Die Telekom führt als erstes großes Unternehmen eine Frauenquote ein und verspricht sich davon auch einen höheren Gewinn. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein, kündigte die Telekom an. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) lobte den freiwilligen Schritt, denn eine gesetzliche Regelung könne nur das letzte Mittel sein.
Mehr Frauen in Führungspositionen sei ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für den Erfolg der Telekom, erklärte Konzernchef René Obermann. "Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser." Studien belegten, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil ein signifikant besseres Unternehmensergebnis und höhere Rentabilität erzielten.
Bislang hat die Telekom 18 Prozent der mittleren und oberen Positionen mit Frauen besetzt - in Deutschland sind es zwölf Prozent, im Ausland 24 Prozent. Damit der Konzern das Ziel der 30-Prozent-Quote in den kommenden rund fünfeinhalb Jahren auch erreicht, will das Unternehmen sein Programm zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ausbauen. Angeboten würden Elternzeitmodelle, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote sowie "praktische Unterstützungsleistungen im Alltag".
Die "jahrelangen Maßnahmen" der Telekom zur Frauenförderung waren "redlich und gut gemeint", erklärte Personalvorstand Thomas Sattelberger. "Der durchschlagende Erfolg blieb leider aus." Schuld seien traditionelle Rollenmuster, eingeschliffene Verhaltensweisen, etablierte "Old-Boys-Netzwerke" und Hierarchien, sagte er.
Familienministerin Schröder erklärte, Unternehmen könnten es sich nicht mehr leisten, in den Führungsetagen auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten. Sie freue sich, dass die Telekom mit gutem, freiwilligem Beispiel vorangehe.
Der Frauenanteil in deutschen Unternehmen ist vor allem in den Chefetagen verschwindend gering. Derzeit gibt es 2,5 Prozent weibliche Vorstände und knapp zehn Prozent weibliche Aufsichtsräte, wovon der große Teil über die Gewerkschaften entsandt wird.
Die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) forderte daher erneut eine gesetzlich verankerte Quote von 25 Prozent Frauen in Aufsichtsräten. Das letzte männlich dominierte Jahrzehnt habe mit der Internetkrise begonnen und mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise geendet, erklärte FidAR-Präsidentin Monica Schulz-Strelow.
(AFP)
15.03.2010 15:58 Uhr





