Tod durch 68 Messerstiche
Lebenslang für Vater von Büsra
Der Vater der 15-jährigen Büsra aus Schweinfurt muss lebenslang ins Gefängnis. Nach Ansicht des Gerichts hat der Dönerverkäufer seine Tochter mit 68 Messerstichen bewusst getötet.
Aus Wut, verletzter Eitelkeit und Verlustangst hat ein türkischer Vater in Schweinfurt seine Tochter getötet und muss nun eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. "Durch die furchtbare Tragödie hat die 15-jährige Büsra ihr Leben verloren", sagte die Vorsitzende Richterin am Landgericht Schweinfurt, Elisabeth Ott. "Eine Familie wurde zerstört." Der Dönerverkäufer hatte seine schlafende Tochter Büsra im vergangenen Juni mit 68 Messerstichen umgebracht. Der Angeklagte nahm das Urteil wegen Mordes nahezu regungslos auf, den Blick gesenkt, die Hände gefaltet.
"Es handelt sich keinesfalls um einen klassischen "Ehrenmord" ", sagte Ott. Vielmehr habe der 46-Jährige die Jugendliche getötet, "weil er es nicht ertragen hat, dass Büsra eine Beziehung zu einem jungen Mann eingegangen ist". Das westlich orientierte Mädchen habe sich nicht den Wünschen seines Vaters gebeugt, sich seinem Willen gar widersetzt. Der Türke habe das als tiefe Kränkung empfunden, Wut und Ärger seien die Folge gewesen, erläuterte die Vorsitzende der Kammer.
Bei der Tat voll schuldfähig
Die Freundschaft Büsras zu dem 17-jährigen Jungen sei eine harmlose Beziehung gewesen - nicht mehr als Händchenhalten. "Er hatte Angst, dass sie einen in seinen Augen falschen Weg gehen könnte", sagte Ott. "Er befürchtete, von ihr verlassen zu werden. (...) In seinen Augen war Büsra nicht mehr lenkbar." Der hagere Mann hatte gestanden, das älteste seiner drei Kinder mit einem 30 Zentimeter langen Fleischermesser erstochen zu haben. "Ich habe sie getötet, um sie zu schützen." Er habe Angst gehabt, dass Büsra entführt werden oder ihr etwas zustoßen könne.
Der Mann ist laut einem psychiatrischen Gutachten depressiv. Ott sagte, zumindest beim ersten Messerstich sei der Familienvater voll steuerungs- und schuldfähig gewesen - er wusste also, was er tat. Oberstaatsanwalt Rainer Gündert hatte eine lebenslange Haftstrafe verlangt. Der 46-Jährige habe seine Tochter bewusst getötet, nicht aus Versehen. Der Nebenkläger-Vertreter benutzte die Worte "bestialisch abgeschlachtet".
"Auch etwas Angst um seine Ehre"
Die Anklage war zu Prozessbeginn vor gut zwei Wochen noch von einem sogenannten Ehrenmord ausgegangen. "Er hat auch etwas Angst um seine Ehre gehabt, aber das spielte wohl nicht die ganz große Rolle", sagte Gündert in seinem Plädoyer. Der Verteidiger hatte sich für eine mildere Strafe ausgesprochen, da der Kaufmann seelisch krank und daher vermindert schuldfähig sei. Die Tat hatte in der muslimischen Gemeinde in Schweinfurt großes Entsetzen ausgelöst. In der 51.000-Einwohner-Stadt leben rund 2400 Türken.
(dpa, N24)
10.03.2010 16:38 Uhr





