Systemabsturz bei 200.000
Griechenland zählt seine Beamten
Wohl kein anderes europäisches Land hat einen so aufgeblähten Beamtenapparat wie Griechenland. Um überhaupt einen Überblick zu bekommen, macht die Regierung jetzt Inventur.
Angesichts der Haushaltskrise hat die griechische Regierung mit einer Erfassung aller Staatsbediensteten begonnen, um einen Überblick über den teuren Beamtenapparat zu erhalten. Kurz nach Beginn der Beamtenzählung am Montag brach die Webseite zur Registrierung nach Angaben des Betreibers allerdings zusammen - mehr als 200.000 Staatsdiener hatten versucht, sich in die virtuellen Listen einzutragen. Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte nach ihrer Machtübernahme im vergangenen Herbst eingeräumt, dass das Ausmaß der griechischen Bürokratie über die Jahre aus dem Blick geraten sei. Schätzungen reichen von 700.000 bis über eine Million Menschen, die für unterschiedlichste Tätigkeiten vom Staat Geld beziehen.
Unter dem Druck einer drohenden Staatspleite versucht Athen, das unkontrollierte Wuchern der Beamtenschar einzudämmen. Bei der nun gestarteten Initiative müssen sich alle Staatsbediensteten registrieren. Dazu zählen kommunale Angestellte ebenso wie Berater der Ministerien und griechisch-orthodoxe Priester, für deren Gehalt der Staat aufkommt. Im Gegenzug für Milliardenhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds hat sich Griechenland zu einem strikten Sparkurs verpflichtet. Im vergangenen Jahr lag das Haushaltsdefizit bei 13,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - mehr als drei Mal so hoch wie in der EU erlaubt.
(AFP, N24)
12.07.2010 21:00 Uhr









