Tour de France

Contador wehrt Schlecks Attacken ab

Radprofi Andy Schleck hat die "Königsetappe" der 97. Tour de France gewonnen. Trotz der Niederlage hat sein großer Rivale Alberto Contador alle Trümpfe für seinen dritten Gesamtsieg in der Hand.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

"Es ist ein Traum, hier auf dem Tourmalet gewonnen zu haben. Ich hatte natürlich Gelb im Kopf, aber Contador (l) ließ sich einfach nicht abschütteln", sagte Schleck (r) nach der Königsetappe.
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.
Jährlich pumten sie rund acht Millionen Euro in ihr Team, nun gibt Milram sein Engagement im Radsport auf. Ohne neuen Sponsor verabschiedet sich damit nach Gerolsteiner und T-Mobile das letzte deutsche Team aus dem internationalen Radsport.
Die Fahnenflucht der Fahrer, die mitten in der 97. Tour de France die Hiobsbotschaft erhielten, hat begonnen. "Wir befinden uns jetzt auf Bewerbungsfahrt", sagte Johannes Fröhlinger ...
... bevor er bei der 9. Etappe seinen Worten Taten folgen ließ und früh mit einer Fluchtgruppe ausriss, aber im Finale einbrach. Einen Tag zuvor hatte bereits Kapitän Linus Gerdemann erklärt, dass während der Tour Gespräche mit anderen Teams laufen.
Sorgen macht sich Profi Fabian Wegmann nicht: "Für die Fahrer, die hier sind, dürfte es kein allzu großes Problem sein, ein neues Team zu finden." Sollte die Sponsorensuche von Teamchef Gerry van Gerwen (r.) erfolglos bleiben, würde Deutschland ...
... 13 Jahre nach dem Jan-Ullrich-Boom von der großen Radsport-Bühne verschwinden. Milram-Fahrer Gerald Ciolek bedauert die Entwicklung: "In vier Jahren von einer Radsport-Nation mit drei großen Teams zur Nullnummer, das ist schon traurig."
Ein Ende des Milram-Teams würde den deutschen Profi-Radsport in die Zweitklassigkeit stürzen. Im kommenden Jahr könnte nur noch Newcomer NetApp mit einer ProContinental-Lizenz die deutschen Farben vertreten.
"Gerade für den Nachwuchs ist das besonders schlimm", pflichtete Milram-Fahrer Christian Knees bei.
Hans-Michael Holczer kann nachempfinden, wie sich van Gerwen fühlen muss. 2008 war der ehemalige Chef des Team Gerolsteiner von Pontius bis Pilatus gerannt, um sein sportliches Lebenswerk zu retten.
Gerolsteiner zog sich 2008 aus dem Radsport zurück. Grund ist das angeschlagenen Image des Profi-Sports, der wie kein zweiter immer wieder mit Dopingfällen kämpft.
"Im Moment überwiegt weiter die Angst vor möglichen Zwischenfällen - sprich: Doping. Diese Angst würgt alles ab", so Holczer.
Der 56-Jährige (l.) sieht wenig Chancen auf einen dopingfreien Radsport. Der Internationale Radsportverband (UCI) habe zwar viel unternommen, aber Lücken gebe es weiter: "Wer nach ihnen sucht, der findet sie auch."
Das Team Gerolsteiner sollte einst Vorreiter im Kampf gegen Doping sein. Der herbe Rückschlag kam bei der Tour de France 2008, als die Fahrer Bernhard Kohl und Stefan Schumacher die Zahl ihrer roten Blutkörperchen mehrten.
"Wir haben übersehen, dass die Leistungen von Kohl wenig plausibel waren", sagte Holczer. Kohl habe bewiesen, wie gewieft die Sportler schummeln: Er mietete im Teamhotel ein extra Zimmer nur für Eigenblut-Infusionen.
