Wintersport: Biathlon

Beck und Hauswald machen Schluss

Neben Kati Wilhelm verliert der deutsche Biathlonsport zwei weitere Leistungsträgerinnen: Simone Hauswald und Martina Beck wollen künftig nicht mehr professionell die Skier unterspannen.

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Simone Hauswald und Martina Beck gewannen zuletzt Bronze in der 4x6-km-Staffel.
Faszination Biathlon: Die Sportart ist ein Phänomen.
Während anderen Wintersportarten die Sponsoren wegbrechen und die Zuschauer ausbleiben, sind die Biathlon-Rennen im Fernsehen ein Zuschauermagnet. Die Arenen - wie AufSchalke - prall gefüllt.
Der Sport fasziniert durch das Zusammenspiel von Natur und ...
... Sport oder anders ausgedrückt: ...
... dem Kampf Mann gegen Mann beziehungsweise Frau gegen Frau. Und das nicht nur ...
... mit Skiern auf der Strecke, sondern ...
... auch mit dem Gewehr am Schießstand.
Der Zuschauer ist hautnah dabei.
Ein weiterer Pluspunkt der Sportart: Die Stars der Szene kommen aus Deutschland und sind "zum Anfassen". Ein Autogramm der mehrfachen Weltmeisterin Martina Beck, ehemals Glagow, ist ...
... bei den Schlachtenbummlern ...
... genauso beliebt ...
... wie die bekannten Pins, die es an jedem Weltcup-Ort gibt.
Zur deutschen Dominanz in den vergangenen Jahren trugen etwa Stars wie Uschi Disl, ...
... Ricco Groß, ...
... Sven Fischer oder ...
... Superschütze Frank Luck ...
...ihr Scherflein bei. Zudem konnten sie in der Regel nach ihrem Karriereende adäquat ersetzt werden. Vor allem bei den Frauen stehen oft Deutsche auf dem Siegertreppchen - und da meist auf der obersten Stufe.
Neben den Thüringerinnen Kati Wilhelm (3x Olympiagold, 3x Weltmeistein), ...
... und Andrea Henkel (2x Olympiasiegerin, 6-fache Weltmeisterin) zählen vor allem ...
... Martina Beck (geb. Glagow; 3-fache Weltmeisterin) aus Garmisch-Partenkirchen und ...
... Magdalena Neuner aus Wallgau zu den absoluten Top-Stars.
Vor allem Magdalena Neuner (Spitzname "Gold-Lena") brachte dem Biathlon-Sport in Deutschland einen neuen Schub. In ihrer Debüt-Saison 2007/2008 wurde sie sowohl Doppel-Weltmeisterin bei den Juniorinnen, als auch Dreifach-Weltmeisterin bei den Frauen.
Neuner räumte in ihrer Debüt-Saison auch den Gesamt-Weltcup bei den Frauen ab. Und das trotz mäßiger Schießleistungen.
An Erholung war danach nur selten zu denken:
Neuner wurde zum "Juniorsportler des Jahres 2007" gewählt. Und auch ...
... die Auszeichnung zum "Sportler des Jahres 2007" erhielt die im Februar 1987 Geborene. Bei den Männern gewann Turner Fabian Hambüchen.
Auftritte in großen Fernseh-Shows waren die Folge.
Mit ihren Teamkolleginnen Andrea Henkel (M) und Kati Wilhelm (r.) ...
... war Neuner unter anderem 2008 bei "Wetten, dass ...?" in Erfurt.
Auf der Gästecouch saß damals auch Paris Hilton (l.).
Bei den Männern gewann mit Michael Greis 2006/2007 zuletzt ein Deutscher den Gesamt-Weltcup.
Der gebürtige Füssener wohnt seit Jahren in Nesselwang. Greis ist dreifacher Olympiasieger und Weltmeister.
