Löw abgetaucht

Deutschland hofft auf Ja des Bundestrainers

Wenn es nach den Deutschen ginge, wäre die Sache klar: Joachim Löw soll Bundestrainer bleiben, sagt die überwältigende Mehrheit in einer Umfrage. Doch der Hoffnungsträger selbst rührt sich nicht.

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Die letzten Aufnahmen von Joachim Löw bei der Ankunft der Nationalelf in Frankfurt. Seither hat die Öffentlichkeit nichts mehr vom Bundestrainer gehört.
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Nach dem Aus in der Vorrunde rechnet Rabah Saadane nicht damit, die algerische Nationalelf weiter zu trainieren. "Ich denke, viele Leute würden es gerne sehen, wenn ich gehe", meinte der 64-jährige desillusioniert.
Auch die Zukunft von Argentiniens Coach Diego Maradona ist noch offen. Fans und Verband geben "Dieguito" Rückendeckung, aber der Schock über das 0:4-Debakel gegen Deutschland sitzt tief. "Meine Zeit ist abgelaufen", sagte die "Hand Gottes".
Schon seit März steht fest, dass Australiens Pim Verbeek künftig als Technischer Direktor in Marokko tätig sein wird. Angeblich liebäugelt das Team aus "Down Under" wieder mit einem Europäer, im Gespräch sind Ruud Gullit und Paul Le Guen.
Der brasilianische Chefcoach Dunga musste nach dem Viertelfinal-K.o. der Selecao gegen die Niederlande gehen. Die Suche nach einem Nachfolger ist bereits angelaufen
Gnädiger sind die Chilenen: Nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien blebt Trainer Marcelo Bielsa dem Team erhalten.
Dänemarks Morten Olsen plant, vorraussichtlich seinen Vertrag bis 2012 zu erfüllen. Jedoch musste er nach dem historisch schwächsten Abschneiden einer dänischen Mannschaft in der WM harte Kritik durch die Medien einstecken.
"Ich sage das nicht nur, um bei der Pressekonferenz die Zeit zu überbrücken", kommentiert Joachim Löw die oft gestellte Frage nach seiner Zukunft. Der deutsche Trainer mit dem auslaufenden Vertrag möchte erst nach der WM eine Entscheidung fällen.
Der Schwede Sven-Göran Eriksson wird nach dem WM-Aus in der Vorrunde in Zukunft nicht mehr die Elfenbeinküste trainieren.
Fabio Capello blieb der Rauswurf erspart, dafür müssen nun einige Spieler des englischen Teams dran glauben. "Für einige war die WM das Ende", sagte der Italiener nach der 4:1 Schlappe gegen Deutschland.
Frankreichs Stürmer Nicolas Anelka äußerte mit seinen wüsten Beschimpfungen gegen Raymond Domenech, was viele dachten. Nach dem nationale Debakel - die Équipe Tricolore schied als Gruppenletzter nach der Vorrunde auf - hört der Trainer freiwillig auf.
Sein Nachfolger soll eine Autoritätsperson sein: "Le Président" Laurent Blanc.
Ghana kämpfte und musste trotzdem im Viertelfinale gegen Uruguay einpacken. Die Zukunft von Trainer Milovan Rajevac ist derzeit noch offen.
Otto Rehhagel verlässt nach Vertragsende die griechische Nationalmannschaft. Aufhören möchte er aber nicht - mit seinen 71 Jahren erwägt er nun eine Rückkehr in die Bundesliga.
Sein Nachfolger ist der Portugiese Fernando Santos. Der hatte bei seiner offiziellen Bekanngabe nur lobende Worte für seinen Vorgänger übrig, der neun Jahre lang die Griechen trainierte.
Während Honduras Coach Reinaldo Rueda der Mannschaft auch nach dem Vorrunden-Aus erhalten bleibt ...
... hört Italiens Marcello Lippi freiwillig auf. Der führte die Mannschaft 2006 zum Weltmeistertitel - und 2010 zum Vorrunden-Ausschied.
Sein Nachfolger ist der 52-jährige Cesare Prandelli.
Auch Japans Takeshi Okada hängt die Nationalfahne an den Haken,...
... genauso wie Kameruns Paul Le Guen, der als kommender Trainer Australiens im Gespräch ist.
Javier Aguirre ist auch wieder auf Jobsuche. Ein Nachfolger für den Coach des mexikanischen Teams ist noch offen.
