Kannibale mit Facelift

Facegelifteter Skoda Fabia im Test

Die neue Fabia-Version weckt wieder den alten Kannibalismus-Verdacht: Kommt der Skoda mit den neuen Motoren sowie dem DSG dem VW Polo zunahe? Ziehen die Preise an? Wir haben den Tschechen getestet.

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Skoda Fabia: Moderates Facelift und Antriebstechnik aus dem VW Polo
Seitlich ist der neue Fabia kaum vom alten zu unterscheiden
Wie bisher ist der Fabia ausschließlich als Fünftürer zu haben
Der 1.2 TSI gehört zu den neuen Motoren im Fabia
Optisch kann der Fabia dem neuen VW Polo nicht das Wasser reichen
Die A-Säulen sind nach wie vor hinter schwarzem Lack versteckt
Gegenüber dem Vorgänger haben sich die Leuchten und die Frontschürze geändert
Schmal und hoch: Die Proportionen sind noch immer gewöhnungsbedürftig
Innenraum: Instrumente und viele andere Elemente sind unverändert
Die Luftausströmer sind bei den gefahrenen tschechischen Versionen nicht mit Chrom umrandet
Der 1.2 TSI mit 86 PS verbraucht laut Skoda 5,2 Liter auf 100 Kilometer - unser Bordcomputer zeigte jedoch gleich 8,3 Liter an
Einen Tempomaten gibt es gegen Aufpreis
Alle Fabia werden serienmäßig mit Fünfgang-Schaltung ausgestattet
Im dreisitzigen Fond gab es bisher serienmäßig nur zwei Kopfstützen
Wie bei der alten Version: Die etwas primitive Umklappvorrichtung
Nach dem Umklappen bleibt eine kleine Stufe, aber mit der kann man gut leben
Bisher war beim Fabia die asymmetrisch geteilte Rückbank in der Basisausstattung nicht Serie
Maximal passen 1.180 Liter in den Fabia - ein guter Wert für einen Kleinwagen
Ein Plastikteil hilft, Kleinteile an ihrem Platz zu halten
Bei fünfsitziger Konfiguration passen 315 Liter hinein - kaum weniger als beim VW Golf (350 Liter)
Zu den Neuerungen gehört unter anderem die Form der Nebelscheinwerfer
Auch der Fabia Combi bekommt das neue Gesicht
Der Combi fasst noch mehr Gepäck als schon die Limousine
Die große Karosserievariante kostet nur 600 Euro Aufpreis
Deutlich geräumiger: 505 Liter schon in der Normalkonfiguration (Golf Variant: Ebenfalls 505 Liter)
Nach dem Umklappen passen 1.485 Liter rein (Golf Variant: 1.495 Liter)
Auch der Roomster bekam das neue Gesicht. Er ist ab 13.150 Euro zu haben
Den stets fünftürigen Fabia gibt es bereits ab 10.580 Euro - ein VW Polo kostet mindestens 12.150 Euro
Nun gibt es auch das Doppelkupplungsgetriebe DSG im Fabia
Skoda Fabia: Moderates Facelift und Antriebstechnik aus dem VW Polo

Athen, 18. März 2010

Der böse Verdacht des Kannibalismus hängt immer in der Luft, wenn die Rede von Skodas Autos ist. Unter Kannibalisierung verstehen Wirtschaftsfachleute, wenn die Gefahr droht, eigene Kunden abzuwerben. Und die bestand und besteht bei Skoda in der Tat. Wenn wir nach einem günstigen Kleinwagen gefragt werden, antworten wir schon seit Jahren oft: Skoda Fabia. Denn da bekommt man Technik aus dem VW-Konzern zu günstigen Preisen. Aber stimmt dieses Urteil noch? Mit der im Juni 2010 startenden Facelift-Version des Kleinwagens stellt sich diese Frage wieder einmal. Denn der neue Fabia erhält eine Menge Polo-Technik. Wir haben die neuen Downsizing-Motoren 1.2 TSI und 1.2 TDI gefahren.

