Feiner Frostschutz

Das neue E-Klasse Cabrio im Test

Viersitzige Cabrios mit Stoffverdeck haben bei Mercedes eine lange Tradition. Nun gibt es erstmals seit 1997 wieder eine offene E-Klasse. Wir haben den Frischlüfter mit 204-PS-Benziner getestet.

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Nobel unterwegs: Mercedes bringt das E-Klasse Cabrio an den Start
Mit 4,70 Meter ist das Cabrio exakt so lang wie sein Coupé-Bruder
Typisch für die E-Klasse ist die markante Sicke über den hinteren Rädern
Cabrio-Heck mit LED-Rückleuchten
Bei allen Cabrios der E-Klasse sind 17-Zoll-Leichtmetallfelgen serienmäßig
Im Innenraum des offenen E ist Platz für vier
Die zweitürigen E-Klasse-Varianten tragen den Stern im Kühlergrill
Die LED-Tagfahrlampen gibt es in Verbindung mit Xenon-Scheinwerfern
Blick ins Wageninnere vom Windschott zwischen den hinteren Kopfstützen
Das Cockpit des Cabrios setzt auf kantige Linien
Fünf Rundinstrumente informieren den Fahrer
Klar gegliederte Mittelkonsole
Ein werksseitiges Navigationssystem kostet mindestens 1.499 Euro
Unter einer Klappe liegen der Öffner fürs Verdeck und die Taste für das Aircap-Windschott (hinten)
Auch geschlossen macht das E-Klasse Cabrio eine gute Figur
Der Kunde kann kostenlos zwischen drei Verdeckfarben wählen
Leicht ansteigende Schulterlinie
Auf Knopfdruck öffnet sich das Verdeck bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h
Bis die Stoffmütze komplett verpackt ist, vergehen 20 Sekunden
Hier gut zu sehen: Die flach stehende Windschutzscheibe
Hinter dem Namen "Aircap" verbirgt sich ein Windabweiser oberhalb der Frontscheibe
Das "Aircap" leitet den Luftstrom über die Insassen hinweg
Ein weiteres Komfortextra befindet sich in den bequemen Vordersitzen
In die Kopfstützen ist eine Nackenheizung mit verstellbaren Düsen integriert
Ausgeformte Rückbank für zwei Personen
Für 833 Euro Aufpreis werden 12 Lautsprecher von Harman Kardon eingebaut
Ist das Verdeck geschlossen, passen 390 Liter Gepäck in den Kofferraum
Wird das Dach geöffnet, muss sich das schwenkbare Rollo in dieser Position befinden. Übrig bleibt ein Abteil von 300 Liter Volumen
Beim Antrieb kann der Kunde aus drei Dieseln und vier Benzinern wählen
Gemischtes Doppel: Mercedes verkauft das E-Klasse Cabrio als Auto für das ganze Jahr
Ab dem 27. März 2010 steht das neue Cabrio von Mercedes bei den Händlern
Die Preise beginnen bei 47.719 Euro für den 220 CDI, im Juni 2010 kommt der handgeschaltete 200 CGI für 45.815 Euro
Familientreffen: Das E-Klasse Cabrio mit den Baureihen 111 (links) und 124 (rechts)
Der neueste Mercedes steht in der Tradition seiner berühmten Vorgänger
Mit dem Cabrio ist die E-Klasse-Familie jetzt komplett
Nobel unterwegs: Mercedes bringt das E-Klasse Cabrio an den Start

Geteilter Platz

Beim neuen E-Klasse-Cabrio hat sich Mercedes klar für ein Stoffverdeck entschieden. Trotzdem steht die Windschutzscheibe relativ flach, als ob ein Stahlklappdach geplant worden wäre. Auf Nachfrage wird jedoch mit Nachdruck betont, dass eine Blechmütze nie zur Debatte stand, vielmehr sind es aerodynamische Gründe, die die flache Scheibe bedingen. In der Tat hat das Modell einen sehr günstige cW-Wert von 0,28. Vor dem Start lernen wir aber zunächst die Tücken des Kofferraums kennen: Bei geschlossenem Verdeck passen 390 Liter hinein, unsere Koffer finden mühelos Platz. Problematisch wird es erst beim offenen Fahren. Hier schrumpft das Volumen des Gepäckabteils auf 300 Liter. Das klingt immer noch ordentlich, doch es muss ein schwenkbares Rollo nach unten gezogen werden, damit die Mütze seinen Platz findet. So wird der nutzbare Raum deutlich eingeschränkt, nur mit Müh und Not bekommen wir unsere Sachen unter.