Immer wieder erschüttern Skandale die Tour de France. Besonders lang ist die Liste aus dem Team Telekom (ab 2004 Team T-Mobile), das sich 2007 aus dem Sport zurückzog: Bjarne Riis (r.) gesteht im Mai 2007, bei seinem Toursieg 1996 gedopt zu haben, ...
... Erik Zabel (l.), bei der Tour 2008 Kapitän im Milram-Team, gibt ebenfalls 2007 zu, elf Jahre zuvor während seiner Zeit im Team Telekom EPO und andere Doping-Substanzen genommen zu haben.
Die Konsequenzen sind harmlos: Riis und Zabel müssen nur zeitweise auf ihre farbigen Trikots verzichten. Auch Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag half 1996 seinen Leistungen auf die Sprünge. Später leitete er das Telekom-Team.
2006 werden zwei Tage vor dem Start neun Fahrer von der Tour de France ausgeschlossen. Darunter: Jan Ullrich wegen Verdacht auf angereichertes Eigenblut.
Der Superskandal für das T-Mobile-Team folgt 2007: Jahrelang wurden deutsche Radler in der Uni-Klinik Freiburg mit Eigenblut versorgt. Darunter ist Profi Patrik Sinkewitz, weitere Team-Mitglieder sind unter Verdacht.
Ende 2007 beendete die Deutsche Telekom ihr Radsportengagement mit sofortiger Wirkung.
Auch Gerolsteiner ist nicht vor Skandalen sicher: Nachdem die Fahrer Stefan Schumacher (Foto) und Bernhard Kohl in einer Nachuntersuchung in der A-Probe positiv auf EPO-Doping testen, beendet die Mineralquelle nach zehn Jahren Ende 2008 sein Sponsoring.
Spitzenradler, die nicht dopen, scheinen selten. Auch der siebenmalige Tour de France-Sieger Lance Armstrong half 1999 nach. Höhepunkt ist die Tour de France 1998: Nur 97 von 198 gestarteten Fahrern erreichen Paris, sieben Teams müssen vorher aussteigen.
Noch hat van Gerwen aber einige Trümpfe im Ärmel. Als heißester Interessent für das Team Milram gilt ein europäischer Radhersteller. "Mit fünf Millionen" Euro pro Saison könne die Dortmunder Equipe "in der ersten Kategorie bleiben."
Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten!
Die Tour de France feiert ein Jubiläum: Vor 20 Jahren gab es die knappste Tour-Entscheidung der Geschichte. 1989 siegte Greg LeMond (r.) mit achr Sekunden Vorsprung vor Laurent Fignon (l.). Zeit, ein paar Rekorde in Bildern aufzulisten:
Erst zwei Jahre ist es her, dass Alberto Contador den Tour-Sieg feiern konnte - mit einem Abstand von 23 Sekunden zum Zweitplatzierten Australier Cadel Evans. Beide sind in diesem Jahr wieder am Start.
Dagegen gab es bis heute keinen klareren Gesamtsieg, als den von Maurice Garin 1903 - bei der ersten Tour de France. Er lag im Ziel 2:59:21 Stunden vor Lucien Pothier. 1952 brachte es Fausto Coppi (im Bild) immerhin auf 28:17 Minuten - vor Stan Ockers.
1946 hat Coppis großer italienischer Konkurrent und Landsmann Gino Bartali (l.) 26:16 Minuten Vorsprung auf dem Siegerpodest vor dem Belgier Alberic Schotte.
Eddy Merckx sammelte dagegen bis heute die meisten Etappensiege. Inklusive Zeitfahrerfolgen kam er auf 34 Etappensiege. Er wollte immer gewinnen - auch ein Grund ...
... für seinen Spitznamen im Peloton: "der Kannibale".
