Die Wogen glätten

Obama lobt Israel als Freund

Nach dem Streit um den Siedlungsbau in Jerusalem versucht US-Präsident Obama die Wogen zu glätten und erklärt Israel und die USA zu Freunden, die lediglich "unterschiedliche Ansichten" hätten.

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Seit der Amtsübernahme von US-Präsident Obama ist das Verhältnis mit Israel angespannt. Die Israelis sehen in Obama einen Freund der Palästinenser.
Die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden in Nazi-Deutschland lassen den Ruf nach einem eigenen Staat für die Überlebenden lauter werden.
Tausende Holocaust-Überlebende flüchten nach Israel.
Am 14. Mai 1948 wird Israel auf einem Teil des britischen Mandatsgebietes in Palästina gegründet.
Einen Tag später beginnt der israelisch-arabische Krieg, aus dem Israel 1949 als Sieger hervorgeht. Etwa 700.000 Palästinenser müssen in arabische Länder flüchten.
Nach der Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Ägypten beginnt 1956 der Suez-Krieg, in dem Israel von Frankreich und Großbritannien unterstützt wird. Die Angreifer müssen sich aber unter dem Druck Washingtons und Moskaus zurückziehen.
Der israelische Geheimdienst spürt 1960 in Argentinien Adolf Eichmann auf, einen der Hauptverantwortlichen des Judenmordes in Europa. Er wird in Israel zum Tode verurteilt und gehenkt.
1969 beginnt der dritte israelisch-arabische Krieg, genannt der Sechs-Tage-Krieg. Israel besetzt die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die Golan-Höhen.
Ariel Scharon (l.) kommandierte im Sechs-Tage-Krieg die mächtigste Panzerdivision an der Sinaifront. Für seine Erfolge wurde er befördert.
Aussöhnung: Israels Regierungschef Begin (r.) und Ägyptens Staatschef Sadat unterzeichnen 1978 in Washington die Camp-David-Verträge, sechs Monate später ist der israelische-ägyptische Friedensvertrag (1979) perfekt.
Wegen der Aussöhnung mit Israel wird Ägyptens Staatschef Sadat am 6. Oktober 1981 während einer Militärparade in Kairo erschossen.
1982 marschiert die israelische Armee in den Libanon ein. Sie vertreibt die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat aus Beirut. Die israelischen Truppen besetzen den Süden des Landes. Rückzug im Jahr 2000.
Arafat (l.) muss 1982 nach Tunesien fliehen. Er richtet einen neuen PLO-Sitz im Exil in Tunis ein. Im Bild ist er mit dem damaligen tunesischen Außenminister Ben Yahia zu sehen.
Der ehemalige israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu erklärt 1986, dass sein Land Atomwaffen besitzt. Dies wird von Israel nie bestätigt oder dementiert. Allgemein wird angenommen, dass Vanunus die Wahrheit sagt.
1987: Die Palästinenser in den besetzten Gebieten erheben sich, die erste Intifada beginnt.
Israel und die PLO unterzeichnen 1993 eine Grundsatzerklärung zur palästinensischen Autonomiebehörde. Es kommt zum historischen Händedruck zwischen Regierungschef Jizchak Rabin und Jassir Arafat.
Jizchak Rabin wird am Abend des 4. November 1995 während einer großen Friedenskundgebung ermordet. Ein jüdischer Fundamentalist schoss auf ihn.
Im September 2000 beginnt die zweite Intifada.
Der angekündigte Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem auch für Moslems heiligen Tempelberg wurde von Palästinensern zum Anlass genommen, einen Aufstand zu beginnen.
Drei Jahre später (2005) zieht sich Israel aus dem Gazastreifen zurück.
Im vergangenen Jahr übernimmt die radikale Palästinenserorganisation Hamas die Kontrolle im Gazastreifen. US-Präsident George W. Bush verkündet das Ziel eines israelisch-palästinensischen Vertrages bis Ende dieses Jahres.
Es war angekündigt und kam dennoch überraschend: Israel hat sich im Gazastreifen mit voller Härte gegen den andauernden Raketenbeschuss der Hamas gewehrt.
Am Samstagvormittag begannen die israelischen Bombardements in Gaza-Stadt, Rafah und in anderen Städten und Siedlungen im Gazastreifen.
Das Ziel der Angriffe waren Stellungen der radikalislamischen Hamas und ihrer Milizen.
Getroffen wurden wie stets jedoch auch viele unbeteiligte Zivilisten.
