Artenschutz gescheitert

Thunfisch und Eisbär werden weiter gejagt

Sie gelten als bedrohte Arten und dürfen dennoch weiter gejagt werden. Bei einer Konferenz in Doha scheiterte der Schutz beider Tierarten an kommerziellen Interessen, wie Tierschützer kritisieren.

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Blauflossen-Thunfisch und Eisbären dürfen weiter gejagt werden. Beide Tierarten gelten als gefährdet.
Jetzt beginnt auf Prince Edward Island in Kanada wieder die offizielle Robbenjagd, bei der von der kanadischen Regierung 275.000 Tiere zum Töten freigegeben worden sind.
Diese Robbe wird in diesem Jahr wohl verschont bleiben: Jungtiere dürfen erst getötet werden, sobald sie ihr weißes Fell wechseln.
Die „Regularien“ des Gemetzels sind zwar verschärft worden, so müssen die Jäger durch drei unterschiedliche Tests vor der Häutung den Tod des Tieres garantieren:
Sie sollen den sogenannten Blinzelreflex testen, die Zerstörung der Schädeldecke prüfen und eine Schlagader durchtrennen, um die Robbe ausbluten zu lassen.
Tierschützer vom Internationalen Tierschutz-Fond (IFAW) argumentieren aber, dass die Regeln bei der Robbenjagd bisher kaum beachtet werden. Die verletzten Tiere werden demnach an Stahlhaken zu Sammelstellen gezogen….
… hier gehäutet und häufig erst anschließend getötet.
Vor der kanadischen Botschaft in Berlin protestieren schon 2007 Tierschützer gegen die Robbenjagd mit Pickel, Kunstblut und Eis.
Einige legen sich fast nackt und mit Kunstblut überströmt vor die kanadische Vertretung
Die Jäger verfolgen Robben mit kleinen, wendigen Booten durch das Packeis.
Auf den Eisschollen ruhen sich die Robben häufig mit ihren Jungtieren aus. Die arglosen Säuger ergreifen selten die Flucht und sind so leichte Beute für die Jäger.
Abnehmer für die Seehundprodukte sind Norwegen, Russland und China. Die EU hat den Import des weißen Fells von Robbenbabys 1983 verboten. In Deutschland werden seitdem kaum noch Robbenfelle gehandelt.
Auch in diesem Jahr werden die Proteste gegen das abschlachten der jungen Robben wohl ohne Konsequenzen bleiben.

Für den Blauflossen-Thunfisch und für Eisbären wird es auch künftig kein Handelsverbot geben. Die Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) lehnte in Doha entsprechende Anträge ab. Dem von Monaco eingereichten Antrag zum Schutz des Thunfischs widersetzten sich unter anderem Japan und Kanada. Unterstützt wurde das Handelsverbot von den USA, Norwegen und Kenia. Die EU hatte gefordert, das Verbot erst ab Mai 2011 umzusetzen. Tierschützer äußerten sich enttäuscht.

"Kommerzielle Interessen der Fischerei-Industrie haben wieder einmal über den Schutz der Meerestiere gesiegt", sagte eine Sprecherin der Organisation Pro Wildlife. Eine Sprecherin des World Wide Fund for Nature (WWF) sprach von einer Schande und einem Kniefall vor Wirtschaftsinteressen. Das Votum setze "den König der Meere" dem Untergang aus, sagt Karoline Schacht, WWF-Fischereiexpertin. Der Blauflossen-Thunfisch, auch Roter Thun genannt, wird vor allem nach Japan exportiert, wo sein dunkelrotes Fleisch begehrter Bestandteil von Sushi ist. Die Bestände sind wegen Überfischung stark dezimiert. Umweltschützer warnen, dass der Blauflossen-Thunfisch vom Aussterben bedroht ist.

Kanada verhindert Eisbären-Schutz

Die USA hatten beantragt, den Verkauf von Fellen und Körperteilen der Eisbären zu untersagen, da das Abschmelzen des Polareises die Spezies schon genug bedrohe. Vor allem Kanada und Grönland sprachen sich gegen ein Verbot aus. Die Verbotsgegner wendeten ein, dass die Jagd - vor allem durch Ureinwohner in Kanada und Grönland - kaum eine Gefahr für das Überleben der Art darstelle. Tierschützer kritisierten die Entscheidung und machten die EU für das Scheitern verantwortlich.

"Heute ist ein schwarzer Tag für den Eisbären", sagte Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Ein Handelsverbot hätte ihrer Ansicht nach jedes Jahr hunderten Eisbären das Leben retten können. Doch die 27 EU-Staaten hätten einheitlich gegen den Antrag gestimmt und damit den Ausschlag gegeben. "Die Eisbären sind durch den Klimawandel akut gefährdet", sagte Freyer. Mit jedem abgeschossenen Tier wachse die Gefahr, dass die gesamte Art aussterbe.

Nur noch 25.000 Tiere

Eisbären gelten als Symbol für die Folgen des Klimawandels. Der Bestand wird weltweit auf 20.000 bis 25.000 Tiere geschätzt, die meisten leben in Kanada. Laut Pro Wildlife wurden allein dort in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3.300 Eisbären erlegt. Nur in Kanada und Grönland sei die Jagd grundsätzlich erlaubt. Die Konferenz der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) dauert noch bis zum 25. März.

(APN, N24)

18.03.2010 16:59 Uhr

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