"Egoistischer Fehler"

US-Sprinter Merritt beim Penis-Doping ertappt

US-Sprinter LaShawn Merritt ist bei einer Dopingprobe auffällig geworden. Wie sich herausstellte, hatte der 23-Jährige ein Mittel zur Penisvergrößerung eingenommen. Ihm droht eine zweijährige Sperre.

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LaShawn Merritt wollte mehr - und wurde dabei erwischt.
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Der kanadische Ex-Sprinter Ben Johnson galt – genauso wie sein größter Konkurrent Carl Lewis – als Ausnahmeathlet. 1988 kann Johnson Lewis bei den Olympischen Spielen in Seoul im 100-Meter-Lauf schlagen. Allerdings wird bei ihm kurz darauf …
… die Einnahme des muskelaufbauenden anabolen Steroids Stanozonol nachgewiesen. Die Sportwelt ist erschüttert. Johnson muss seine Goldmedaille an Lewis abtreten und wird zwei Jahre lang von Wettkämpfen ausgeschlossen.
Unwissentliches Doping-Opfer: Die frühere DDR-Athletin Heidi Krieger - 1986 Europameisterin im Kugelstoßen – wird seit ihrer Jugend im Rahmen des DDR-Dopingsystems so stark mit androgenen Hormonen versorgt, dass sich ihr Körper verändert.
Krieger unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung, wird zu "Andreas". Mit anderen betroffenen Sportlern tritt er im Jahr 2000 gegen den ehemaligen ostdeutschen Sportchef Manfred Ewald als Nebekläger auf. Ewald wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Doping konnte ihr nie nachgewiesen werden, verstummen wollten die Gerüchte diesbezüglich aber nie. Als Florence Griffith Joyner 1998 unerwartet stirbt, heizt ihr Tod die Spekulationen wieder an.
"Die schnellste Frau der Welt" hält seit 1988 mit 10,49 und 21,34 Sekunden bis heute die Weltrekorde im 100- und 200-Meter-Lauf bei den Frauen. Mit Charme, Schönheit und Extravaganz – ihr Markenzeichen waren ihre bunt bemalten Fingernägel - wurde sie ...
... zum Publikumsliebling der USA. Gerüchte, dass ihre enorme Zunahme an Muskelmasse mit der Einnahme von Anabolika und Wachstumshormone zusammenhing, hielten sich hartnäckig.
Allerdings wurde sie niemals positiv getestet.
Da strahlte sie noch – später wurde sie als erste Sportlerin im Zusammenhang mit Doping zu einer Haftstrafe verurteilt: Ex-Weltklasse-Sprinterin Marion Jones bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2004 in Athen nach ihrem Sieg über 100 Meter.
Vier Jahre zuvor hatte die Amerikanerin bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 fünf Medaillen geholt – der Höhepunkt ihrer Sportlerkarriere. Diese fand 2007 ein Ende, als Jones vor dem US-Bundesgericht zugab, zwei Jahre lang Steroide genommen zu haben
Die Vorwürfe hatte sie 2003 vor einem Untersuchungsausschuss noch abgestritten. Wegen zweimaliger Falschaussage wird Jones zu einer sechsmonatigen Haftstrafe und 800 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Ihre Medaillen werden ihr abgesprochen.
Sein Fall ging als die "Zahnpasta-Affäre" in die Geschichte ein. Dem Langstreckenläufer Dieter Baumann wurde 1999 bei einer Dopingkontrolle die Substanz Nadrolon nachgewiesen. Baumann, als vehementer Gegner des Dopings bekannt, beteuerte seine Unschuld.
In der Tat wurden in einer präparierten Zahnpastatube Baumanns anabole Steroide gefunden, eine von ihm eingereichte Haarprobe ist ohne Befund. Der deutsche Leichtathletik-Verband sprach den Olympiasieger von 1992 vom Vorwurf des Dopings frei.
Allerdings sperrt ihn der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF bis Januar 2002. Danach wird Baumann 2002 noch einmal Vize-Europameister über 10.000 Meter, beendet ein Jahr später seine Karriere. Mittlerweile arbeitet er als Kabarettist.
Dreifache Europameisterin in Split 1990, ein Jahr später Doppel-Gold im 100- und 200- Meter-Lauf bei den Weltmeisterschaften in Tokio. Die Kurzstreckenläuferin Katrin Krabbe legte eine 1A-Sportlerkarriere hin.
1992 dann der Skandal: Eine Urinprobe überführt Krabbe der Einnahme des Dopingmittels Clenbuterol. Das Medikament steht zu der Zeit zwar noch nicht auf der offiziellen Dopingliste, trotzdem sperrt der Deutsche-Leichtathletik-Verband Krabbe für ein Jahr.
Wegen unsportlichen Verhaltens wird die Sperre von der IAAF bis August 1995 verlängert. Krabbes Karriere ist beendet. 2001 verpflichtet das Landgericht München die IAAF, Krabbe einen Schadensersatz in Höhe von 1,2 Millionen Mark zu zahlen.
Jan Ullrich, Tour-Sieger von 1997, verursacht 2002 einen Unfall unter Alkoholeinfluss. Im Anschluss wird er auch auf Amphetamine positiv getestet und für sechs Monate gesperrt. Ullrich führt den Befund auf die Einnahme von Ecstasy in einer Disco zurück.
Bis heute bestreitet Ullrich Vorwürfe, in den spanischen Dopingskandal kurz vor der Tour de France 2006 verwickelt zu sein. Nachdem Ullrich mit dem Arzt Eufemiano Fuentes, der mehrere Sportler gedopet haben soll, in Verbindung gebracht wird, ...
… wird der Radfahrer von der Tour ausgeschlossen. 2007 beendet er seine Laufbahn als professioneller Radfahrer, ein Jahr später wird das Doping-Verfahren gegen ihn eingestellt.
Stolz zeigt US-Sprinter Justin Gatlin bei den Weltmeisterschaften in Helsinki 2005 seine Goldmedaille. Ein Jahr später wird der Olympiasieger und Ex-Weltrekordler über 100 Meter wegen wiederholten Dopings zu einer achtjährigen Sperre verurteit.
Mittlerweile wurde die Sperre auf vier Jahre bis 2010 reduziert. Sein einstiger Weltrekord über 100 Meter wurde annuliert, ebenso wie seine Wettkampfergebnisse seit dem positiven Dopingtest 2006.
Ihr Fall beherrschte erst vor kurzem wieder die Schlagzeilen: Wegen erhöhter Blutwerte, aber ohne positiven Befunde für zwei Jahre gesperrt, darf Claudia Pechstein derzeit nicht an offiziellen Trainingsmaßnahmen teilnehmen.
Der Internationale Sportgerichtshof CAS wird voraussichtlich bis Mitte August über den Eilantrag der gesperrten Eisschnelllauf-Olympiasiegerin über die Rückkehr ins Training entscheiden.
Video: Ärzte widerlegen Doping - Claudia Pechstein zu Unrecht gesperrt?
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Am vergangenen Wochenende war LaShawn Merritt noch ganz in seinem Element. Als Juror eines amerikanischen Musikfernsehsenders bei einem Festival in Daytona Beach/Florida hob und senkte er den Daumen in einem Tanz-Wettbewerb junger Mädchen und gefiel sich sichtlich in der Rolle des Machos und Frauenhelden. Wenige Tage später hat sich der Daumen nun allerdings über dem 400-m-Olympiasieger gesenkt: positiver Dopingtest - ausgerechnet ein Mittel zur Penis-Vergrößerung ist dem 23 Jahre alten Showman der US-Leichtathletik dabei zum Verhängnis geworden.