Fast 200 Menschen sollen nach Informationen von Rettungskräften bei den Luftangriffen getötet worden sein.
Hunderte weitere wurden teilweise schwer verletzt. Ganze Häuserkomplexe wurden in Schutt und Asche gelegt.
Verzweifelt und mit einfachsten Mitteln werden Opfer aus den Trümmern geborgen.
Die Rettungskräfte sind völlig überfordert. Sie können teilweise nicht erreicht werden, da das Handynetz ausgefallen ist.
Anwohner flüchten. Wo sie vor dem Bombenhagel sicher sind, wissen die meisten jedoch nicht.
Wo die israelischen Bomben fallen, hinterlassen sie nur noch ein Trümmerfeld.
Am Platz eines früheren Hamas-Gebäudes steht jetzt kaum noch ein Stein auf dem Anderen.
Die Feuerwehrleute und Rettungskräfte können kaum noch etwas retten. Opfer werden mit Decken und Tüchern abtransportiert.
Die Detonation einer israelischen Missile-Rakete im nördlichen Gazastreifen. In Gaza-Stadt und Rafah explodierten Dutzende der Geschosse.
Vor dem Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt werden die Toten auf dem Boden abgelegt.
Es sind zu viele um sie im Inneren des Gebäudes unterzubringen.
Zudem wird der Platz für die große Zahl der Verletzten gebraucht.
Dicht an dicht drängen sich die Männer, Frauen und Kinder, warten darauf, medizinisch versorgt zu werden.
Und die Zahl der Neuankömmlinge im Krankenhaus reißt nicht ab.
Immer neue Verletzte werden in das schon überfüllte Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht.
Große Teile von Gaza-Stadt und Rafah gleichen nach den Angriffen einem Trümmerfeld.
Überall lodern Flammen, quillt beißender Rauch empor.
Verzweifelt und wütend machen sich die Menschen ein Bild von der Zerstörung oder ...
suchen in den Trümmern nach Opfern und dem wenigen Unzerstörten.
Die israelische Regierung begründet ihr Vorgehen mit dem Beschuss israelischer Siedlungen durch Raketen der Hamas.
Die Hamas hatte den Waffenstillstand mit Israel rund eine Woche vor der derzeitigen Gewalteskalation einseitig aufgekündigt.
Die israelischen Bombardements dürften die antiisraelische Stimmung in den Palästinensergebieten wieder voll entfacht haben.
Schon protestieren auch im Westjordanland Palästinenser gegen die israelischen Militärübergriffe.
Hier ist es bisher noch zu keiner Eskalation der Gewalt gekommen.
Die Polizei begnügt sich mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die weitere Zuspitzung der Situation, insbesondere im Gazastreifen, dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.
US-Präsident George W. Bush hat seine zweite Nahostreise in diesem Jahr angetreten. Erste Station: Jerusalem.
Auf dem Flughafen von Tel Aviv wurde Bush von Israels Präsident Schimon Peres (l.) und Ministerpräsident Ehud Olmert begrüßt.
Nach einer kurzen Begrüßungsansprache wurde Bush mit dem Hubschrauber nach Jerusalem gefolgen - zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung.
Offiziell besucht Bush das Land wegen des Jubiläums. Auf seiner Agenda stehen aber auch Bemühungen um ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern.
Dazu traf sich der US-Präsident mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. In dem Gespräch ging es auch um den Iran und Fragen der strategischen Zusammenarbeit.
An dem Treffen sollten auch die Außenministerinnen Condoleezza Rice (Foto) und Tzipi Livni teilnehmen.
Ein Friedensabkommen wird nicht einfach. Vor Bushs Ankunft wurden neue Pläne für einen Siedlungsbau Israels im Westjordanland bekannt. Dabei dringen auch die USA darauf, dass Israel den Ausbau der Siedlungen stoppt.
So kam es an mehreren Straßensperren im Westjordanland zu Zusammenstößen hunderter Palästinenser mit israelischen Soldaten.
Parallel dazu hatte Bush bei einer Unterredung mit dem Staatspräsidenten Schimon Peres Israel als wahre Demokratie gewürdigt, die sich gegen die Kräfte des Terrors behaupten könne.
Bush nannte die Entwicklung Israels in den vergangenen 60 Jahren einen Grund zur Hoffnung auf einen demokratischen Wandel in der ganzen Region: "Was hier geschehen ist, ist überall möglich."