Was für die einen ein Desaster, ist für die anderen ein Erfolg: Die neuseeländische Nationalelf blieb in der Vorrunde ungeschlagen. Für ein Weiterkommen reichte es zwar nicht, aber Coach Ricki Herbert möchte seine Kiwis gerne weiter fit machen.
Das Ende der WM steht Oranje-Trainer Bert van Marwijk erst noch bevor, der Mannschaft bleibt er jedenfalls treu.
Der nigerische Fußball stürzt nach dem WM-Aus mit nur einem Punkt ins Chaos. Die Unzufriedenheit mit Nationaltrainer Lars Lagerbäck ist bei dem Beinahe-Ausschluss aus der internationalen Fußballgemeinschaft das kleinste Problem.
"Wir haben unser Ziel nicht erreicht", kommentiert Trainer Kim Jong-Hun das desaströse Auftreten der Nordkoreaner in Südafrika. Der Abschied des Coaches, der im mehrfachen Sinne Schwierigkeiten hatte, seine Mannschaft zusammen zu halten, gilt als sicher.
Paraguays Coach Gerardo Martino hat seine Zukunft nach dem 0:1 gegen Spanien im Viertelfinale noch offen gelassen.
Portugals Carlos Queiroz bleibt wahrscheinlich. Seine Elf erreichte das Achtelfinale, bevor sie sich Spanien geschlagen geben musste.
Nach dem phänomenalen Sieg der Schweizer gegen Spanien bleibt Ottmar Hitzfeld Nationaltrainer der Eidgenossen.
Auch Serbiens Radomir Antic bleibt. Allerdings wurde gerade Antic von der heimischen Presse für das nach dem 1:0- Triumph über Deutschland unverhoffte Aus verantwortlich gemacht. Schuld seien falsche Strategie und Auswechslungen.
Zwei weitere Kandidaten, die wahrscheinlich im Amt bleiben: der slowakische Trainer Vladimir Weiss ...
... und Sloweniens Matjaz Kek.
Wie alle Trainer der Viertelfinalisten, außer dem unentschlossenen Jogi Löw, trainiert Vicente Del Bosque auch in Zukunft das spanische Team.
Der Brasilianer Carlos Alberto Parreira gibt freiwillig seine Position als Trainer der Südafrikaner auf. Ihm folgt wahrscheinlich sein Assistent Pitso Mosimane.
Hört auf: Südkoreas Huh Jung-Moo.
Bleibt: Uruguays Oscar Washington Tabarez.
Last but noch least: Der Vertrag von US-Trainer Bob Bradley läuft zum Jahresende aus, was danach kommt - wer weiß.
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Haben Sie ihn erkannt? Genau, der Herr mit dem eleganten Schnauzer - hier am Ball - ist Jogi Löw. Der Bundestrainer, geboren am 3.2.1960, war früher nämlich Spieler, für Stuttgart, Eintracht, KSC und den SC Freiburg - wo er bis heute Rekordtorschütze ist.
Obwohl Löw ein anständiger Fußballspieler gewesen ist, gründet sein heutiger Ruhm eher auf seiner sich anschließenden Trainerkarriere. Die beginnt Mitte der 90er beim VfB Stuttgart. 1995 wird der Badener Co-Trainer unter dem glücklosen Rolf Fringer.
Nach einer enttäuschenden Saison übernimmt Jogi und feiert gleich große Erfolge. In seinem ersten Jahr holt der VfB unter Löw den DFB-Pokal. 1998 erreichen die Schwaben das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Gemeinsam mit dem ...
... so genannten "Magischen Dreieck" - Giovanne Elber, Krassimir Balakov und Fredi Bobic - ist Jogi Löws Arbeit der Garant für den Erfolg.
Und trotzdem: Joachim Löw hat Feinde im Verein, die den Klub-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder dazu bringen, Löw 1998 zu feuern und durch Winfried Schäfer zu ersetzen.
Den smarten Fußballlehrer mit dem unverkennbaren Dialekt zieht es an den Bosporus. Jogi Löw wird Trainer bei Fenerbahce Istanbul. Meisterschaft verpasst, Aus in der ersten Runde des UEFA-Pokals: Das Engagement währt nur ein Jahr.
Ebenso glücklos Löws Zeit 1999/2000 als Trainer beim Karlsruher SC. Die Badener wollen unbedingt den Aufstieg in die erste Liga schaffen. Doch Jogi kann's nicht richten, das Team gewinnt nur eins von 18 Spielen. Löw muss noch vor Ende der Spielzeit gehen.
