Nach Polizisten-Tod

Ministerium prüft Rockerbanden-Verbot

Rheinland-Pfalz will sich möglicherweise für ein deutschlandweites Verbot von Rockerbanden einsetzen. Die Gewerkschaft der Polizei pflichtet den Plänen bei. Andere sehen eher Risiken.

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Rockerbanden wie "Hells Angels", "Bandidos" oder "Outlaws" könnten bald verboten werden. Derzeit prüft das Bundesland Rheinland-Pfalz entsprechende juristische Möglichkeiten.
Der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC) wurde am 17. März 1948 in Fontana (Kalifornien), San Bernardino County, von Veteranen des Zweiten Weltkriegs gegründet.
Unter der Führung von Ralph Sonny Barger schlossen sich ab 1. April 1957 in Oakland (Kalifornien) weitere Clubs unter diesem Label zusammen,…
…im Verlauf der 1960er Jahre dehnte sich die Gruppe zunächst über die USA, dann auch auf andere Kontinente aus.
1969 gerieten die Hells Angels in die Schlagzeilen. Bei einem Konzert der Rolling Stones, im nordkalifornischen Altamont, fungierten sie als Ordner - vier Menschen kamen zu Tode.
Der 18-jährige Meredith Hunter wurde direkt vor der Bühne von einem Mitglied der Hells Angels erstochen - angeblich in Notwehr.
Als Gründer der ersten Hells-Angels-Gruppe 1970 in Europa gilt "Tino" (Martin Schippert). Standort des Clubs war die Schweiz. Hier ein Bild von Hells Angels in Amsterdam.
Im norddeutschen Raum formierte sich Ende der 1960er Jahre eine Rocker-Gruppe, die 1973 in Hamburg die erste Gebietsvertretung der Hells Angels in Deutschland gründete.
Ihren eigenen Angaben zu Folge sind die Grundwerte der Hells Angels: Ehrlichkeit - Zuverlässigkeit - Respekt - Freiheit.
Der Name war ursprünglich der Titel eines Howard-Hughes-Films, "Hell's Angels", über Flugpioniere der britischen Royal Flying Corps im Ersten Weltkrieg. Im zweiten Weltkrieg benannte sich eine Bomberstaffel der US Army Air Force "Hell’s Angels".
Als Rückenaufnäher verwendet der Motorrad-Club einen Totenkopf mit Flügeln, der als "Deathhead" bezeichnet wird. Der Schriftzug erscheint in den Club-Farben, rot auf weiß.
Durch die immer wieder nachgewiesene Nähe einzelner Mitglieder wie ganzer Untergruppierungen (Chapter) zur organisierten Kriminalität, wurden die Angels weltweit zu eine der umstrittensten Biker-Vereinigungen.
In Deutschland sind die Hells Angels seit 1983 in Hamburg und seit 2001 in Düsseldorf als kriminelle Vereinigungen verboten.
Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Vereinigung sind immer gleich: Drogen, unerlaubter Waffenbesitz, Gewalt und Prostitution.
Auf dem Höhepunkt ihrer Macht, im Sommer 2000, beliefen sich die monatlichen Bordellumsätze der Hamburger Gruppe auf 150.000 Euro.
Nachdem ein führendes Angels-Mitglied eine Frau verprügelte, zeigte sie ihn bei der Polizei an; am 1. November 2000 rückten 400 Polizisten zur Großrazzia an und verhafteten die Hamburger Führungsriege der Vereinigung.
Der erste große Prozess gegen den Club in Deutschland beginnt. Hauptangeklagter in dem Prozess ist Michael F., neben ihm weitere sechs Mitglieder der Angels. Ihnen wird Menschenhandel, Zuhälterei, räuberische Erpressung und Körperverletzung vorgeworfen.
In Skandinavien liefern sich, die seit den 1990er Jahren rivalisierenden Motorrad-Clubs, Hells Angels und Bandidos, einen regelrechten "Rockerkrieg" mit vielen Toten.
Der mörderische Konkurrenzkampf um Drogen- und Waffenhandel und Zuhälterei wird mit Handgranaten, Maschinenpistolen und Raketenwerfern ausgetragen.
1996 wurde der Vizepräsident der Bandidos in Helsinki von Hells Angels ermordet. Die Bandenkriege setzten sich bis heute fort und haben Skandinavien längst verlassen.
Im Mai 2007 kommt es in Ibbenbüren (Münsterland) zur Ermordung eines 47-jährigen Mitgliedes der Hells Angels. Der Prozess gegen zwei tatverdächtige Bandidos-Mitglieder wird am 17. Dezember 2007 am Landgericht Münster eröffnet.
Rund um den Prozessauftakt kommt es in Münster zu einer Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern beider Clubs. Ein Mitglied der Bandidos wird dabei schwer verletzt.
Im weiteren Verlauf wird der Prozess von starken Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Um etwaigen Befreiungsversuchen durch die Bandidos vorzubeugen, werden den Angeklagten schon während des Transportes Augen und Ohren verbunden.
Video: Nach Polizistenmord - Haftbefehl gegen Hells-Angels-Mitglied
Video: Tödliche Schüsse - Hells-Angels-Mitglied erschiesst SEK-Polizist

