Kampf gegen Ölpest
Tropenstürme bedrohen Einsatz
Auf die Südküste der Vereinigten Staaten kommen offenbar die ersten Tropenstürme zu. Der Kampf gegen das Öl im Golf von Mexiko dürfte dadurch zusätzlich erschwert werden.
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Sollten starke Wirbelstürme anrücken, müssen die Arbeiten über dem Ölleck im Gold von Mexiko möglicherweise unterbrochen werden.
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Einer der mächtigsten Männer der Welt ist machtlos angesichts der nicht enden wollenden Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.
"Deepwater Horizon": Hier im Golf von Mexiko hat das Unglück begonnen. Seitdem versucht der britische Ölmulti BP das Desaster unter Kontrolle zu bringen.
Seit dem 20. April, als die Bohrplattform "Deepwater Horizon" explodierte, strömen jeden Tag rund drei Millionen Liter Öl ins Meer.
Der heftig kritisierte BP-Konzern muss im Kampf gegen die Ölpest seitdem immer weitere Rückschläge einstecken.
US-Präsident Obama hat BP aufgefordert, die Betroffenen der Ölkatastrophe angemessen zu entschädigen.
"BP hat moralische und rechtliche Verpflichtungen hier am Golf für den Schaden, der angerichtet wurde", sagte Obama bei seinem Besuch in der Krisenregion.
Obama verwies auf die Dividenden in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar, die BP an seine Aktionäre auszahlen wird, ...
... sowie auf die 50 Millionen Dollar teure TV-Kampagne, mit welcher der Ölkonzern sein Image retten will.
Er habe kein Problem damit, wenn der Konzern den Verpflichtungen gegenüber seinen Aktionären nachkomme, aber: ...
... "ich will nicht hören, dass sie - wenn sie dieses Geld für Aktionäre und TV-Spots ausgeben ...
... Fischer und Kleinunternehmer hier am Golf, die eine schwere Zeit durchleben, mit kleinen Beträgen abspeisen", sagte der Präsident.
Die Tage dieser Strandidylle im Nordwesten von Florida scheinen gezählt: Unablässig treiben Wind und Meeresströmung den Ölteppich in Richtung Florida, am Freitag waren die ersten Ausläufer nur noch wenige Kilometer entfernt.
Besonders schmerzhaft für die Menschen in der Region ist die Machtlosigkeit angesichts der herannahenden Giftbrühe.
Chemische Lösungsmittel, wie sie mancherorts zur Auflösung des Öls eingesetzt werden, können nur wenig ausrichten. "Bei diesem schwer verklumpten Öl sind Lösungsmittel wirkungslos“, sagte Michael Sole von Floridas Umweltschutzbehörde.
Bisher war die Öl-Katastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind mehr als 220 Kilometer Küste verseucht, sagte Gouverneur Bobby Jindal.
Die US-Regierung habe dem Staat jetzt erlaubt, insgesamt 70 Kilometer breite Sandbänke im Wasser aufzuschütten, um den Ölteppich vom Land fernzuhalten.
"Wenn wir nicht die vollen Kosten unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen berechnen, dann verpassen wir unsere Chance auf eine Zukunft mit sauberer Energie", sagte Barack Obama.
Am härtesten trifft die Ölpest allerdings wie immer die schwächsten.
An der Küste Louisianas erfasste das Öl eine der Hauptbrutstätten für Pelikane.
Heftige Winde trieben den Ölschlick bis zur Pelikan-Kolonie auf der kleinen Insel Queen Bess.
Tierschützer entdeckten 60 völlig verklebte Vögel, darunter 41 Pelikane. Der Pelikan ist das Wahrzeichen Louisianas.
Die Vögel der Region, wie auch dieser Reiher, haben schwer mit dem Öl zu kämpfen.
Doch für viele wird der Kampf gegen den Tod wohl aussichtslos sein, ...
... wenn den Tieren nicht rechtzeitig geholfen werden kann.
Selbst wenn es den Helfern gelingt die Vögel einzufangen und …
… zu reinigen, haben diese jedoch nur noch eine 50- bis 70-prozentige Überlebenschance.
"Die Feuchtgebiete des Mississippi-Deltas sind die wichtigsten Feuchtgebiete auf dem ganzen Kontinent, und zurzeit nisten dort alle Zugvögel", sagte Dean Wilson, Aufseher im Apatchafalaya-Sumpf westlich des Deltas.
Auch der braune Pelikan macht auf seiner Reise in wärmere Gefilde gerne einen Zwischenstopp in den Sümpfen und an den Stränden des Mississippi-Deltas, um Fische zu fangen.
Er war erst im November von der Liste der gefährdeten Tierarten genommen worden.
Unterdessen wird der Protest gegen BP immer lauter.
In New York begossen sich Demonstranten mit Motorenöl um gegen den britischen Konzern zu protestieren.
Diese Demonstrantin übergoss vor der dem Washingtoner Büro des Öl-Giganten ein Modell einer Ente mit Schokoladensirup.