Und die Misserfolgsserie reißt nicht ab: Bei Adanaspor in der Türkei überlebt Löw gerade einmal etwas mehr als zwei Monate. Er bleibt zunächst arbeitslos bis ihn endlich der FC Tirol Innsbruck engagiert. Löw führt das Team 2002 zur Meisterschaft.
Doch der Verein meldet Konkurs an, Jogi ist wieder arbeitslos. Nach einem Jahr unterschreibt er bei Austria Wien. Es läuft alles glatt, sein Team ist Tabellenführer. Nach einer Niederlage gegen den Tabellenletzten heißt es aber trotzdem: Koffer packen!
Und dann folgen die Zeiten, aus denen die meisten Jogi kennen. Nach verpatzter EM 2004 - Deutschland schied in der Vorrunde aus - tritt Rudi Völler als Bundestrainer ab und Jürgen Klinsmann übernimmt. Der Schwabe holt sich den Badener Löw an seine Seite.
Mit Oliver Bierhoff im Dreiergespann läutet der DFB damit eine neue, modernere Phase ein. Fitnesstrainer, Psychologen, die berühmten Gummi-Bänder - alle Methoden sind recht, um den deutschen Fußball aus dem spielerischen Mittelalter zu befreien.
Die Rollenverteilung ist dabei von Anfang an klar. Jürgen Klinsmann gibt den Motivator, den Antreiber, den, der den Kopf hinhält.
Und Jogi Löw? Der ist der Mann mit den Zetteln, der Kopf hinter dem deutschen Spiel, ein Taktiker und Planer.
Die beiden feiern Erfolge. Bei der WM 2006 erreicht die deutsche Mannschaft das Halbfinale, belegt am Ende Platz 3.
Eine Welle der Fußballeuphorie schwappt durch das Land. Das Führungsteam (links noch Torwarttrainer Andreas Köpke) erzielt Ergebnisse, die niemand dem kurz zuvor noch darniederliegenden deutschen Fußball zugetraut hatte.
Trotz des guten Abschneidens verlängert Jürgen Klinsmann nicht beim DFB. Für die Fans ist schnell klar: Nur mit "höggschder Disziplin" kann das Niveau gehalten werden.
Der zweite Mann wird zum ersten und führt das Projekt fort. Mit gelassener Souveränität tritt Löw in die Fußstapfen von Klinsmann.
Dabei setzt er weiter auf seinen eigenen Stil und professionellen Rat. Er behält den großen Betreuerstab bei und ...
... holt sich Hans-Dieter "Hansi" Flick als Assistenten an seine Seite.
"J.L." formt aus oft jungen Spielern immer wieder eine international konkurrenzfähige Auswahl und führt die Elf zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Und dort wird er endgültig zu Legende und Sympathieträger.
Im letzten Vorrundenspiel gegen Gastgeber Österreich spielen die Nerven verrückt. Es kommt zum Streit zwischen Jogi Löw, Österreich-Trainer Josef Hickersberger und dem vierten Offiziellen.
Der Schiedsrichter verweist Löw auf die Tribüne, für das kommende Viertelfinalspiel gegen Portugal darf er nicht auf der Trainerbank sitzen. Das Spiel gegen die Portugiesen ...
... verläuft dermaßen dramatisch, dass es Löw nicht mehr aushält. Der Gelegenheitsraucher steckt sich vor Nervosität eine an ...
... und pafft sich hektisch einen in der Glaskabine - unter den Augen der TV- und Fotokameras. Ein schlechtes Vorbild, der Herr Löw, aber eben auch nur ein Mensch.
Deutschland gewinnt gegen Portugal, übersteht auch das Halbfinale gegen die Türkei. Doch im Finale gegen Spanien folgt der Niederschlag: Die Iberer besiegen Jogis Jungs mit 1:0. Löw muss trösten. Der Titel war so nahe.
Aber einen Profi wie Joachim Löw haut das nicht um. Er baut weiter an seinem Konzept, führt die DFB-Elf erfolgreich zur WM nach Südafrika - Ausgang ungewiss.
Video: Zukunft offen - Philipp Stelzner über Jogi Löw
Video: Jogi Löws Zukunft offen - Wechsel-Angebote um begehrte WM-Spieler
Video: Bundesverdienstkreuz - Jogi Löw wir als Trainer geehrt
Video: Aus der Heimat - Meinungen zu Jogi Löws Zukunft