Die Hauptkonkurrenten von Greis um die Weltcup-Einzel-, und um den Gesamtsieg kommen aus Russland und Norwegen. Stärkster Widersacher war in den vergangenen Jahren Ole Einar Björndalen.
Der Norweger gilt als der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Er gewann beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City alle vier ausgetragenen Biathlon-Wettbewerbe.
Mit Emil Hegle Svendsen erwächst Björndalen aber im eigenen Team bereits starke Konkurrenz.
Die deutschen Hoffnungen ruhen unter anderem auf Alexander Wolf (Oberhof), ...
... Michael Rösch (Zinnwald), ...
... Andreas Birnbacher, der für den SC Schleching startet, und ...
... dem Gräfenrodaer Daniel Graf.
Der Biathlon-Gesamtweltcup umfasst zehn Weltcup-Stationen und die WM, die in dieser Saison im südkoreanischen Pjöngjang stattfindet. Die Saisonhighlights sind dabei die Weltcup-Rennen in der Rennsteig-Arena in Oberhof (im Bild), ...
... in der Chiemgau-Arena in ...
... Ruhpolding und ...
... in Antholz (Italien).
Weltcup-Disziplinen sind dabei der Sprint, bei dem jeweils zwei Mal geschossen wird (je ein Mal liegend und stehend) und der bei den Frauen 7,5 Kilometer und bei den Männern 10 Kilometer lang ist. Gelaufen werden drei Runden - im sogenannten Skating-Stil.
Im Einzel geht es über 15 Kilometer bei den Frauen und 20 Kilometer bei den Männern. Es wird insgesamt vier Mal geschossen, jeweils zwei Mal liegend und stehend. Der Unterschied zum Sprint besteht darin, ...
... dass Fehlschüsse nicht mit Strafrunden sondern mit Strafminuten ausgeglichen werden. Im Einzel sind daher eher sichere Schützen bevorteilt, beim Sprint schnellere Läufer.
Eine weitere Weltcup-Disziplin ist die Verfolgrung. Dabei wird nach dem Einlauf und den Zeitabständen im Sprint gestartet: Der Sprint- oder Einzelsieger läuft als Erster los. Der Rest der Starter folgt in den jeweiligen Zeitabständen.
Bei der Verfolgung werden insgesamt fünf Runden gelaufen, es wird vier Mal geschossen - wieder jeweils zwei Mal liegend und stehend. Dasselbe Szenario gilt beim Massenstart-Wettbewerb. Allerdings starten hier die 30 Weltcupbesten gleichzeitig.
Königsdisziplin ist der Staffel-Wettbewerb. Jedes Land wird durch vier Athleten vertreten, die nacheinander ins Rennen gehen. Gelaufen werden jeweils drei Runden. Es wird ein Mal liegend und ein Mal stehend geschossen.
Bei Fehlschüssen darf insgesamt drei Mal nachgeladen werden. Sollte dann immer noch eine Scheibe nicht gefallen sein, muss eine Strafrunde pro Fehler gelaufen werden.
Der Staffel-Wettbewerb ist in etwa mit dem DFB-Pokal vergleichbar: Er hat seine eigenen Gesetze. Die Spannung bleibt meist bis zum letzten Läufer erhalten, da ein Patzer eines Starters durch die anderen aufgefangen werden kann.
Biathlon ist mehr als nur ein simpler Wintersport, Biathlon ist eine Frage der Konzentration und Nerven: Hat man sie im Griff, ...
... kann man den Sieg genießen!

