Ruhe, dauernd zoffen sich die Partner. Folge: Immer mehr Wähler wenden sich ab. In einer aktuellen Umfrage kommt die Koalition nur noch auf 41 Prozent.

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In der Koalition gibt es viel Gesprächsbedarf. Doof nur, dass dieser selten hinter verschlossenen Türen gedeckt wird.
"Wen würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?"
„Sollte dem hoch verschuldeten Griechenland finanziell geholfen werden, um eine Staatspleite Griechenlands zu verhindern?"
„Finden Sie, dass die derzeitigen Regelsätze für Hartz-4-Empfänger zu niedrig sind?“
„Meinen Sie, dass die Hartz-4-Leistungen für Kinder zu niedrig bemessen sind?“
„Sind Sie für Anhebung oder Senkung der Regelsätze der Hartz-4-Leistungen?"
"Denken Sie, das, durch eine Anhebung der Hartz-4-Leistungen, Beschäftigte im Niedriglohnsektor vermehrt aufhören würden zu arbeiten oder das Hartz-4-Empfänger dadurch weniger Anreize hätten, eine Arbeit aufzunehmen?"
"Wen würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?"
"Welche Politiker haben eher gute, beziehungsweise schlechte Arbeit Ihrer Ansicht nach gemacht?“
"Und nun, welche FDP-Bundesminister haben Ihrer Meinung nach eher gute oder schlechte Arbeit geleistet?“
"Wie zufrieden sind Sie mit der neuen Bundesregierung aus CDU /CSU und FDP nach den ersten 100 Tagen?“
"Sollte die Bundesregierung die widerrechtlich zusammengestellte CD mit den Steuersündern kaufen?“
"Was glauben Sie, wie viele Deutsche machen wohl unrichtige Angaben bei ihrer Steuererklärung: Ist das …"
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Am Anfang sieht alles ganz gut aus. Zwar fahren die Unionsparteien CDU/CSU bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 mit einem Wahlergebnis von 33,8 Prozent Verluste ein, …
… die FDP allerdings kommt mit 14,6 Prozent auf das beste Wahlergebnis ihrer Parteigeschichte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle erreichen damit ihr angestrebtes Ziel: Zusammen haben ihre Parteien die nötige Mehrheit, um eine schwarz-gelbe Regierungskoalition zu bilden.
Am 28. Oktober 2009 wird Angela Merkel als Bundeskanzlerin wiedergewählt. Aus den eigenen Reihen fehlen ihr allerdings mindestens neun Stimmen.
Kurz darauf folgt der Antrittsbesuch des neuen Außenministers Guido Westerwelle in Polen (neben dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, r.) - erste Missstimmungen in der Koalition treten zu Tage: Am 31. Oktober spricht sich Westerwelle dagegen aus, ...
… Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) in den Stiftungsrat "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" zu berufen. Seither belastet der Streit um Steinbach die Koalition.
Der nächste Dämpfer: Monatelang wurde verhandelt, Bundeskanzlerin Merkel persönlich hatte sich für einen Verkauf von Opel an Magna stark gemacht. Am 3. November 2009 verkündet der US-Autobauer General Motors dann, dass er Opel doch nicht verkaufen will.
Steuersenkungen waren das große Wahlkampfthema der FDP. Dass das allerdings nicht so einfach ist, wird auf der ersten Kabinettsklausur der neuen Regierung am 17./18. November 2009 deutlich. Die Union und FDP betonen …
… bei den Beratungen um die geplante Steuerreform 2011 zwar ihre Einigkeit, der Streit um die Steuersenkungen eskaliert jedoch mehrfach.
Der Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus im September 2009 wird zur Staatsaffäre. Wegen zurückgehaltener Informationen wird …
… Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn am 26. November 2009 entlassen. Auch ...
... Staatssekretär Peter Wichert muss gehen. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, M.) verabschiedet am 03.12.2009 Schneiderhan (l.) und Wichert in den vorzeitigen Ruhestand. Außerdem tritt zu Guttenbergs Vorgänger, ...
... der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), am 27. November 2009 im Zuge der Kundus-Affäre als Arbeitsminister zurück. Und …
… zu Guttenberg selbst gerät in der Angelegenheit unter Beschuss: Am 3. Dezember 2009 bezeichnet er den Luftangriff bei Kundus als "militärisch nicht angemessen" und …
... revidiert seine Einschätzung dazu. Mit der Affäre befasst sich inzwischen auch ein Untersuchungsausschuss.
Rekord-Neuverschuldung: Am 16. Dezember beschließt das Kabinett den Bundeshaushalt für 2010. Durch geplante Kredite könnte der Schuldenberg auf rund 100 Milliarden Euro wachsen. Die Regierung rechtfertigt das mit den Folgen der Wirtschaftskrise.
Schwarz-Gelb bringt das erste große Gesetz durch: Der Bundesrat stimmt am 18. Dezember nach wochenlangem Widerstand aus einigen CDU-geführten Bundesländern dem so genannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz zu. Damit können …
… sowohl Entlastungen für Familien als auch die heftig kritisierten Steuersenkungen für Hotels in Kraft treten.
Nach wochenlangem Koalitionsstreit bezieht Merkel am 13. Januar 2010 in der Steuerfrage Position: Sie stellt sich hinter die Forderungen der FDP nach Steuersenkungen und einem Einstieg in den Stufentarif. Die Debatte ist damit aber nicht beendet.
Mitte Januar 2010 bringt ein Bericht des "Spiegel" eine Millionenspende eines Unternehmens aus der Hotelbranche an die FDP ans Licht. Wegen der Steuersenkungen für das Gastgewerbe bringt das den Liberalen den Vorwurf der Käuflichkeit ein.
Treffen der Versöhnung? Nach weit verbreiteter Kritik am missglückten Start der Regierung kommen am 17. Januar 2010 Bundeskanzlerin Angela Merkel, ...
… Außenminister Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer zum Koalitionsgipfel zusammen. Vereinbart wird, ...
... an der geplanten Steuerreform festzuhalten, sich weniger öffentlich zu streiten und regelmäßig solche Treffen abzuhalten.
Schlechte Nachrichten für Versicherte: Mehrere gesetzliche Krankenkassen kündigen am 25. Januar 2010 Zusatzbeiträge an. Die folgende Debatte offenbart erneut, wie weit CDU, CSU und FDP in der Gesundheitspolitik auseinander liegen.
Nach wochenlanger Diskussion einigt sich die Regierung am 26. Januar 2010 auf ein Afghanistan-Konzept: Mehr Bundeswehr-Soldaten sollen nach Afghanistan geschickt, die Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften und die Aufbauhilfe forciert werden.
Kurz vor dem 100-tägigen „Jubiläum“ droht neues Ungemach: Am 30. Januar 2010 macht FDP-Vize Andreas Pinkwart den Vorschlag, die umstrittene Mehrwertsteuerreduzierung für Hotelübernachtungen bis zu einer größeren Steuerreform auszusetzen. Damit …
… sorgt er für neue Unruhe in der Koalition. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle geht am 1. Februar 2010 auf Distanz zu dem Vorschlag. Es bleibt spannend, ob und wann Schwarz-Gelb harmonisch regieren wird.

