Privatkunden-Institut
Barclays geht in den USA shoppen
Die britische Barclays Bank will offenbar groß in das Privatkundengeschäft in den USA einsteigen. Momentan sieht sich das Institut laut Medienberichten nach einem Übernahmekandidaten um.
Die britische Barclays Bank will sich in den USA verstärken. Nachdem sie sich bereits die Filetstücke der insolventen Investmentbank Lehman Brothers einverleibt hat, schaut sie sich nun nach einem Privatkunden-Institut um, berichteten mehrere britische und amerikanische Medien. Barclays hat es demnach vor allem auf die Spareinlagen abgesehen. Diese werden durch eine angedachte gesetzliche Neuregelung als Geldquelle interessanter denn je. Konkrete Gespräche gebe es derzeit jedoch keine, hieß es übereinstimmend.
Das "Wall Street Journal" spekulierte, Barclays könnte ein Auge auf große amerikanische Regionalbanken geworfen haben wie der Sun Trust Banks Inc. mit ihren 1700 Filialen im Südosten der Vereinigten Staaten oder der Fifth Third Bancorp of Cincinnati mit rund 1400 Niederlassungen. Einzelne Börsianer sahen sogar die angeschlagene Citigroup als Übernahmekandidat. Die Auswahl der Ziele für Barclays ist begrenzt. Viele Institute sind zu klein, andere durch die Finanzkrise arg angeschlagen, wieder andere haben sich in der schweren Zeit bereits unter die Fittiche von größeren Wettbewerbern gerettet. Spekuliert wird deshalb auch, ob Barclays in Westeuropa zuschlagen könnte, etwa in Portugal oder Italien.
Barclays gehört zu den Gewinnern der Finanzkrise und bildet damit insbesondere auf seinem Heimatmarkt eine absolute Ausnahme. Das Institut fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 10,3 Milliarden Pfund (11,8 Mrd Euro) ein. Die Briten erreichten das gute Ergebnis unter anderem durch ihr starkes Investmentbanking. Barclays hatte nur zwei Tage nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers deren Kerngeschäft in Nordamerika zum Schnäppchenpreis von 1,75 Milliarden Dollar übernommen. Dafür bekam die Bank sogar noch Immobilien oben drauf. Später entbrannte ein Streit über den Preis. Lehman-Gläubiger fühlen sich über den Tisch gezogen.
(dpa, N24)
10.03.2010 21:53 Uhr





