Mit 65 durchstarten
Existenzgründung im Ruhestand
Vielen ist es zu langweilig, sich nach dem Berufsleben zur Ruhe zu setzen. Eine Existenzgründung im Alter ist eine spannende Alternative. Ein paar Kniffe sollten Arbeitswillige aber beachten.
Den Keller aufräumen, viel reisen, im Garten arbeiten oder doch noch Spanisch lernen? Was viele Neu-Ruheständler voll Freude als künftige Tagesbeschäftigung sehen, lässt andere nur gähnen. Sie wollen weiterarbeiten und zwar als ihr eigener Chef. Andere gründen aus blanker finanzieller Not im Alter eine Existenz. Einen Vorteil haben beide Gruppen: Beziehen sie eine Rente, müssen sie nicht sofort schwarze Zahlen schreiben. Ein Überblick darüber, was ältere Gründer beachten sollten:
Das Unternehmensziel
Die wichtigste Frage lautet: "Geht es um finanzielle Absicherung oder um eine Beschäftigung aus Interesse?", erklärt Christian Schmelcher von der Gründungsberatung mobil in Göttingen. Wer mit seiner Gründung Geld verdienen muss, macht sich besser in einem Bereich selbstständig, in dem er schon früher gearbeitet hat. "Dann kennt man potenzielle Kunden und weiß, wie der Markt funktioniert." Steht Geld im Hintergrund, ist es leichter, einer Leidenschaft nachzugehen.
Die eigene Situation
Ältere Gründer überschätzten manchmal ihre Kräfte, warnt die Initiative "Erfahrung ist Zukunft" in Berlin. "Halte ich die nervlichen und körperlichen Belastungen aus?", nennt Schmelcher eine wichtige Frage. Wer mit einem anderen Selbstständigen kooperiert, kann sicher sein, dass dieser bei Krankheit einspringt.
Einzelkämpfer oder Teamgründung
Die Erfahrung zeige, dass Teamgründungen im Alter sehr schwierig sind, sagt Schmelcher. Die Bereitschaft zu kooperieren und zu kommunizieren, lasse bei vielen Älteren nach. "Die sind nicht mehr so flexibel wie mit 20." Wer dennoch im Team gründen will, sollte sich den Partner genau ansehen. Hat er die gleichen Vorstellungen? Manche suchten nur einen Partner, weil sie sich die Gründung alleine nicht zutrauten.
Die Finanzen
Ohne Eigenkapital ist eine Existenzgründung im Ruhestand schwierig. Die Bundesagentur für Arbeit ist nicht mehr für Ruheständler zuständig, erklärt "Erfahrung ist Zukunft". Damit könnten Fördermittel wie der Gründungszuschuss nicht in Anspruch genommen werden. Auch Darlehen aus dem Programm "ERP-Kapital für Gründungen" gibt es nur bis zum Alter von 62 Jahren. Wenn Banken überhaupt einen Kredit auszahlen, ist die Laufzeit meist sehr kurz, sagt Schmelcher. Die Faustformel laute: Bis zum 70. Lebensjahr muss alles zurückgezahlt sein. Eine Alternative können sogenannte Mikrodarlehen oder das "StartGeld" der staatlichen KfW-Bank sein. Bei letzterem erhalten Gründer bis zu 50.000 Euro für Sachinvestitionen, die KfW trägt 80 Prozent des Kreditausfallrisikos.
Auswirkungen auf die Rente
Vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter dürfen Ruheständler maximal 400 Euro im Monat dazuverdienen, erklärt Renate Thiemann von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Wer einen höheren Zuverdienst oder Gewinn hat, erhalte nur eine Teilrente. Über-65-Jährige dürften dagegen so viel verdienen, wie sie möchten. Wer sicher ist, von seiner Selbstständigkeit bald leben zu können, kann auch erstmal auf die Rente verzichten. "Pro Monat, den ich verzichte, bekomme ich 0,5 Prozent mehr Rente", erklärt Renate Thiemann. Geht die Selbstständigkeit aber schief und türmen sich Schulden, kann ein Teil der Rente gepfändet werden, warnt Thiemann. Nur ein Betrag von knapp 990 Euro für einen Alleinstehenden sei geschützt.
(DPA, N24)
11.03.2010 12:49 Uhr





