Selbstkorrektur
SPD legt Hartz-IV-Reform vor
Mit ihren neuen Reformvorschlägen zum Arbeitsmarkt und zu den Hartz-IV-Regelungen korrigiert die SPD sich selbst und die durch Ex-Kanzler Gerhard Schröder eingeleitete "Agenda 2010".
Die SPD will mit umfangreichen Korrekturen an ihren eigenen Hartz-IV-Beschlüssen mehr Fairness auf dem Arbeitsmarkt erreichen. Laut dem Konzept soll das Arbeitslosengeld I bis zu 24 Monate gezahlt werden, Leiharbeit soll eingeschränkt werden und das Vermögen von Hartz-IV-Empfängern nicht mehr geprüft werden. Die FDP sprach von einem "Schmusekurs mit der Linkspartei", die CDU von einem "hilflosen Zickzack-Kurs".
Einschränkungen bei der Leiharbeit
"Viele Menschen erachten zurecht die Situation am Arbeitsmarkt als unfair", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel bei der Vorstellung des Konzepts mit dem Titel "Fairness auf dem Arbeitsmarkt". Daher tue die SPD gut daran zu unterscheiden, "welche Prinzipien vor sieben Jahren richtig waren" und welche Entwicklungen es seitdem gegeben habe. Im März 2003 hatte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seiner Agenda-Rede die Arbeitsmarktreformen auf den Weg gebracht. Ihr Kern, das Prinzip des Förderns und Forderns und die Zusammenlegung von Arbeits- und Sozialhilfe, bleibe richtig, sagte Gabriel. Die Reformen hätten aber auch "zu erheblicher Verunsicherung beigetragen".
Die SPD will dem Konzept zufolge die Zahldauer des bislang in der Regel auf zwölf Monate begrenzten Arbeitslosengelds I verlängern. Der Anspruch soll bei Teilnahme an berufsqualifizierenden Maßnahmen um bis zu sechs Monate verlängert werden, bei anspruchsvollen Qualifizierungen auch um bis zu zwölf Monate. Die Leih- und Zeitarbeit wollen die Sozialdemokraten darauf begrenzen, "wofür sie einmal gedacht war", nämlich als Hilfe für die Arbeitgeber, um Auftragsspitzen besser zu bewältigen. "Die Leiharbeit ist heute weniger ein Instrument der Flexibilität als der Lohndrückerei", heißt es in dem Papier. Es müsse künftig nach einer kurzen Einarbeitungszeit der Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelten.
Kraft hinterlässt Spuren
Beim Mindestlohn folgt die SPD dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der 8,50 Euro pro Stunde fordert. Ein gesetzlicher Mindestlohn werde "dringend" gebraucht, wenn ab Januar 2011 volle Freizügigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt herrsche. Die SPD will 200.000 zusätzliche Stellen für Langzeitarbeitslose mit Vermittlungshemmnissen schaffen. Für diesen Ausbau des sozialen Arbeitsmarkts sollten zusätzliche drei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte Gabriel. Ähnliche Vorschläge hatte bereits die NRW-SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft vorgetragen und dafür teils scharfe Kritik hinnehmen müssen.
Die Annahme dieser neuen Jobs sei "selbstverständlich freiwillig", sagte Gabriel. Bei Ablehnung zumutbarer Arbeit sollten aber alle bereits vorhandenen Sanktionsmöglichkeiten gelten. Beim Arbeitslosengeld II plädiert die SPD dafür, "auf die Anrechnung von Vermögen vollständig zu verzichten". Aus Vermögen erzieltes Einkommen soll aber berücksichtigt werden. "Mit dem grundsätzlichen Verzicht einer Vermögensüberprüfung wird die Lebensleistung jedes Einzelnen honoriert", heißt es in dem Papier.
Linke gegen "Hartz IV light"
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bescheinigte der SPD einen "hilflosen Zick-Zack-Kurs". Die SPD sei "keine Arbeiterpartei mehr, sondern eine Partei ohne Markenkern". Ein höheres ALG I führe zu Beitragserhöhungen, erklärte Gröhe in Berlin. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, kritisierte die SPD-Vorschläge scharf. Er sprach in der "Rheinischen Post" von einem "offensichtlich machtpolitisch motivierten Schmusekurs mit der Linken". Die Linke erklärte, die SPD "scheut einen klaren Bruch mit den Hartz-Gesetzen". "Wir brauchen kein Hartz IV light", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion, Sabine Zimmermann, in Berlin.
(AFP, N24)
15.03.2010 16:52 Uhr