Nach der vorläufigen Suspendierung durch den amerikanischen Verband USATF bat Merritt Angehörige und Öffentlichkeit kleinlaut um Entschuldigung. "Ich hoffe, meine Sponsoren, Familie, Freunde und der gesamte Sport verzeihen mir diesen dummen, unreifen und egoistischen Fehler", so der Weltmeister von Berlin, für den die drohende zweijährige Sperre noch das kleinste Übel ist: "Welche Strafe ich auch immer bekomme, sie wird nicht schlimmer sein als die Verlegenheit und Demütigung, die ich jetzt fühle."

Bei seinem Verband stieß der Sprinter erwartungsgemäß auf wenig Verständnis. "Die ganze Geschichte widert mich an", sagte USATF-Generalsekretär Doug Logan, der Merritts "gesamte Karriere beschmutzt" sieht: "Er hat sich selbst zur Witzfigur gemacht." Der Schaden, den Merritt den Anstrengungen im Anti-Doping-Kampf zugefügt habe, sei immens. "Jeder professionelle Athlet weiß, dass er allein dafür verantwortlich ist, was in den Körper gelangt", so Logan.

Mittel "an der Ladentheke gekauft"

In einer von Merritts Anwalt Howard Jacobs veröffentlichten Erklärung hieß es, die positiven Proben seien auf die Einnahme eines Mittels zurückzuführen, welches der Athlet nach der letztjährigen Saison phasenweise eingenommen habe. "LaShawn Merritt hat erst im März von den positiven Proben erfahren und weiß erst seit kurzer Zeit, welches anabole Steroid dafür verantwortlich war", hieß es dort: "Nachforschungen haben dann ergeben, dass im Medikament zur Penis-Vergrößerung dieses Steroid enthalten ist."

Merritt, der in der Hallensaison nicht gestartet war, gab an, das Mittel "an der Ladentheke" gekauft und versäumt zu haben, das Kleingedruckte zu lesen. Der vorläufigen Sperre hat er laut Jacobs bereits zugestimmt. Die Kontrollen, bei denen er positiv auf das verbotene Prohormon Dehydroepiandrosteron (DHEA) getestet wurde, waren im Oktober, Dezember und Januar genommen worden. Bei einer zweijährigen Sperre würde Merritt auch für seine angestrebte Titelverteidigung bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea ausfallen. Merritt hatte 2008 bei Olympia in Peking Gold über 400 m und in der 4x400-m-Staffel geholt. Bei der WM 2009 in Berlin wiederholte er den Doppelerfolg.

(Frank Hoffmann und Oliver Görz, sid, N24)

23.04.2010 12:29 Uhr

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