Auch im Internet finden sich zahlreiche Protestaktionen. Greenpeace rief zum Beispiel zu einem Umgestaltungs-Wettbewerb des BP-Firmen-Logos auf.
"IfItWasMyHome“ visualisiert das Ausmaß des Öl-Desasters und die Größe des Ölteppichs.
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Der Alptraum geht weiter: Das Öl fließt unaufhörlich in den Golf von Mexiko. Die Menschen in den USA gehen aus Protest …
… gegen den Energiekonzern BP auf die Straße. Denn die Explosion der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" löste …
… am 20. April 2010 die schwerste Ölpest in der US-Geschichte aus. Seitdem sind vier Versuche gescheitert, …
… das offene Sicherheitsventil zu schließen. Erst sollte es wieder aktiviert werden – ohne Erfolg.
Dann hatte BP zweimal versucht, das Leck mit Kuppeln abzudecken – ebenfalls erfolglos.
Betroffene hofften schließlich auf die Operation "Top Kill", bei der das Leck mit Schlamm und Zement verschlossen werden sollte. Nun die traurige Gewissheit: …
Auch diese Mission ist gescheitert. "Du hoffst und Du hoffst – und dann", sagte eine Bewohnerin aus Grand Isle, ganz im Süden Louisianas - …
… dort, wo das Öl supendick an die Strände kriecht. "Die Herzen von allen sind gebrochen", sagte sie.
Die Menschen von Grand Isle leben eigentlich von Tourismus, Öl und Fischfang.
Doch nun ist ihre Existenzgrundlage zerstört. Viele denken daran, die Region zu verlassen. Kein Wunder, …
… BP rechnet damit, dass das Öl bis August weitersprudelt. Greenpeace-Öl-Experte …
… Christian Bussau geht davon aus, dass sich die Natur erst in 15 Jahren wieder regeneriert hat – eine Horrormeldung für die Menschen in Louisiana.
Sie zeigen ihre Wut. Jemand hat in Grand Isle eine alte Toilette am Straßenrand platziert. Ein Pfeil zeigt in die Schüssel, darüber steht: "BPs Hauptquartier".
Ein anderer hat auf ein Schild gepinselt: "BP, wir wollen unseren Strand zurück!" Denn den verschandelt eine zähe Ölschicht.
Auch das Schilf des Marschlandes im Mississippi-Delta wird vom Öl erstickt.
Umweltgruppen wie Greenpeace nehmen Proben, wissen aber schon jetzt wie giftig der Schlick ist.
"Fast alles ist tot“, sagt Angela Freeman von der US-Umweltorganisation Environmental Defense Fund.
Die Sümpfe wohl auch bald – da helfen auch die Ölsperren nicht.
Auch auf dem Meer macht die Expertin eine schlimme Entdeckung. Als Freeman dort eine weitere Probe nimmt, enthält diese Klumpen von rötlichem Öl, …
… demnach "Hinweise auf Dispersionsmittel". BP sprühte zehntausende Liter Chemikalien ins Meer, …
… um das Rohöl in winzige, biologisch abbaubare Partikel aufzulösen. Nun arbeitet BP an einer neuen Lösung.
Der Konzern will nun eine Kuppel zum Absaugen des Öls anbringen, …
… obwohl das dazu führen könnte, "dass der Öl-Ausfluss aus dem Leck zeitweise um bis zu 20 Prozent steigt". Dazu kommt, ...
... dass die Hurrikan-Saison kurz bevorsteht. US-Meteorologen rechnen in den nächsten Monaten mit drei bis sieben größeren Wirbelstürmen, …
… die den Ölteppich immer weiter an die Küste drücken könnten. "Eine ökologische Katastrophe ohne Beispiel", sagte der Meteorologe Brian D. McNoldy.
20 Jahre nach der schweren Ölpest durch den Tanker "Exxon Valdez" vor Alaska hat ein kalifornisches Berufungsgericht Strafgelder verhängt. Statt der ursprünglich geforderten mehr als 5 Milliarden Dollar muss ExxonMobil nun ...
... rund 507 Millionen Dollar (368 Millionen Euro) an Berufsfischer, Fischverarbeiter und Anwohner zahlen, die unter der Ölpest Schaden genommen hatten. Aus dem Wrack traten danals rund 40.000 Tonnen Öl in den Prince-William-Sund in Alaska aus.
Hunderttausende Vögel und Fische und Tausende Säugetiere verendeten damals. Auch heute noch sterben in der Region Tiere, da immer noch Öl aus der Exxon Valdez in erstaunlichen Mengen vorhanden ist.
Eine der größten Ölkatastrophen in der Nordsee ereignete sich im Herbst 1998. Damals lief der Tanker Pallas vor Amrum auf Grund.
Die Pallas verlor zwar "nur" 90 Tonnen Öl. Laut Greenpeace bedeutete das aber den Tod von etwa 15.000 Seevögeln.
Bereits 1967 stieß die Torrey Canyon vor der Küste Cornwalls auf einen Felsen und sank. An Bord befanden sich etwa 120.000 Tonnen Erdöl.
