Der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan ist dem Vorwurf entgegengetreten, er habe nur unzureichende Informationen über den umstrittenen Luftangriff bei Kundus weitergegeben. Dies gelte auch für den Feldjägerbericht zu dem Vorfall, sagte Schneiderhan vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags in Berlin. Zugleich bestätigte er die Existenz einer "Gruppe 85", die Medienberichten zufolge versucht haben soll, NATO-Ermittlungen zu dem Angriff zu beeinflussen. Nach Schneiderhan wurde Ex-Staatssekretär Peter Wichert vor dem Ausschuss befragt.
Die "Gruppe 85" war laut "Spiegel Online" wenige Tage nach dem Angriff von Kundus unter Leitung Wicherts im Verteidigungsministerium eingerichtet worden, um die Ermittlungen der NATO zu dem Fall zu beeinflussen. Dem Bericht zufolge sollte über ein deutsches Mitglied in der NATO-Untersuchungskommission genau in Erfahrung gebracht werden, was dort recherchiert wurde und wie der NATO-Bericht im deutschen Interesse beeinflussen könnte. Ziel sei es gewesen, Fehler im Fall Kundus zu verschleiern. Bei dem Angriff waren bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter Frauen und Kinder.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Schneiderhan und den damaligen Verteidigungs-Staatssekretär Wichert im vergangenen November mit der Begründung entlassen, sie hätten ihm wichtige Akten zu dem Angriff bei Kundus am 4. September vorenthalten.
Schneiderhan sagte dazu, Guttenberg habe sowohl der Abschlussbericht der internationalen ISAF-Truppe als auch ein Bericht des Roten Kreuzes vorgelegen. "Damit war der Minister urteilsfähig." Für sein Urteil sei er jedoch dann "selbst zuständig".
Keinesfalls habe er Berichte verheimlicht oder unterschlagen, betonte der Ex-General. Er äußerte sich tief betroffen über solche gegen ihn erhobene Vorwürfe. Auch habe Guttenbergs Vorgänger, der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den Bericht zwar nicht selbst gelesen, er, Schneiderhan habe ihm aber aus dem Bericht vorgetragen.
Wichert sagte, dem Verteidigungsministerium hätten bereits am 7. September, drei Tage nach dem Luftangriff klare Hinweise darauf vorgelegen, dass unbeteiligte Zivilisten unter den Opfern waren. All diese Informationen seien umgehend auch an das Kanzleramt sowie die Obleute des Verteidigungsausschusses weitergeleitet worden.
(AFP)
18.03.2010 21:21 Uhr