Der Franzose Bernard Hinault stand 28 Mal auf dem Siegerpodest, gefolgt von ...
... Andre Leducq, ebenfalls Franzose, mit 25 Etappenerfolgen. Er könnte in diesem Jahr aber von ...
... Dauersieger Lance Armstrong abgelöst werden. Der "Tourminator" sammelte bisher 22 Etappenerfolge.
Armstrong hält aber einen anderen einmaligen Rekord: Von 1999 bis 2005 gewann er als erster und einziger Fahrer in der Tour-de-France-Geschichte die Rundfahrt siebenmal in Folge. Zudem trug er bisher 83 Tage das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Nur ...
... Eddy Merckx (r.) schaffte mehr: 111 Tage durfte der Belgier das Gelbe Leibchen tragen. Bernard Hinault (l.) kommt immerhin auf 79 Tage in Gelb.
Der Amerikaner Armstrong fuhr auch die schnellsten drei Touren: 2005 betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 41,654 km/h, 2003 40,940 km/h und 2004 40,553 km/h.
Mario Cipollini (im Bild) fuhr 1999 die schnellste Tour-Etappe. Auf den 194,5 km von Laval nach Blois schaffte er ein Stundenmittel von 50,355. Schnellster in einem Zeitfahren war Greg LeMond 1989. Von Versailles nach Paris (24,5 km): 54,545 km/h.
Die Rekord-Distanz beträgt 5.745 Kilomter - auf sieben Etappen und wurde 1926 gefahren. Die kürzeste Tour gab es 1989 mit insgesamt 3.582 Kilometern auf 21 Etappen.
Der Niederländer Joop Zoetemelk nahm an 16 Frankreich-Rundfahrten teil und beendete alle - ebenfalls ein Rekord.
Das längste Solo der Tour-Geschichte geht auf das Konto des Franzosen Albert Bourlon. 1947 bestritt er in den Pyrenäen, von Carcassonne nach Luchon, 253 km in Alleinfahrt.
Der höchste Tour-Berg? Der 2.802 Meter hohe Col de la Bonette in den Alpen!
Jan Ullrich ist der erfolgreichste Deutsche bei der Tour. Er gewann sie als einziger Deutscher (1997) und fuhr 18 Tage im Gelben Trikot. Zudem ...
... gewann er drei Mal den Titel und das Weiße Trikot des Besten Jungprofis (1996-1998).
Immerhin zwei Mal der beste Nachwuchsfahrer im Tour-Peloton war Marco Pantani (1994, 1995). Der "Pirat" aus Italien hält dagegen einen "mythischen" Rekord: Er fuhr 1997 den magischen 13,8-km-Anstieg hinauf nach L'Alpe d'Huez in 37:35 Minuten.
Das rot-gepunktete Bergtrikot konnte Pantani, 1994 verstorben, aber nie gewinnen. Hier ist ein Franzose der Rekordhalter. Richard Virenque schaffte das Kunststück ...
... gleich sieben Mal. Kein Wunder, dass er mit Jessica Sow ein Topmodel an seiner Seite hat. Hinter ...
... Virenque folgt mit Federico Bahamontes ein Spanier. In den 50ern und 60ern gewann er sechs Mal die Bergwertung, der Belgier ...
... Lucien van Impe tat es ihm in den 70ern und 80er gleich.
Das Grüne Trikot des Punktbesten streifte sich in Paris der deutsche Ausnahmesprinter Erik Zabel am häufigsten über. Sechs Mal in Folge gelang ihm dieses Kunststück. Bis heute unerreicht. Auf Rang zwei dieser Wertung ...
... landet der Ire Sean Kelly. Vier Mal gewann er das Grüne Trikot. Erfolgreich war er in den 80er Jahren. Derzeit ist der ...
... Australie Robbie McEwen der Einzige, der Kelly bereits in diesem Jahr einholen kann. Er kommt auf bisher drei Siege in der Punktewertung.

