Gegen den Willen der Regierung hat das schwedische Parlament das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als "Völkermord" bezeichnet. Die Abgeordneten nahmen einen entsprechenden Antrag der linken Opposition überraschend mit der Mehrheit von einer Stimme an. Aus dem Regierungslager kamen demnach mindestens vier Stimmen. Die Abstimmung ändere nichts an der Haltung seiner Regierung zur Türkei, erklärte Außenminister Carl Bildt umgehend. Stockholm unterstützt die Beitrittsbemühungen Ankaras zur Europäischen Union.
Als Reaktion auf das Votum berief die Türkei ihre Botschafterin in Stockholm zu Beratungen in die Heimat. Zudem sagte das Büro von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan einen für kommende Woche geplanten Schweden-Besuch ab. "Unser Volk und unsere Regierung weist diese von Fehlern beschmutzte Entscheidung zurück", hieß es in einer Erklärung.
Die Türkei und Armenien streiten seit Jahrzehnten über den Umgang mit den Massakern und Vertreibungen im Osmanischen Reich, bei denen zwischen 1915 und 1917 nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet wurden. Die Türkei spricht von 250.000 bis 500.000 armenischen Todesopfern und lehnt die Einstufung der Verbrechen als Völkermord ab. In der vergangenen Woche stufte bereits der Außenausschuss des US-Repräsentantenhauses das Massaker als Völkermord ein und sorgte damit für diplomatische Spannungen mit der Türkei.
(AFP)
11.03.2010 22:24 Uhr