1978 kollidierte der Tanker der US-Ölgesellschaft Amoco, die Amoco Cadiz, mit einem Felsen vor der Küste der Bretagne.
Mehr als 200.000 Tonnen Rohöl gelangten ins Meer.
Dadurch wurden etwa 150 Kilometer Küste im Nordwesten Frankreichs verschmutzt. Nur ein Jahr später stießen die Atlantic Empress und die Agean Captain vor Trinidad und Tobago zusammen. Mehr als 280.000 Tonnen Rohöl traten aus.
Rund 20 Jahre später wurde die Küste der Bretagne erneut von einer Ölverschmutzung bedroht. Grund war der verunglückte Tanker Erika.
Für große Aufmerksamkeit und Unverständnis der Weltbevölkerung sorgte 2001 dann das Tanker-Unglück der Jessica. Das Schiff lief vor den Galapagos-Inseln auf Grund.
Ein Navigationsfehler war die Ursache. 1.000 Quadratkilometer Wasserfläche waren von einem Ölteppich bedeckt, der sich aus 900 Tonnen ausgelaufenem Kraftstoff gebildet hatte.
Im November 2002 sank im Atlantik vor der Nordwestküste Spaniens der Tanker Prestige.
77.000 Tonnen Schweröl hatte die Prestige geladen, als sie auf dem Weg nach Singapur in einem Sturm havarierte. 64.000 Tonnen Schweröl liefen aus.
2.900 Kilometer spanische und französische Küste wurden verpestet.
250.000 Seevögel starben. Das Tanker-Unglück der Prestige stellt daher bis heute eine der größten Umweltkatastrophen der Seefahrt an europäischen Küsten dar.
Nach einer Schiffskollision auf der Elbe bei Hamburg sind 120 Tonnen Diesel in den Fluss gelaufen. Die Elbe wurde deshalb für den Schiffsverkehr gesperrt. Feuerwehrleute legen zudem Ölbarrieren aus.
Die Ölbarrieren sollen die Ausbreitung der Diesel-Lachen verhindern. Der Feuerwehr zufolge ist der Unfall "eines der schwersten Unglücke der letzten 20 Jahre". An einer Katastrophe sei man nur knapp vorbeigeschrammt.
Video: BP-Dokument - Öl-Austritt von 16 Mio. Liter pro Tag denkbar
Video: Kampf gegen Ölpest - BP engagiert Kevin Costner
Video: Börse am Mittag - Ölpest könnte Benzinpreis treiben
In der Ölpest-Region am Golf von Mexiko wächst die Angst vor den ersten Tropenstürmen. Es gebe eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein Unwetter im Westen der Karibik innerhalb der nächsten zwei Tage zu einem tropischen Wirbelsturm werde, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami mit. Manche Prognosemodelle schließen nicht aus, dass der Sturm auch in den Golf von Mexiko ziehen und dort den Kampf gegen die Ölpest stören könnte, meldet der US-Fernsehsender CNN. Die Kosten für den BP-Konzern kletterten bis zum Freitag auf 2,35 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro).
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Der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, räumte ein, dass es kein festes "Drehbuch" für den Fall gebe, gleichzeitig mit der Ölkatastrophe und heftigen Unwettern fertig zu werden. "Es hat aber jede Menge Planung gegeben", sagte er CNN. Die Herausforderung sei, zwei Konzepte für den Katastrophenschutz - eines für die Ölpest, das andere für Stürme - unter einen Hut zu bringen.
Mehr heftige Stürme erwartet Die Auswirkungen auf die Ölkatastrophe können Experten zufolge gut und schlecht sein: Positioniere sich ein Wirbelsturm östlich der Ölquelle, trieben die rotierenden Winde das verschmutzte Wasser aufs Meer hinaus, sagte CNN-Meteorologe Chad Myers. Westlich des außer Kontrolle geratenen Bohrlochs blase der Sturm das Öl unterdessen umgekehrt genau in Richtung Küste.
Nach einer eher ruhigen Hurrikan-Saison im vergangenen Jahr erwartet die US-Wetterbehörde NOAA 2010 deutlich mehr und heftigere Stürme. "Es gibt eine 85-prozentige Chance auf eine überdurchschnittliche Hurrikan-Saison", sagte Behördenchefin Jane Lubchenco Ende Mai. Es seien drei bis sieben Wirbelstürme mit starker Zerstörungskraft zu erwarten - das sind Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von 178 Kilometern pro Stunde und mehr. Die Saison dauert immer vom 1. Juni bis 1. November.
Meiste Öl strömt weiter ins Meer Laut BP wurden am Mittwoch rund 2300 Tonnen Öl am Bohrloch aufgefangen oder abgefackelt. Der Energiekonzern hatte vorige Woche angekündigt, die tägliche Menge bis Ende Juni auf rund 7200 Tonnen erhöhen zu wollen. Mitte Juli solle dann eine Kapazität von bis zu rund 11.000 Tonnen täglich erreicht werden. Nach jüngsten Schätzungen strömen derzeit bis zu 8200 Tonnen Öl pro Tag ins Meer.
(dpa, N24)
25.06.2010 20:47 Uhr
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