Kommod cruisen

Nun ist die Zeit gekommen, um den Stoffhut elektrisch zu öffnen. Laut Mercedes dauert das nur 20 Sekunden, gefühlt erscheint uns der Zeitraum jedoch länger. Die Bedienung erfolgt über einen Hebel, der sich unter einer Klappe vor dem Drehknopf des Infotainment-Systems befindet. Unter der Motorhaube flüstert der Benzindirekteinspritzer, der anschaulich den Fortschritt der letzten Jahrzehnte zeigt. Der eingangs erwähnte 280 SE 3.5 brauchte noch einen Achtzylinder mit 3,5 Liter Hubraum, um 200 PS zu erzeugen. Beim 250 CGI reicht für 204 PS dank Turboaufladung fast die Hälfte, nämlich 1,8 Liter Hubraum und vier Zylinder. Sehr laufruhig zieht das Aggregat den Mercedes voran, beim entspannten Cruisen macht die Automatik ihren Job gut. Erst beim Gasgeben stoßen die fünf Stufen an ihre Grenzen. Will man in den offiziell angegebenen 7,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, werden die Gänge weit ausgedreht, was zu Lasten der Geräuschkulisse geht. Deutlich diskreter arbeitet die 7G-Tronic, doch den Siebengang-Automaten gibt es nur für die Sechszylinder. Sehr gut gelungen ist die Federung, die lediglich auf schweren Querfugen Stöße in den Innenraum weiterleitet. Etwas indirekt ist hingegen die Lenkung ausgelegt, zudem dürfte die Bremse etwas feiner dosierbar sein. Im Fond findet man im Vergleich zu anderen Cabrios ausreichend Platz vor, aufgrund der recht knapp kalkulierten Beinfreiheit kommen zu viert trotzdem maximal Mittelstrecken in Betracht.

Spoiler für die Scheibe

Das Mercedes E 250 CGI Cabrio folgt der Devise "Reisen statt Rasen". Für viel Komfort sorgt nicht nur die sehr verwindungssteife Karosserie, sondern auch zwei neue Innovationen. Weiter verfeinert wurde der "Airscarf", übersetzt "Luftschal". Im Jahr 2004 brachte Mercedes die Nackenheizung erstmals auf den Markt. Nun können Fahrer und Beifahrer die Ausströmerdüse auch nach oben und unten schwenken. Aktiviert wird die heiße Luft über eine Taste in der Mittelkonsole des klar gegliederten und qualitativ hochwertigen Armaturenbretts. Für noch mehr Komfort gibt es nicht nur ein Windschott zwischen den ausfahrbaren Kopfstützen der Rücksitze, sondern auch das "Aircap". Die "Luftmütze" ist ein um sechs Zentimeter ausfahrbarer Windabweiser oberhalb der Frontscheibe, aktiviert wird dieser per Knopfdruck.

Angenehme Akustik

Während unserer Testfahrt haben wir ausführlich verglichen: Schon ohne Aircap lässt es sich gut aushalten, mit Aircap sinkt der Geräuschpegel etwas. Die Abnahme des Windzugs ist für die vorderen Passagiere indes nicht so signifikant spürbar, laut Mercedes merken dies die Insassen im Fond eher. Auffallend ist die Verlagerung der Windgeräusche: Ohne Aircap zieht es an den Seitenscheiben, mit Aircap ist auf Höhe des Beifahrers ein leichtes Wummern am Rahmen der Frontscheibe vernehmbar. Zur Ehrenrettung des Systems ist aber anzumerken, dass während unseres Testes böige Winde herrschten. Am nächsten Tag regnet es in Strömen, nur geschlossen geht es voran. Serienmäßig weisen alle E-Klasse-Cabrios ein Akustik-Verdeck auf. Die 23,5 Millimeter dicke Stoffmütze macht in der Praxis ihrem Namen alle Ehre. Im Innenraum bleibt es sehr leise, nur der auf die Windschutzscheibe prasselnde Regen stört die Ruhe.

