"Hätte es verdient"

Kuranyi will um Platz in DFB-Elf kämpfen

Die WM fand ohne den Neu-Moskauer Kevin Kuranyi statt. Nach dem Turnier will der Stürmer wieder angreifen und doch noch den Sprung zurück in die Nationalelf schaffen.

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Kevin Kuranyi will sich bei Dynamo Moskau durchsetzen und damit erneut für die Nationalmannschaft empfehlen.
Rauswurf für Kevin Kuranyi. Nach 52 Länderspielen und 19 Toren konnte er am 12. Oktober 2008 das Kapitel Nationalmannschaft abhaken.
Ohne Abmeldung war der Stürmer nach dem Russlandspiel zuvor aus dem Stadion in Dortmund verschwunden. Bis zum folgenden Training konnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keinen Kontakt zu ihm herstellen.
Bundestrainer Joachim Löw war stinksauer und warf Kuranyi aus dem DFB-Team. In Zukunft werde er den Schalker nicht mehr nominieren, stellte Löw klar.
Kuranyi war offenbar sauer über seine Nichtberücksichtigung im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland. Er saß während des Spiels auf der Tribüne und verschwand von dort eigenmächtig.
Kevin Kuranyi hat allerdings namhafte Vorgänger, die wegen diverser Verfehlungen aus der Nationalmannschaft flogen.
Uli Stein war 1986 als zweiter Torhüter mit zur Weltmeisterschaft nach Mexiko gereist. Unzufrieden mit dem Reservistendasein ...
... bezeichnete er Teamchef Franz Beckenbauer als "Suppenkasper" und die eigene Mannschaft als "Gurkentruppe".
Beckenbauer machte kurzen Prozess - und schickte Stein nach Hause.
Abpfiff 1987 auch für Torwart Toni Schumacher.
In seinem Buch "Anpfiff" griff er Mitspieler an und enthüllte angebliche Doping-Praktiken. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 76 Mal für Deutschland aufgelaufen - der DFB warf ihn trotzdem raus.
Für einen der größten Skandale als Nationalspieler sorgte Stefan Effenberg: Bei der WM 1994 in den USA zeigte er bei seiner Auswechslung den pfeifenden deutschen Fans den Stinkefinger.
Bundestrainer Berti Vogts schloss ihn aus dem Team aus: "Effe" fährt nach Hause.
Noch ein enfant terrible: Lothar Matthäus wurde 1996 bei der EM verschmäht.
Matthäus überwarf sich mit Bundestrainer Berti Vogts, ...
... nachdem er der Öffentlichkeit seine "geheimen Tagebücher" präsentiert hatte.
Darin bekamen vor allem sein Verein Bayern München und Kollege Jürgen Klinsmann ihr Fett weg. Matthäus musste schließlich zusehen, wie sich Deutschland 1996 in England den Europameistertitel holte.
Und auch er hatte seine große Klappe selten im Zaum: Mario Basler forderte 1999 sein Comeback im Nationalteam.
Doch Teamchef Erich Ribbeck blieb hart: "Ich lasse mich nicht erpressen. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Forderungen von Spielern zu erfüllen. Ich entscheide, mit wem ich spreche, wann und wie lange", stellte er klar.
Basler war nach einem schwachen Länderspiel gegen die Niederlande von Ribbeck ausgebootet worden.
Wenige Monate vor der Heim-Weltmeisterschaft 2006 endete das Kapitel Nationalmannschaft für Christian Wörns. Er hatte öffentlich Kritik an Jürgen Klinsmann wegen der Nichtberücksichtigung in mehreren Länderspielen geübt.
Für den damaligen Bundestrainer Klinsmann gab's nur eine Konsequenz: Er strich Wörns aus seinen WM-Planungen.
Video: Kapitänfrage? - Ballack oder Lahm?
Video: Löw in Klausur - WM-Konzept entscheidet über Kuranyi
Video: Kuranyi kleinlaut - Pressekonferenz zum DFB-Rauswurf
Video: "Diva" Kuranyi - Löw wirft Stürmer aus DFB-Kader

Kevin Kuranyi glaubt trotz der Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw an seine Chance in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Ich hoffe auf ein Comeback. Ich denke, dass ich es verdient gehabt hätte, bei der WM im Kader zu sein. Weil es nicht so war, wäre es zumindest schön, wenn ich bald eine Einladung bekommen würde. Ich glaube an das Leistungsprinzip, von daher will ich mich mit Leistung in Moskau auch weiter empfehlen", sagte der Stürmer, der im Sommer vom Vizemeister Schalke 04 zu Dynamo Moskau gewechselt war, der "Sport Bild".

Löw habe ihm für die WM in Südafrika abgesagt, weil er auf die Mannschaft baue, mit der er die Qualifikation gespielt habe. "Nun ist wieder eine neue Qualifikation. Und ich werde wieder um eine neue Chance kämpfen", sagte Kuranyi. Sein Ziel sei nun die WM in vier Jahren. "Die WM 2014 ist in meinem Geburtsland Brasilien. Dort dabei zu sein - das ist ein riesiger Traum", sagte der 28-Jährige.

Kuranyi-Comeback hätte fast geklappt

Löw hatte Kuranyi seit Oktober 2008 nicht mehr für die Nationalmannschaft berücksichtigt. Kuranyi war zuvor aus Frust über die Nichtberücksichtigung für das WM-Qualifikationsspiel gegen Russland in Dortmund (2:1) aus dem Stadion geflüchtet. Daraufhin erklärte Löw, Kuranyi werde unter seiner Regie keine Partie mehr im Nationaltrikot bestreiten.

Kurz vor dem WM-Turnier überdachte der Bundestrainer, der seinen Vertrag beim DFB bis 2012 verlängert hat, seine Entscheidung noch einmal. Löw berücksichtigte den Stürmer trotz seiner 18 Saisontore im Schalker Dress für die WM aber dann doch nicht. Für Kuranyi platzte damit nach 2006 zum zweiten Mal der Traum von einer WM-Teilnahme.

(sid, N24)

21.07.2010 13:00 Uhr

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