Trotz des anhaltenden Streits über den Siedlungsbau Israels hat US-Präsident Barack Obama eine Krise zwischen beiden Ländern zurückgewiesen und das besondere Verhältnis zueinander gelobt. "Uns verbindet mit dem israelischen Volk ein besonderes Band, das nicht verschwinden wird", sagte Obama im US-Sender Fox News. Einem Bericht der "New York Times" zufolge erwägt das Weiße Haus eine eigene Nahost-Strategie. Israel sei einer der "engsten Verbündeten" Washingtons, sagte Obama im Interview mit dem Fernsehsender. Jedoch hätten Freunde auch manchmal "unterschiedliche Ansichten". In diesem Fall seien sich beide Staaten uneinig darüber, wie der Nahost-Friedensprozess vorangebracht werden könne.

Siedlungsbau Affront gegen Washington

Washington hatte es als Affront empfunden, dass Israel ausgerechnet während eines Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden in der vergangenen Woche den Bau von 1600 neuen Wohnungen im annektierten Ostteil Jerusalems ankündigte. Wegen des Streits hatte der US-Sondergesandte George Mitchell am Dienstag kurzfristig seinen geplanten Besuch in Israel verschoben. Obama sagte am Mittwoch, die Ankündigung des Wohnungsbaus sei das Werk des israelischen Innenministeriums gewesen und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe sich dafür entschuldigt. Der US-Präsident rief zudem Israelis und Palästinenser auf, Anstrengungen zu unternehmen, um das "Vertrauen auf beiden Seiten wieder herzustellen".

Washington warte noch immer auf Reaktion

Wie die "New York Times" berichtete, erwägt das Weiße Haus offenbar eine eigene Strategie, um eine Basis für die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern zu schaffen. Dem Bericht zufolge sind US-Regierungsvertreter nach der Ankündigung der Baupläne durch Israel skeptisch, ob die israelische Regierung den Friedensprozess nach wie vor unterstützt. Der derzeitige Ansatz "funktioniert nicht und führt uns nirgendwohin", zitierte die Zeitung einen Regierungsvertreter. Das US-Außenministerium erklärte indes, Washington warte noch immer auf eine Reaktion Israels auf die Kritik am Siedlungsbau. Noch habe es kein Gespräch zwischen US-Außenministerium Hillary Clinton und Netanjahu gegeben, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Washington.

Israel will Siedlungsbau nicht stoppen

Israels Außenminister Avigdor Lieberman wies Forderungen der internationalen Gemeinschaft nach einem Baustopp als "völlig unangemessen" zurück. Israel verbiete auch den Arabern nicht, "Wohnungen in West-Jerusalem zu kaufen", sagte Lieberman bei einer Pressekonferenz mit EU-Außenministerin Catherine Ashton. Clinton traf unterdessen in Moskau ein. Dort sollte am Donnerstag und Freitag unter anderem das Nahost-Quartett, bestehend aus den USA, Russland, den Vereinten Nationen und der EU, zum Nahost-Konflikt tagen. Clinton will in Moskau zudem die Abrüstungsgespräche mit Russland voranbringen. Unmittelbar vor ihrem Besuch hatte das russische Parlament mit der Blockade des START-2-Vertrags zur atomaren Abrüstung gedroht.

(AFP, N24)

18.03.2010 08:45 Uhr

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