Joachim Löw ist nach den WM-Strapazen weiterhin abgetaucht - und auch seine Mitstreiter in der sportlichen Leitung senden knapp eine Woche nach der Rückkehr aus Südafrika noch keine Zukunfts-Signale. Die internen Beratungen zwischen Löw, Teammanager Oliver Bierhoff, Co-Trainer Hansi Flick und Torwartcoach Andreas Köpke sind aber inzwischen wohl angelaufen - Ergebnis offen. Allein DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich bereits öffentlich für die von ihm angestrebten Gespräche mit Löw in Position gebracht.

Der DFB-Chef glaubt nicht, dass ihm der allseits gelobte "Bundes-Jogi" nach WM-Bronze und dem erfrischenden Fußball der jungen Mannschaft am Kap die Bedingungen für eine Fortsetzung der Tätigkeit diktieren würde. "Nein, er wird die WM mit Sicherheit nicht für abwegige Forderungen ausnutzen", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung. Der Funktionär deutete zudem an, auch mit Teamanager Bierhoff bis zur Europameisterschaft 2012 weitermachen zu können.

Der Bundestrainer selbst hatte seine Zukunft nach dem WM-Ende als "völlig offen" bezeichnet. Auch ein Rücktritt ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. "Habe ich noch die Kraft und Energie, die Mannschaft weiter zu führen?", hatte Löw vor der Heimreise nach Deutschland am vergangenen Sonntag gesagt. Seitdem herrscht Funkstille aus dem Schwarzwald, auch von Löws wichtigsten Mitstreiter Bierhoff, Co- Trainer Hansi Flick und Torwartcoach Andreas Köpke kam nichts.

Bald nächstes Länderspiel

In einer repräsentativen Umfrage für das ZDF votierten beachtliche 87 Prozent der Befragten dafür, dass Löw Bundestrainer bleiben soll. Nur vier Prozent sind dagegen, neun Prozent haben keine Meinung. Löw selbst hatte nach dem gewonnenen Spiel um Platz drei gegen Uruguay (3:2) lediglich angekündigt, die Zukunftsfrage nicht ewig hinauszuschieben. "Es ist logisch, dass eine Entscheidung zeitnah gefällt werden muss", sagte Löw.

Zwanziger erhofft sich bis zur DFB-Präsidiumssitzung am 30. Juli eine "grundsätzliche Einigung" mit Löw. Schon am 11. August steht in Kopenhagen gegen Dänemark das nächste Länderspiel auf dem Programm. Dieser Termin sorgt in der Bundesliga, die neun Tage später in die Saison startet, für heftigen Ärger. Bayern-Trainer Louis van Gaal sprach von einem "Wahnsinn" - da wird Löw oder ein neuer Coach schon bei der Nominierung gleich einen kniffligen Fall lösen müssen.

Löw will seine Ruhe haben

"Er weiß, was er am DFB hat - und er weiß, dass er mit dieser Mannschaft in der Zukunft noch einiges erreichen kann", betonte Zwanziger. Er könne sich "schwer vorstellen, dass er es einem anderen Trainer überlassen will, die Früchte zu ernten", sagte der DFB-Chef.

Zwanziger strebt eine Verlängerung mit Löw um zwei Jahre bis zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine an. Löw hatte nach Turnierende einige Tage der Ruhe für sich gefordert. Er wolle keine Entscheidung aus der Emotion heraus treffen. Er hatte eingestanden, dass er kräftemäßig ausgezehrt war. "Die letzten neun Wochen waren unglaublich intensiv. Das hat schon viel Kraft gekostet."

Beide Seiten räumten Fehler ein

Die Vertragsverhandlungen der gesamten sportlichen Leitung mit dem DFB waren zu Jahresbeginn unter großem Getöse gescheitert. Dabei hatte Zwanziger zuvor bereits eine Handschlag-Vereinbarung mit Löw bekanntgegeben. Unter anderem hatten Löw und der für die komplette sportliche Leitung als Verhandlungsführer auftretende Bierhoff hohe finanzielle Forderungen gestellt. Inzwischen haben beide Seiten Fehler eingeräumt.

Für Manager Bierhoff schien es einige Zeit lang keine Zukunft mehr im Verband zu geben. Inzwischen schließt Zwanziger eine Verlängerung auch mit dem Ex-Nationalspieler nicht mehr aus: "Warum nicht?"

(Klaus Bergmann, dpa, N24)

16.07.2010 15:50 Uhr

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