Teure Feinkost

Beim Blick in die Preisliste zeigt sich schnell, dass einige Cabrios der E-Klasse demnächst vor mallorquinischen Fincas parken werden. Gut betucht sollten die Käufer nämlich sein: Das im Juni 2010 kommende Einstiegsmodell E 200 CGI mit Schaltgetriebe steht mit 45.815 Euro in der Liste, der zum Verkaufsstart am 27. März 2010 erhältliche 250 CGI kostet inklusive Automatik 49.861 Euro. Zwar kann sich die Serienausstattung mit sieben Airbags (darunter neue Headbags in den Türen), einem CD-System, vier elektrischen Fensterhebern und einer Klimaautomatik sehen lassen. Doch wie bei der Marke mit dem Stern üblich, lädt eine umfangreiche Aufpreisliste zur Lektüre ein. Dort finden sich das Aircap für 821 Euro und der Airscarf für 547 Euro. Beide gibt es auch zusammen im so genannten Komfortpaket für 1.249 Euro. Des Weiteren lassen viele weitere Extras den Preis bei Bedarf in die Höhe schnellen. Sehr deftig fällt der Navi-Aufpreis aus: Hier ist unter 1.499 Euro nichts zu machen. Wo steht im Vergleich zum Mercedes die deutsche Konkurrenz? Audi ruft für das stoffbedachte A5 Cabrio 2.0 TFSI multitronic mit 211 PS 45.450 Euro auf, BMW gibt das kürzlich geliftete 325i Cabrio mit 218 PS, Automatik und Blechmütze für 48.540 Euro ab.

Wir befinden uns irgendwo auf Mallorca, als neben uns ein Ford Fiesta hält. Die Seitenscheibe fährt hinunter und ein älterer Herr ruft: "Das war der Schönste!" Man kann es ihm nicht verdenken, denn wir sind in einem Mercedes 280 SE 3.5 Cabrio von 1969 unterwegs. Doch nicht der noble Oldtimer steht im Mittelpunkt, sondern sein geistiger Nachfahre, das neue Cabrio der E-Klasse. Wird er der nächste Schönheitskönig mit Stern?

Schalten und schalten lassen

Zunächst stehen wir vor der Qual der Wahl, was die Motorenfrage angeht. Mercedes bietet den offenen E mit insgesamt sieben Triebwerken an, davon drei Diesel und vier Benziner. Auf einen Allradantrieb oder eine scharfe AMG-Version muss indes vorerst noch verzichtet werden. Die Versionen 220 CDI, 250 CDI und 200 CGI werden serienmäßig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgeliefert, der CGI weist sogar eine Start-Stopp-Funktion auf. Wir entscheiden uns für ein Automatikgetriebe, so wie es laut Mercedes 80 Prozent der Cabrio-Kunden machen werden. In unserem 250 CGI sind fünf Schaltstufen an Bord.

Länge läuft

Beim Erstkontakt mit dem Auto sind wir angenehm überrascht, denn der Mercedes sieht eleganter aus als auf den Bildern. Mit 4,70 Meter ist das Cabrio exakt so lang wie sein Coupé-Bruder und teilt sich mit diesem den technischen Unterbau. Obwohl der offene Benz vom Hersteller als erstes E-Klasse-Cabrio seit 1997 angepriesen wird, ist das nur die halbe Wahrheit. Gut die Hälfte der Technik stammt von der E-Klasse, aber rund 30 Prozent auch von der C-Klasse. Wie auch immer, optisch ist das Fahrzeug klar als E zu identifizieren, dafür sorgen die markante Blechfalte über den Hinterrädern und das Vieraugen-Gesicht. Geschmackssache ist jedoch der recht wuchtige Kühlergrill mit integriertem Stern.

(Autonews)

11.03.2010 12:12 Uhr

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