Die FDP hat Änderungen an den Sozialgesetzen vorgeschlagen. Die Liberalen wollen Hartz-IV-Empfängern unter anderem höhere Zuverdienste ermöglichen und einheitliche Wohnzuschüsse einführen.
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Hartz-IV-Empfänger sollen nach dem Willen der FDP mehr hinzuverdienen dürfen als bisher und so einen größeren Anreiz zum Arbeiten erhalten. Diese Forderung ist der Kern eines Konzepts für Änderungen an den Sozialgesetzen, das die FDP bei einer Podiumsdiskussion in Berlin präsentierte. Den Plänen der Liberalen zufolge sollen Hartz-IV-Empfänger von zusätzlicher Arbeit deutlich stärker profitieren als bisher - für die Freibeträge nennt die FDP in ihrem Konzept allerdings mehrere Varianten. Bei einem Vorschlag bliebe ein Zuverdienst von bis zu 1000 Euro zur Hälfte anrechnungsfrei. "Das bestehende System gewährt den Betroffenen gerade einmal ein Taschengeld und missachtet ihre Eigeninitiative, weil Arbeit sich für sie nicht lohnt", heißt es in dem Papier, das unter anderem FDP-Generalsekretär Christian Linder schrieb. Verpflichtende Ein-Euro-Jobs als Gegenleistung für Hartz IV lehnt die FDP aber weiter ab, weil das die Privatwirtschaft gefährde.
Zudem sollen einheitliche Beträge für die Unterkunftskosten eingeführt werden, die regionale Unterschiede bei den Miet- und Energiekosten berücksichtigen. Hartz-IV-Empfänger könnten dann eigenverantwortlich über Größe und Lage ihrer Wohnung entscheiden. Diese Regelung über Pauschalbeträge würde aus Sicht der FDP die Jobcenter-Verwaltung entlasten und die Klageflut vor den Sozialgerichten mindern. Die FDP beabsichtigt auch, Kindern neben den bestehenden Geld- auch mehr Sachleistungen zu gewähren. Das könnten beispielsweise Gutscheine für kulturelle Angebote oder die kostenlose Verpflegung in der Schule sein. "Menschen müssen wieder stärker Autoren ihrer eigenen Biografie werden können", sagte Lindner. Die Gesetzesänderungen müssten sicherstellen, dass nicht ganze Generationen Hartz IV beziehen und dort keinen Ausweg mehr finden.
Der SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte den Vorschlag der Freidemokraten widersprüchlich. "Das ist soziales Rouge auf den kalten wirtschaftsradikalen Wangen der FDP", sagte er in einer Mitteilung. Die Ausweitung der Zuverdienstmöglichkeiten führe zu Lohndumping. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns hingegen könne eine wirkungsvolle Alternative zu Hartz IV bieten. SPD- Generalsekretärin Andrea Nahles sagte: "Die "Partei der Besserverdienenden" will den Druck auf die Löhne weiter erhöhen - zulasten der Arbeitnehmer und zur puren Freude der Arbeitgeber." Der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und ifo-Chef Hans-Werner Sinn betonten, dass stärker in die Bildung investiert werden müsse, um die Kosten im Sozialsystem langfristig zu senken. "Bildungspolitik ist heute nach wie vor die beste Sozialpolitik", sagte Clement. Sinn forderte die flächendeckende Einführung von Ein- Euro-Jobs als generelle Gegenleistung für die Hartz-IV-Bezüge.