Friedenstaube überreicht

Merkels Türkei-Besuch beginnt versöhnlich

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit Recep Tayyip Erdogan zusammengetroffen. Symbolisch überreichte sie ihrem zuletzt recht erbosten türkischem Amtskollegen eine weiße Friedenstaube.

Der Streit um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei hat den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ankara überschattet. Allein der von Merkel gebrauchte Ausdruck einer "privilegierten Partnerschaft" sei eine Beleidigung, sagte der türkische EU-Verhandlungsführer Egemen Bagis laut dem Fernsehsender Skytürk. Merkel traf am Montag in der Hauptstadt Ankara mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Nach den jüngsten Spannungen zwischen beiden Ländern überreichte sie ihrem türkischen Kollegen zur Begrüßung ein Geschenk mit Symbolkraft: eine Friedenstaube.

Merkel übergab dem lächelnden Erdogan das Modell einer weißen Taube, wie türkische Fernsehsender meldeten. Die Taube aus Ton stammt von einer neunjährigen Schülerin aus Unna in Nordrhein-Westfalen und ist Teil einer Friedensaktion. In einem Brief erläuterte die Schülerin, dass der Empfänger der Taube diese auf ihrem "Weg des Friedens" weiterleiten soll. Merkel gab Erdogan auch die Mailadresse der Schule in Unna, damit der Ministerpräsident den Empfang der Taube bestätigen kann.

Streit über türkische Gymnasien

Merkel hatte vergangene Woche in Interviews mit türkischen Zeitungen das Modell einer "privilegierten Partnerschaft" vorgeschlagen, die EU und die Türkei sollten sich auf 28 der insgesamt 35 Verhandlungskapitel der Beitrittsverhandlungen einigen. Erdogan wies dies zurück. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), warb ebenfalls für einen EU-Beitritt des Landes. "Es wäre besser, die Türkei in der Europäischen Union zu haben", sagte Polenz dem Berliner "Tagesspiegel".

Auch die Integrationspolitik ist zwischen Merkel und Erdogan umstritten. Die Kanzlerin hatte den Vorschlag des türkischen Premiers zur Einrichtung türkischer Gymnasien abgewiesen, was Erdogan mit Verärgerung registrierte. Der Ministerpräsident sprach am Wochenende sogar von "Hass", der seinem Land in Deutschland entgegenschlage.

Weiterreise nach Istanbul

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), die Merkel in die Türkei begleitete, stärkte Merkel den Rücken und sprach sich ebenfalls gegen türkische Gymnasien in Deutschland aus. "Wir sollten uns dem Kern des Problems widmen und das heißt: Wer auf Dauer hier in Deutschland lebt, muss wirklich gut die deutsche Sprache beherrschen, um erfolgreich zu sein", sagte Böhmer der ARD. Deutsche Schulen in der Türkei seien keine Rechtfertigung für die Einrichtung türkischer Gymnasien in Deutschland. Es gebe zudem bereits Schulen in Berlin und anderen Städten, in denen Türkisch unterrichtet werde.

Zum offiziellen Auftakt ihres Besuches wurde Merkel am frühen Nachmittag von Erdogan mit militärischen Ehren vor dem türkischen Ministerpräsidentenamt in Ankara begrüßt. Nach einem Händedruck vor den Fotografen begannen Merkel und Erdogan mit einem ersten Gespräch. Nach einem Gespräch mit dem türkischen Staatspräsidenten Abdullah Güll wollte Merkel noch am Abend nach Istanbul weiterreisen. Am Bosporus will sie am Dienstag die Hagia Sophia sowie die Blaue Moschee besuchen, mit deutschen Schülern sprechen und gemeinsam mit Erdogan an einem Wirtschaftsforum teilnehmen.

(AFP, dpa, N24)

29.03.2010 15:54 Uhr

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