Kaum emotionaler

Der Fabia erhält ein neues Gesicht, das das Auto durch horizontale Linien in die Breite drücken soll. Laut Skoda ist das Auto sogar "emotionaler" geworden. Doch gerade im Vergleich zum sehr gelungenen, neuen VW Polo ist der Fabia optisch immer noch wesentlich weniger attraktiv. Für den Fabia entscheidet man sich wohl auch in Zukunft erst nach einem Blick in die Preisliste. Die beginnt nun bei 10.580 Euro für das 60-PS-Basismodell, kein großer Aufschlag zu den 10.320 Euro, die bisher verlangt wurden. Hier ist der Abstand zum Polo ebenfalls deutlich: Der ist mit dem gleichen Motor in fünftüriger Ausführung - die beim Skoda nach wie vor die einzig erhältliche ist - rund 2.300 Euro teurer.

Sprit sparender Dreizylinder-Diesel

Näher rückt der Fabia dem Polo durch die nun eingeführte Technik. So gibt es jetzt die neuen VW-Motoren 1.2 TDI, 1.2 TSI und 1.6 TDI und auch das Siebengang-DSG ist verfügbar. Wir fuhren zuerst den 1.2 TDI, einen Dreizylinder-Diesel mit 75 PS. Der Motor ist auch im VW Polo verfügbar, und zwar in der Spritsparvariante BlueMotion. Der soll mit 3,3 Liter Sprit auf 100 Kilometer auskommen und qualifiziert sich damit - zusammen mit dem deutlich kleineren Smart Fortwo 0.8 cdi - zum Auto mit dem geringsten Verbrauch auf dem Markt.

Jetzt alle Motoren mit Euro 5

Sparsam ist der kleine Diesel auch im Fabia, dort werden allerdings 3,8 Liter auf 100 Kilometer angegeben - immer noch wenig, aber nicht mehr rekordverdächtig. Wir verbrauchten auf unserer Ausfahrt laut Bordcomputer 5,4 Liter pro 100 Kilometer. Das Aggregat hält, wie nun alle Fabia-Motoren, die Euro-5-Abgasnorm ein und wird serienmäßig mit Partikelfilter kombiniert.

Angemessen, aber nicht viel mehr

Ist der Fabia mit dem Einstiegsdiesel angemessen motorisiert? Das auf jeden Fall. Auch 75 PS reichen aus, das Auto in Schwung zu versetzen, auch wenn sich kein Beschleunigungsrausch einstellt. Laut Datenblatt arbeitet der Fabia 1.2 TDI 14,2 Sekunden, bis er Referenztempo erreicht hat. Sportliche Fahrer lächeln müde, aber für große Teile der Kundschaft dürfte es ausreichend sein. Das Drehmoment erreicht 180 Newtonmeter, das aber nur bei 2.000 Touren - bei 3.000 U/min sind es nur noch etwa 160 Newtonmeter. Der leicht raue und im oberen Tourenbereich etwas laute Lauf des Diesels hat uns wenig gestört. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 166 km/h erreicht. Hier wünscht sich vielleicht so mancher mehr, obwohl es ja auch Fahrer gibt, die grundsätzlich nicht schneller als 140 km/h fahren.

1.2 TSI mit 86 PS

Unser nächster Testkandidat war der 1.2 TSI, ebenfalls ein Downsizing-Aggregat, aber ein Vierzylinder mit Turboaufladung. Im Polo gibt es das Maschinchen ausschließlich in einer 105-PS-Version - darunter rangiert noch der alte 1,4-Liter-Sauger mit 85 PS. Im Fabia gibt es den TSI dagegen in zwei Varianten, mit 86 und mit 105 PS. Wir entschieden uns für die kleinere Variante. Sie liefert 160 Newtonmeter Drehmoment, und damit 20 Einheiten weniger als der gefahrene Diesel. Die Kraft steht allerdings von 1.500 bis 3.500 Touren konstant zur Verfügung. So braucht man mit dem Benziner nicht so eifrig zu schalten wie beim Diesel, dessen Maximaldrehmoment bei höheren Drehzahlen schnell wieder zurückgeht. Beim Tempo-100-Sprint (11,7 Sekunden) und bei der Höchstgeschwindigkeit (177 km/h) übertrifft der Benziner den Selbstzünder ebenfalls. Den Spritverbrauch gibt Skoda mit 5,2 Liter an - damit liegt das Auto gut in dieser Kleinwagen-Leistungsklasse. Ein gleich starker Opel Corsa rangiert schon bei 5,5 Liter, ein Ford Fiesta bei 5,7 Liter. Ob sich die Herstellerwerte allerdings auch in der Praxis erreichen lassen? Nach unserer Ausfahrt standen gleich 8,3 Liter auf dem Bordcomputer-Display.