Nach dem tödlichen Schuss eines "Hells Angels" auf einen SEK-Beamten in Rheinland-Pfalz ist eine Diskussion um ein Verbot von Rockerbanden entbrannt. Während die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein Verbot als "richtige Zielrichtung" bezeichnete, warnte die Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Mainz vor einem solchen Schritt. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Karl Peter Bruch (SPD) prüft sein Ministerium derzeit unter anderem die Frage, ob ein Verbotsverfahren möglich ist. "Ein Verbot ergibt aber nur Sinn, wenn es länderübergreifend ist", sagte Bruch in Mainz.

Am Mittwoch hatte ein Mitglied der Bonner "Hells Angels" in Anhausen ohne Warnung zweimal durch eine geschlossene Eingangstür gefeuert, als das Spezialeinsatzkommando (SEK) in seine Wohnung eindringen wollte. Mindestens ein Schuss traf den 42-jährigen Beamten und verletzte ihn so schwer, dass der Mann starb. Der Schütze sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. "Nach meinen Informationen ist bei dem Einsatz alles nach Vorschrift gelaufen", betonte Bruch. Die Polizei wollte die Wohnung des 43-jährigen Rockers durchsuchen, da gegen ihn wegen Aktivitäten im Rotlichtmilieu ermittelt wird.

Fortbestand im Untergrund?

Trotz des tragischen Vorfalls warnt die Deutsche Polizeigewerkschaft in Mainz vor einem Verbot von Rockerbanden. "Wenn wir nicht mehr wissen, wo die Leute sind und in welchen Clubs sie sind, erschwert das eher die Arbeit der Beamten, als dass es ihnen dabei hilft", sagte der DPolG-Landesvorsitzende Werner Kasel. Bei einem Verbot solcher Rockerclubs müsse man damit rechnen, dass deren Mitglieder abtauchen oder neue Clubs gründen. Dagegen forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Radiosender SWR3 ein Verbot von Rockerbanden. Nach den Worten ihres Bundesvorsitzenden Konrad Freiberg ist dies bislang aber an rechtlichen Schwierigkeiten gescheitert. Bei Straftaten bemühten sich etwa die "Hells Angels" immer wieder auch mit Hilfe von Anwälten, kriminelle Aktionen als Handlungen von Einzeltätern darzustellen.

Freiberg forderte, es müsse bundesweit ermittelt werden, um nachweisen zu können, dass solche Organisationen strategisch gesteuert würden. Innenminister Bruch betonte: "Bereits seit längerem diskutieren die Innenminister der Länder weitergehende Maßnahmen gegen kriminelle Rocker." In Rheinland-Pfalz sind dem Ministerium rund 300 Angehörige von Rockerbanden bekannt. Bis zur nächsten Innenministerkonferenz werde in seinem Ministerium nun sehr sorgfältig untersucht, welche Maßnahmen möglich sind. Der SEK-Beamte trug bei dem Einsatz zwar eine Schutzweste, doch die Kugel traf ihn von der Seite. Bruch betonte: "Unter der Achsel ist die einzige Stelle, wo sie eine Schutzweste nicht sicher kriegen."

(dpa, N24)

18.03.2010 16:00 Uhr

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