Mitschuld an Srebrenica?

US-General: Schwule schwächen Kampfmoral

Ein US-General hat bei einer Anhörung für Empörung gesorgt. Er behauptete, zu dem Srebrenica-Massaker sei es gekommen, weil die Moral der holländischen Truppe durch Schwule geschwächt gewesen sei.

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Bei dem Massaker von Srebrenica wurden rund 8.000 Muslime von bosnisch-serbischen Soldaten getötet. Die holländischen UN-Friedenstruppen zogen sich zuvor nach Drohungen zurück.
Nach fast 13 Jahren auf der Flucht: Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist gefasst. Heute trägt er weißes Haar und Vollbart - die perfekte Tarnung.
Vorher (1994, r.) - nachher (2008): Karadzic hat eine komplett neue Identität angenommen. Unter dem Namen "Dragan Dabic" arbeitet er in einer privaten Arztpraxis in Belgrad. So konnte er lange Jahre unerkannt bleiben.
1992 seine große Stunde: Die Vereinten Nationen erkennen Bosnien als unabhängigen Staat an, Karadzic erklärt sich zum Präsident der Serbenrepublik in Bosnien.
Er verfolgte den Traum von Großserbien. Dem Ziel der Vereinigung der Serben-Gebiete in Kroatien und Bosnien mit dem "Mutterland" Serbien ordnete er alles unter - und verfolgt es auch mit militärischer Gewalt.
An seiner Seite: Militärchef Ratko Mladic (l., Foto aus dem Jahr 1993). Auch er wird als Kriegsverbrecher gesucht und war der Schlüssel zur Festnahme von Karadzic. Denn eigentlich waren die Ermittler auf Mladics Spuren.
In Serbien werden die beiden zum Teil immer noch als Volkshelden verehrt - hier eine Uhr mit der Aufschrift "Serbian Heroes" - Serbische Helden (Foto aus dem Jahr 2005).
Zwischen 1992 und 1995 belagern Truppen der bosnischen Serben die bosnische Hauptstadt Sarajevo 44 Monate lang. Es gibt viele Tote (hier ein Friedhof in Sarajevo).
In dem Bosnienkrieg töten Soldaten der bosnischen Armee Tausende Muslime. Ab 1995 wacht die Internationale Friedenstruppe (IFOR) über die Situation im ehemaligen Jugoslawien.
Karadzic wird beschuldigt, die dabei vorgenommenen "ethnischen" Säuberungen und Übergriffe auf bosnische und kroatische Zivilisten geplant und befohlen zu haben. 1996 taucht er unter.
Seine Frau Ljiljana Zelen-Karadzic ruft ihn mehrmals öffentlich dazu auf, sich zum Wohle seiner Familie zu ergeben (hier 2005).
Karadzic reagiert nicht, bleibt weiter unentdeckt - und veröffentlicht 2005 sogar einen Gedichtband in Serbien.
Doch er wird weiter gesucht, insbesondere wegen des Massakers von Srebrenica. Es gilt als das schwerste in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Internationale Gerichtshof und das UN-Kriegsverbrechertribunal stuften es als Völkermord ein.
22. Juli 2008: Ausgelassene Freude in Sarajevo...
...Serbische Ermittler verkünden die Festnahme des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic.

Ein früherer US-General hat in den Niederlanden heftige Empörung mit der Behauptung ausgelöst, das Massaker von Srebrenica sei wegen des Einsatzes von Homosexuellen bei den holländischen UN-Friedenstruppen nicht verhindert worden. Derartige Vorwürfe des einstigen NATO-Kommandeurs John Sheehan seien "völliger Unsinn", erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Der niederländische Botschafter in Washington wies die Behauptungen im Namen seiner Regierung zurück.

Sheehan hatte am Vortag bei einer Senatsanhörung in den USA dargelegt, die Kampfmoral der niederländischen Truppe sei wegen der Anwesenheit schwuler Soldaten zu gering für eine Verteidigung von Srebrenica gewesen. Der 1997 pensionierte General wurde zu Fragen über eine mögliche Zulassung von Homosexuellen zum Dienst in den US-Streitkräften angehört.

Schwule "Teil des Problems"

Die Muslim-Enklave Srebrenica war 1995 im Balkan-Krieg von Niederländern bewacht worden. Sie waren in der Unterzahl und hatten kein Kampfmandat des UN-Sicherheitsrates. Nach Angriffsdrohungen zogen sich die holländischen Blauhelmsoldaten zurück. Daraufhin eroberten bosnisch-serbische Streitkräfte Srebrenica und töteten rund 8.000 muslimische Männer und Jungen. Die UN bewerten das Verbrechen als Völkermord.

Bei der Senatsanhörung erklärte Sheehan vor laufenden Kameras, der damalige niederländische Stabschef Henk van den Breemen habe ihm gesagt, Schwule in seiner Armee seien in Srebrenica "Teil des Problems" gewesen. Die Behauptung sei "schlichtweg albern", hieß es im niederländischen Verteidigungsministern. "Das Massaker von Srebrenica und die Rolle der UN-Soldaten sind durch die Niederlande, internationale Organisationen und die Vereinten Nationen intensiv untersucht worden", sagte Ministeriumssprecher Roger van de Wetering. "Dabei wurde niemals festgestellt, dass die sexuelle Orientierung von Soldaten irgendeine Rolle spielte."

(dpa, N24)

19.03.2010 10:01 Uhr

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