Der Dauerstreit in der schwarz-gelben Koalition zieht nun auch die Union in den Abwärtssog. In dem wöchentlichen Wahltrend des Magazins "Stern" und des Senders RTL fielen CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte auf 33 Prozent. Damit erreichte die Union in der Forsa-Umfrage den niedrigsten Wert in diesem Jahr. Die FDP verlor einen Punkt und erreicht nur noch acht Prozent. Gemeinsam kamen Union und Liberale auf 41 Prozent. So schlecht standen sie den Angaben zufolge im Wahltrend von "Stern" und RTL zuletzt im Februar 2001 da.

Die SPD kletterte um einen Punkt auf 23 Prozent und damit auf den besten Wert in diesem Jahr. Auch die Linke gewann einen Punkt und verbesserte sich auf zwölf Prozent. Für die Grünen würden erneut 16 Prozent der Wähler stimmen. Mit zusammen 51 Prozent lagen SPD, Grüne und Linkspartei damit zehn Punkte vor Union und FDP.

FDP schuldig an Zwist

Das schlechte Bild der Koalition spiegelte sich auch in einer weiteren "Stern"-Umfrage wider. Nur acht Prozent der Bürger waren der Ansicht, dass die CDU, CSU und FDP an einem Strang ziehen. Die überwältigende Mehrheit von 84 Prozent hielt die Koalitionspartner für untereinander zerstritten.

Gefragt, wer nach ihrer Ansicht schuld am Streit sei, nannte mehr als jeder Zweite (55 Prozent) die FDP. Sieben Prozent gaben der CSU die Schuld am schlechten Zustand der Koalition, fünf Prozent machten die CDU für den Zwist verantwortlich. Dass "alle gleichermaßen" Schuld hätten, meinten 28 Prozent. Das Institut Forsa befragte für die Parteienpräferenz in der vergangenen Woche 2.502 Bundesbürger, für den Koalitionsstreit wurden 1.003 Menschen befragt.

(AFP, N24)

10.03.2010 10:17 Uhr

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