Alberto Contador hat in den Nebelschwaden des Col du Tourmalet die letzten Angriffe von Andy Schleck abgewehrt und auf dem Dach der 97. Tour de France einen großen Schritt zum dritten Gesamtsieg gemacht. Der Spanier verteidigte auf der Königsetappe auf den 2115 Pyrenäen-Riesen sein Gelbes Trikot als Zweiter erfolgreich, überließ dem aufopferungsvoll kämpfenden Luxemburger nach 174 km allerdings den Tagessieg.

Schleck acht Sekunden hinter Contador

In der Gesamtwertung liegt Schleck nach seinem zweiten Etappensieg noch immer acht winzige Sekunden hinter Contador. Der 25-Jährige wird wohl auch auf dem Podium in Paris am Sonntag eine Stufe unter Contador stehen. Nachdem Contador und Schleck einen Großteil des Tages einträchtig nebeneinander im Schutz des Feldes fuhren, zündeten die beiden besten Kletterer im Finale den Turbo. Gut zehn Kilometer vor dem Ziel attackierte Schleck, sprengte die Spitzengruppe und fand sich allein mit Contador im dichten Nebel des Tourmalet wieder.

Contador hängte sich stur das Hinterrad seines Rivalen, Schlecks hohes Tempo hinterließ aber bereits deutlich Spuren der Erschöpfung im Gesicht des Favoriten. Erst 3,7 km vor dem Ziel übernahm Contador selbst die Initiative, doch Schleck folgte seinem durchaus beherzten Antritt. In den letzten Kehren des 18,6 km langen und im Schnitt 7,5 Prozent steilen Anstiegs verzichten die Kontrahenten auf Angriffe. In der Gesamtwertung dürfte es lediglich beim Zeitfahren am Samstag von Bordeaux nach Pauillac noch Änderungen geben. Allerdings wird Schleck auch auf den 52 km wohl kaum an Contador vorbeiziehen, da er im Kampf gegen die Uhr als deutlich schlechter als der Vorjahressieger gilt.

Sanchez auf Rang drei

Den dritten Podiumsplatz hat derzeit Samuel Sanchez inne. Der Olympiasieger liegt über drei Minuten hinter Contador. Bis zum großen Finale am Tourmalet zählte Marcus Burghardt lange zu den Protagonisten der Etappe. Relativ zügig nach dem Start in Pau hatte sich eine siebköpfige Spitzengruppe mit dem Sachsen vom BMC-Team gebildet. Das Hauptfeld gestattete den Ausreißern, die am Tourmalet für ihre Anstrengungen bezahlen mussten und eingeholt wurden, einen maximalen Vorsprung von knapp neun Minuten. Zwei Tage nach seinem letzten Aufbäumen in einer Fluchtgruppe gehörte auch Lance Armstrong beim Showdown am Tourmalet wieder zu den abgehängten Fahrern. Der 38-Jährige hat mit der Tour ohnehin abgeschlossen und konzentriert sich auf die Zeit danach.

Armstrong heuert Staranwalt Bryan Daly an

Im Zuge der Doping-Ermittlungen nach dem Geständnis von Floyd Landis hat Armstrong Staranwalt Bryan Daly angeheuert. "Wir werden genau schauen, wie und ob diese Untersuchungen Lance Armstrong betreffen", sagte der Strafverteidiger aus Los Angeles. US-Behörden untersuchen derzeit Betrugs- und Verschwörungsvorwürfe gegen Mitglieder der früheren Armstrong-Equipe US Postal.

Armstrongs früherer Teamkollege Tyler Hamilton ist offenbar gewillt, mit den Ermittlern zu kooperieren. "Wir arbeiten daran, eine Situation zu schaffen, in der Hamilton vertraulich reden und die gewünschten Informationen geben kann", sagte Hamiltons Anwalt Chris Manderson dem Sportsender ESPN. Manderson wollte nicht sagen, ob sein Mandant von der Grand Jury vorgeladen wurde.

Anti-Doping-Experte glaubt nicht an saubere Tour

Anti-Doping-Experte Werner Franke glaubt derweil nicht an eine saubere Tour. "Die Tour ist eine radelnde Satire. Die erzählen schon seit Jahren, dass die Tour sauber ist. Das ist ein Witz. Die Kontrollen sind so genormt, dass gar keiner erwischt werden kann", sagte Franke. Er hält die Tour de France für verseucht wie eh und je, die nackten Zahlen von insgesamt 540 Dopingtests während der 97. Frankreich-Rundfahrt - allesamt bisher negativ - lassen den Molekularbiologen aus Heidelberg nur müde lächeln.

"Die Kontrollen stehen doch wieder unter dem Einfluss der UCI", meint Franke, der kein gutes Haar am Radsport-Weltverband lässt: `Die Glaubwürdigkeit der UCI ist nicht existent." Es gebe eine klare Rückentwicklung im Anti-Doping-Kampf. "Es werden nicht die entsprechenden Kontrollen gemacht, auch nicht an den Grenzen", bemängelt der 70-Jährige. Mit dem Ende der 17. Etappe haben die Fahrer auch die Berge der 97. Tour hinter sich gebracht. Auf dem komplett flachen Teilstück von Salies-de-Bearn nach Bordeaux am Freitag über 198 km gibt es keine einzige Bergwertung. Dafür schlägt die Stunde der Sprinter, der Kampf um das Grüne Trikot nähert sich der Entscheidung.

(SID, N24)

22.07.2010 18:12 Uhr

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Sport