Als Simone Hauswald nach dem fünften Weltcupsieg ihrer Karriere ins Ziel kam, war ihre Freundin Martina Beck als erste Gratulantin zur Stelle und fiel der 30-Jährigen um den Hals. Viele Jahre sind Hauswald und Beck zusammen durch die Biathlon-Welt gereist, gemeinsam gaben sie nun auch das Ende ihrer Karrieren bekannt. "Ich denke, das ist der richtige Zeitpunkt", sagte Hauswald in der ARD, nachdem sie im Sprint über 7,5 Kilometer ihren zweiten Saisonsieg gefeiert hatte. "Der Leistungssport hat uns soviel gegeben, doch irgendwann muss einfach Schluss sein", meinte Beck, die auf Platz 13 kam.

Nach der dreimaligen Olympiasiegerin Kati Wilhelm, die in der vergangenen Woche das Ende ihrer so erfolgreichen Laufbahn bekanntgegeben hatte, legen damit zum Ende dieser Weltcup-Saison zwei weitere Spitzenathletinnen einer außergewöhnlichen Biathlon-Generation Gewehr und Skier in die Ecke. "Ich will meine berufliche Karriere jetzt vorantreiben, außerdem steht auch die Familienplanung an", sagte Hauswald, die im Ziel nach 20:42,4 Minuten 4,9 Sekunden auf die Weisrussin Darja Domratschewa hatte. Rang drei belegte die Schwedin Anna Carin Olofsson-Zidek.

"Nun ist der Moment gekommen"

Spätstarterin Hauswald errang ihren größten Erfolg bei Weltmeisterschaft in Südkorea im vergangenen Jahr, als sie im Sprint Silber gewann. Ausgerechnet in der Heimat ihrer Mutter gelang der Gosheimerin damit der Durchbruch. In diesem Winter holte die Sprint-Spezialistin in Oberhof den ersten Saisonsieg für die so erfolgsverwöhnten Frauen, mit dem sie zu Beginn des Jahres viel Druck vom Team nahm. "Es ist einfach super, dass es jetzt noch einmal so gut läuft und ich ganz oben auf dem Treppchen stehe", sagte Hauswald in Oslo.

Zusammen mit Beck und Wilhelm sowie Andrea Henkel hatte sie bei den Winterspielen in Kanada noch einmal die Bronzemedaille gewonnen. "Ich habe mir die Sache natürlich lange überlegt, doch ich denke, nun ist der Moment gekommen", sagte die Sportsoldatin.

Olympia als schöner Schlusspunkt

Beck feierte ihre größten Erfolge noch unter ihrem Mädchennamen Glagow. Bei den Olympischen Spielen in Turin gewann die Frohnatur vor vier Jahren Silber im Einzel und in der Verfolgung und feierte auch in der Staffel einen tollen zweiten Platz. Bei den diesjährigen Winterspielen in Kanada erlebte die dreimalige Weltmeisterin ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem es in den Einzeldisziplinen nicht nach Wunsch gelaufen war, profitierte die Mittenwalderin vom Staffel- Verzicht von Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner und feierte mit dem Gewinn der Bronzemedaille einen traumhaften Abschluss ihrer Karriere.

"Die Medaille in Vancouver war für mich noch einmal die Erfüllung eines sportlichen Traums", sagte Beck. Nach Olympia hatten sowohl Hauswald als auch Beck ihre Zukunft noch offen gelassen und mit einer Fortsetzung ihrer Karrieren bis zu den Heimweltmeisterschaften in Ruhpolding 2012 spekuliert. "Natürlich haben wir uns lange Gedanken darüber gemacht, aber irgendwann ist der Moment gekommen", sagte Beck.

Im kommenden Winter wird der Fokus nach den Rücktritten des Erfolgstrios Wilhelm, Beck, Hauswald umso mehr auf Neuner gerichtet sein. Die 23-Jährige musste sich am Donnerstag nach zwei Patzern im Stehend-Schießen mit Platz sechs begnügen, baute ihre Führung in der Gesamtweltcupwertung aber weiter aus, weil ihre schärfste Konkurrentin Helena Jonsson aus Schweden nur Rang 24 belegte. Wilhelm wurde im ersten Rennen im neuen Holmenkollen-Stadion Zehnte, Henkel 14. Kathrin Hitzer als 17. und Tina Bachmann als 18. komplettierten das tolle Ergebnis aus deutscher Sicht.

(dpa, N24)

18.03.2010 13:26 Uhr

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