Weitere Missbrauchsfälle
Auch evangelische Kirche betroffen
Die Serie von Fällen körperlichen Missbrauchs in der Kirche reißt nicht ab. So haben sich auch im Bistum Mainz 15 Betroffene gemeldet. Auch aus der evangelischen Kirche wurden Fälle bekannt.
In Deutschland kommen immer mehr Fälle von Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen ans Tageslicht. Beim Bistum Mainz meldeten sich bis Dienstag insgesamt 15 ehemalige Schüler des katholischen Konvikts im südhessischen Bensheim als Opfer. Der Mainzer Bistumssprecher Alexander Matschak sagte, von den Schülern seien drei nach eigenen Angaben Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Zwölf weitere seien durch Schläge misshandelt worden. Für die sexuellen Übergriffe in Bensheim soll der von 1973 bis 1979 tätige Heimleiter verantwortlich sein. Für körperliche Misshandlungen soll ein Priester verantwortlich gewesen sein, der nach der Schließung des Konvikts 1981 als Gemeindepfarrer tätig war.
Belästigung mit SMS-Botschaften
Auch in der evangelischen Kirche kamen neue Fälle ans Licht. Wie der Probst für Süd-Nassau, Sigurd Rink, sagte, richtet sich der Verdacht gegen drei Pfarrer und einen evangelischen Religionslehrer aus Hessen und Rheinland-Pfalz. Ein pensionierter Pfarrer soll nach Medienberichten Anfang der 80er Jahre einen Konfirmanden missbraucht haben. Ein weiterer Pfarrer soll nach Angaben der Kirche seine Opfer mit SMS-Botschaften sexuell belästigt haben. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Geistlichen sei von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Ein Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer sei noch anhängig.
"Als Kirche sind wir erschüttert, welche ungeahnten negativen Energien sich hier offensichtlich entladen haben", sagte Rink. "Zugetraut hätten wir das den Seelsorgern und den Mitarbeitern niemals." Die Vorwürfe erstreckten sich auf die frühen 80er Jahre, 2002 und 2009. In einem Fall wurde ein Pfarrer vom zuständigen Gericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Kirche habe den Geistlichen daraufhin von seinen kirchlichen Aufgaben entbunden. Bei dem fraglichen Lehrer werde geprüft, ob ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen werden könne.
Schneider setzt auf Ausgleich
Die Evangelische Kirche in Deutschland geht davon aus, dass es auch in Zukunft Missbrauchsfälle in religiösen Einrichtungen geben wird. Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sagte dem "Weser-Kurier", er mache sich keine Illusionen. "Sexueller Missbrauch wird auch in Einrichtungen unserer Kirche vorgekommen sein und vermutlich noch vorkommen."
Angesichts immer neuer Missbrauchsfälle will die katholische Kirche am 30. März eine spezielle Hotline einrichten. Dort sollen Fachleute Opfern, aber auch Tätern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wie der Trierer Bischof Stephan Ackermann erklärte. Verdachtsfälle von Missbrauch und Misshandlungen gibt es seit Wochen vor allem in der katholischen Kirche. Betroffen sind aber auch weltliche Einrichtungen wie die berühmte Odenwaldschule in Heppenheim. Vereinzelt gibt es auch Fälle in evangelischen Einrichtungen.
(APN, N24)
16.03.2010 18:08 Uhr