Siebengang-DSG für etwa 1.400 Euro?

Apropos Schaltung: Serie ist wie bei allen Fabia-Versionen eine Fünfgang-Schaltung. Optional gibt es für die 105 PS starke 1.2-TSI-Version das erwähnte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Anders als die Variante mit sechs Gängen arbeitet sie mit Trockenkupplungen, was zu einem geringeren Spritverbrauch führt. Trotz der zwei Gangstufen mehr im Vergleich zum manuellen Getriebe sinkt der Spritverbrauch bei der DSG-Variante jedoch nicht, sondern ist der gleiche wie bei der Schaltversion. Der Aufpreis ist noch nicht bekannt, doch beim Polo kostet das DSG 1.300 Euro, beim Octavia 1.700 Euro. Schaltwippen am Lenkrad wird es wie beim Polo wohl nicht geben.

Straffes, etwas unkomfortables Fahrwerk

Das Fahrwerk ist wie bisher schon recht straff ausgelegt, wobei der Komfort auf schlechtem Belag zuweilen etwas auf der Strecke bleibt. Die von uns gefahrenen Autos besaßen Sitze mit unterschiedlichem Seitenhalt - von mäßig bis hervorragend. Der Kofferraum bietet 315 bis 1.180 Liter Volumen - etwas mehr als die alte Fabia-Version und für einen Kleinwagen sehr gute Werte. Innen gibt es hier und da hinterschäumte Oberflächen, aber im Großen und Ganzen erscheint das Cockpit etwas lieblos. Die gefahrenen tschechischen Ausstattungen besitzen zum Beispiel schmucklose Luftausströmer und nicht chromumrahmte, wie sie die Pressemitteilung anpreist. Die Handgriffe am Dach sind nicht gedämpft und der DSG-Wahlhebel ist ganz aus schwarzem Plastik. Ob die deutsche Version hochwertiger ist, muss man abwarten.

Ausstattung noch nicht bekannt

Auch die sonstige Ausstattung bleibt einstweilen noch im Dunklen. Angeboten werden wie bisher eine namenlose Basisausstattung sowie die Versionen Classic, Ambiente, Sport und Elegance. ESP ist nun bei allen Varianten Serie, während es bisher in der Grundversion 300 Euro kostete. Ansonsten war die alte Version auch für einen Kleinwagen dürftig ausgestattet. Sie besaß serienmäßig sechs Airbags, aber nur vier Kopfstützen und weder eine geteilte Rückbank noch eine Zentralverriegelung noch elektrische Fensterheber - von Klimaanlage oder CD-Radio ganz zu schweigen. Unsere Testwagen sind auch mit dem relativ günstigen Fünf-Zoll-Navigationssystem, einem Reifendruck-Kontrollsystem sowie einer Schnittstelle für iPods und Aux-Eingang ausgestattet - diese Elemente gibt es wohl optional. Ein Tagfahrlicht wurde in die Nebelscheinwerfer integriert. Wie bisher gibt es gegen Aufpreis ein weißes oder silberfarbenes Dach. Der Grundpreis für den Fabia beträgt wie erwähnt 10.580 Euro. Die Preise für die gefahrenen Versionen stehen noch nicht fest.

(Autonews)

18.03.2010 11:27 Uhr

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